Sonnwende: Wir feiern!

Ja, jetzt zur Sonnwende noch ein belgisches Pralinchen, einen kleinen Kognak, ein Gläschen Lagensekt, einen Streifen Carpaccio, etwas Manchego, oder einen Bürgstädter Spätburgunder?

Der Irrsinn hat im sogenannten Freien Westen im bald abgelaufenen Jahr so angezogen, dass das dem Feiernden nicht nur einen Streifen sibirischen Wildlachs an die Seite geben möchte, kommt er darüber ins Reden, er findet leicht auch noch Entenbrüste, Hirschmedaillons, Ziegenschinken, alten Höhlenkäse, feinstes Pflaumenjus, den besten roten und grünen Pfeffer und selbst Stielpfeffer, vom Wildschwein zimmerwarme gebeizte vorgegarte Lende, es fehlt nicht an Perlhuhn, noch der Gänse Brüsten, andere laben sich an Wolfsbarsch, Kalamaren und Garnelen, manche sitzen am Trüffelkäsfondue, es gibt gar Puristen, die Rindersteaks vorziehen, echtenglisch, am Sushitisch tummeln sich auch einige, die dort nach losen Weibern suchen, es ist ein Fest, und selbst bei jenen im Koreanereck, wo des Knoblauchs manchen zu viel, Spaniern naturgemäß nicht, gibt es heute zwar nicht Hund, aber allerlei Leckeres: und das lässt dann die Japaner auch nicht kalt, sie setzen Kobe-Rind gegen die Ochsen der Spanier. Die Chinesen braten Enten, dass die Heide wackelt. Der Schweizer hat seine edelste Bergkuh aufgesucht, für den Tag aus ihr den besten Chäs zu machen. 1000 italienische Liköre. Die Katalanen drehen jetzt richtig durch und bringen wirklich durchdachte Fischgerichte und ihre Spezialzwiebeln. Kreta liefert Olivenöl. Sardellen und Kapern sind zwischen Spaniern und Italienern umstritten. Ähnlich ist es mit den Sprotten. Baltische streiten gegen deutsche Lieferanten. Es gibt nur das Beste.

Selbst bei den Bieren und Broten.

Bisher 11 Kommentare

11 Antworten auf „Sonnwende: Wir feiern!“

  1. Dafür schätze ich Sie. Sie können textlich Appetit erzeugen. Ich schau mir manchmal Fotos in Kochbüchern an, zu trocken Brot. Heute ist ein Festtag, obwohl mir gerade erst erklärt wurde, dass die Sonnenwende erst am 25. erfolgt. (s.u.). Ich lese ihre Schmausefantasien, mach mir einen Tomatensalat mit viel Zwiebel, Olivenöl und Hengstenberg Walnussessig (der ist hervorragend). Dann noch gerollte und geschnittene Maultaschen, gebraten mit Rührei. Vielleicht mach ich mir über Weihnachten einen Coq au Vin. Wenn alle feiern, möchte ich ja auch nicht leben wie eine Hündin
    Hier das Zitat:
    „Matthias Hassel Nicht ganz, mein Freund. Erst am 25.12. geht die Sonne wieder eher auf. Auf die Julnacht vom 21.-22.12. folgen 3 Nächte Stagnation. Darum feiern wir Asatru (wie auch andere Religionen) die letzte Nacht des alten Sonnenjahres und die Christen (und vorher schon die Ägypter u.A.) die erste Nacht des neuen Sonnenjahres.
    Sorry für meine Klugscheißerei…“

    1. @ Erika Walter

      Selbst wenn Sie ein gutes Huhn finden, ist die Bereitung eines richtigen Coq au Vin eine nicht von jedem gekonnte Kunst. Ich wünsche Ihnen sowohl das Huhn dazu wie das Händchen.

  2. Aber zum Wildlachs muss ich etwas bemerken: Es gibt praktisch keinen wilden Lachs, der nicht von Würmern durchzogen ist. Deshalb, in diesem einzigen Fall, Zuchtfisch bevorzugen

    1. @ Erika Walter

      Diesen Zuchtlachs fresse ich aus verschiedenen Gründen nicht. Die Würmer im anderen sind mir scheißegal. Parasiten aller Art haben es bei mir nicht leicht.

  3. # Magnus Wolf Göller
    Zu Coq au vin gibt es viele Rezeptvarianten. Das Fleisch 2 Tage marinieren usw. Ich werde die einfachste Version machen, die habe ich schon mal probiert und sie hat mir gemundet. Hähnchenteile mit Mehl bestäuben, anbraten. Schalotten, Koblauch und Möhren mit anschmoren. Mit Rotwein (billigem) ablöschen und im Topf (!) schmoren lassen, später Speck und Champignons dazu. Ein Schuss Weinbrand ist wichtig. Ich weiss es gibt unzählig leckere Varianten, aber einerseits liebe ich das Kochen nicht mehr so und andererseits kann ich als Rentnerin keine „grossen Sprünge“ mehr machen. Bin über Weihnachten eh allein, für Gäste würde ich mich natürlich ins Zeug legen

  4. # Magnus Wolf Göller
    Was ich perfekt kochen kann, ist Rührei und das ist gar nicht so einfach, wie selbst Spitzenköche attestieren. Oft ist Schmalhans Küchenmeister bei mir. Gerichte, die Safran verlangen, kommen bei mir nicht in Frage. Ich goutiere Arme-Leute-Essen, nicht nur weil alle Nähstoffe darin enthalten sind. Oft Linsen und Spätzle, die aber von mir hervorragend zubereitet werden. Ich esse wenig, oft nur flüssiges Brot, beizeiten sind mir Rauchwaren wichtiger. Spaghetti sind mir eh das liebste, aber jeden Tag kann ich die auch nicht essen. Was gibt’s bei Ihnen so über’s Julfest? Einen Gänsebraten?

