Das kommt davon

Gestern ging mir ein unzweifelhaft menschlicher E-Brief zu, im Kerne des Ansinnens, ich möchte doch mal wieder was Lustiges schreiben. Das hat mich natürlich bass entsetzt.

Meine außerirdischen Freunde mögen es zwar nicht übermäßig, wenn ich mit derlei Frust bei ihnen durchklingele, sie wissen aber auch, wie viel sie mir zu verdanken haben und wahrscheinlich noch zu verdanken haben werden.

„Schreib doch einfach was über den Hohepriester des Popocatepetl oder eine einsame Fischerin auf den Aleuten, die von einem wackeren Walross vor einem bösen Eisbären gerettet wurde und mit dem jetzt in einer eingetragenen, harmonischen Transbiopartnerschaft lebt.“ „Oder schreib was von Kalamarenkindern, wie die herumtollen, welche Streiche die sich einfallen lassen, selbst wenn sie einen Tiefseeschnupfen haben.“ „Oder schreib was von beleidigten Chilischoten, die auf Spechtfang gehen, so blöd, dass nur noch ein barmherziges Bilsenkraut sie aus ihrer schwierigen Lage rettet.“

Man sieht, ich erntete praktisch nur Hohn und Spott. Sie waren mal wieder alle auf Fentanycannabinol, einem Zeug, das jeden Erdenbürger, zumal in den Dosen, die die sich reinpfeifen, sofort ins Jenseits beförderte (oft mischen sie noch Muscarin, Scopolamin, Psilocybin, Meskalin, Digitalis, Taxine, Colchizin und Eisenhut darunter, dazu alles, was sie unterwegs an Brauchbarem aufgesammelt haben), und so konnte ich mir gerade keine große Hilfe von ihnen erwarten. Grrr. Spätestens, wenn ich selbst mal leicht einen im Kahn habe, werde ich Vergeltung üben, es wird dann meinerseits keinerlei Rats zu sprachwissenschaftlichen Fragen geben.

So schön nämlich ihre Raumschiffe, so effektiv ihr 20G-Netz, was Deutsch anlangt, sind sie nicht wesentlich weiter als jener Yoda, der Oberyetiritter aus Star Wars, der nach 930 Jahren noch immer nicht den einfachsten Satzbau beherrscht. Und zwar auch dann, wenn sie nüchtern sind. (Die Spottvorschläge von ihnen oben habe ich der Lesbarkeit halber berichtigt.)

Sie reden von sich in der dritten Person („Yoda das schon gesagt hat“), „ich“ zu sagen ist ihnen aufgrund ihrer schrägen Religion absolut untersagt, selbst diejenigen, die dies Konzept von mir gelernt haben, müssen sich daran halten. Es gibt bei ihnen insgesamt nur die dritte Person, immerhin auch in der Mehrzahl. Deshalb glauben sie mir auch oft nicht, dass ich für Menschenohren, zumal deutsche, richtig übersetzt hätte.

Bei zusammengesetzten Begriffen haut sie es dann gleich ganz aus der Kurve. Schon der einfache „Kellertürschlüssel“ ist ihnen zu viel, das muss heißen (es gibt auch nur einen Artikel): „Die Schlüssel von die Tür von die Keller.“

Und wehe, man frägt sie, ob das bei ihnen vielleicht vor 5000 Jahren mal einer besser gekonnt hätte. Nicht, dass sie es bei mir für sowas gleich wagten, mir einen Tachyonenstoß zu versetzen, der sich gewaschen hat, sie fleuchen dann aber so aufgeregt durcheinander und wedeln mit ihren Hyperwaffen, dass es allemal für ein unangenehmes Ohrenbrummen reicht.

Sie können primitivstes Deutsch inzwischen leidlich lesen, sehr langsam und einfach gesprochen auch verstehen, um ihnen aber beispielsweise einen langen Satz aus Kleists Käthchen oder Kohlhaas halbwegs zu erklären, brauche ich bei den Hellsten leicht ein Stunde. Bei Aphorismen etwa Lichtenbergs zeigen ihre Computer stets eine Fehlermeldung, und ich brauche eine Engelsgeduld, ihnen auch nur Doppeldeutigkeiten einigermaßen nahezubringen.

Ansonsten können und wissen sie so gut wie alles. Guckt einer nur auf einen Stahl, so kann er dir sofort sagen, wie viel Kohlenstoff, Vanadium, Niob, was auch immer da drin. Aufs Kilo aufs Attogramm genau.

Wie sie sich fortpflanzen, das darf ich Euch leider nicht genauer verraten. Nur, dass es sehr kompliziert ist und nur in einem extremen Hochvakuum funktioniert, und das auch nur beim etwa tausendsten Versuch.

So, das habt ihr jetzt davon, ihr Galaktobekifften, dass ihr mir nicht einmal eines von euren Milliarden Geheimnissen rausgelassen habt, worüber ich etwas so Unglaubliches hätte schreiben können, dass der Mensch vor lauter Staunen darüber lacht.

 

 

 

 

 

 

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