    1. @ Erika Walter

      Ich habe früher immer wenigstens einmal im Jahr eine Gans gebraten, davon wollten auch immer hinreichend Leute außer mir essen, doch jetzt lebe ich alleine, dieses Jahr ergibt das keinen Sinn, denn eine Gans brät man für Gäste, und es sind keine angesagt.
      Es wird meine gewohnte gute Hausmannskost geben, eine Rindsbeinscheibensuppe (hervorragend für kalte alte Knochen!) ist schon vorgekocht, ich habe noch Sardellen und selbstmarinierte Pilze und selbstgemachtes Mangochutney, Sardellen, prima griechischen Schafsziegenhartkäse vom Lidl, genial um den Preis, selbst angesetzte Essige und Liköre und zugekaufte Liköre, ein Stück anständigen Schinken, einen guten spanischen Hausroten von der Norma, es fehlt nicht an Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl, Gewürzen und Tomatenbüchsen, ja, ärgerlich, dass ich vergaß, noch Schalotten zu holen, für Teezwecke ist aber frischer Ingwer da, die Biozitronen schmeiße ich dann aus den angesetzten Likören dazu in den Kessel.
      Ich sollte wohl auch noch eine von diesen hochnotköstlichen lidlanischen spanischen Tintenfischbüchsen auffinden können, die in Öl mit Knofi. Es sind auch allerlei Sorten Linsen vorhanden, für den Fall, dass ich aus der Beinscheibensuppe noch eine Linsensuppe machen wollte. Nudeln ohne Ende. Allerdings, ja, Handgeschabte wird es zum Fest nicht dazu geben, denn Wasser, Salz und Mehl sind zwar da, aber keine Eier. Dafür habe ich Frischhefe, ich kann mir also jederzeit eine Pizza oder einen Käsblootz oder frische Brote backen.
      Gegen wilde Tiere, die mir all das wegfressen wollen, habe ich Erfahrung, Eisbären sind in Rohrbach bisher nicht gesichtet worden, ich werde also vermutlich auch über diese Feiertage kommen.

  5. #Magnus Wolf Göller
    Sie scheinen von leiblichen Genüssen ja einiges zu verstehen. Pilze marinieren, Mango Chutney selbst herstellen, alle Achtung. Der Schafsziegenhartkäse ist mir bei Lidl seither nicht aufgefallen, noch weniger Tintenfisch in Dosen. Dafür waren aber heute Champignons und Hähnchen ausverkauft. Also Schenkel-Ober- und Unterkeulen. (Aaaargh, in der Not frisst der Teufel Fliegen).Wegen der Pilze und Schalotten musste ich noch woanders hin. Rosmarin habe ich vergessen, muss also morgen früh nochmals los, auch weil mir 24 Flaschen Bier bis Freitag nicht reichen und ich besser nachfasse. Nudeln und so weiter habe ich wie irre da, könnte einen Monat überleben. Auch Linsen und Bohnen (Ich mache inzwischen eine solide serbische Bohnensuppe) Reis etc. Bei Linsen rate ich übrigens von Bio-Linsen ab, die behalten auch nach ewigem Kochen eine zähe Schale und die berühmten Albleisa sind mir zu teuer. Auf die Mehlschwitze verzichte ich. Für handgemachte Spätzle wäre alles da, nur finde ich mein Rührgerät nicht und den Teig von Hand anrühren überlasse ich anderen. Wie wurden eigentlich Knöpfle geschabt, ist mir nicht ganz klar. Pantagruelion ist auch nicht günstiger geworden. Musste da vorhin einer nachrennen, sie liebt es, einen in Menschenmassen zu treffen, vorhin auf der Königstrasse. Ich dreh fast durch, sind zu viele Sheeples um mich rum und ich kann es nicht fassen, wie tief ich gesunken bin

  6. # Magnus Wolf Göller
    Interessanterweise waren mir als kleines Kind schon Linsen eines der liebsten Essen und damals konnte ich verstehen, warum Esau sein Erstgeburtsrecht für eine Linsensuppe abgab. Überhaupt habe ich den Vorteil, dass mir einfache Speisen, speziell Eintöpfe, besser munden als so manche teure Köstlichkeit. Kaviar hat mich nicht so umgehauen, weder der rote noch der schwarze und am Spargel mag ich nur die Spitzen. Finde Schwarzwurzel viel schmackhafter. Unvorstellbar allerdings ist für mich, wie man jemals ohne Zwiebeln kochen konnte. Auch auf den Geschmack von Speck könnte ich nicht verzichten. Was gar nicht mehr geht, ist Covenience-Food, Königsberger Klopse im Kochbeutel zum Beispiel. Früher konnte man so was vertilgen, heute ist nur noch vergammeltes Fleisch drin. Bald werden sie uns Soylent Green vorsetzen

    1. @ Erika Walter

      Es hat noch nie nirgends keiner mitohne Zwiebeln gekocht und ist deshalb nicht ausgestorben. Darum hat die Zwiebel, als Lauch, laukaz, auch das Gewicht eines von vierundzwanzig jahresbündigen Heilszeichen, man nennt sie auch Runen, wenn man sich das traut, weil man genug Zwiebel gegessen hat.
      Gut, laukaz steht nicht nur für den Lauch, aber dann raten Sie mal, wofür sonst noch….

  7. # MWG
    Also gehen Sie davon aus, daß es vor ca. 5500 Jahren v.Chr. keine Menschen gab, speziell nicht in Nordeuropa. Zwiebellauch, Bolle, Zipolle, Speisezwiebel, Küchenzwiebel, Gartenzwiebel, Sommerzwiebel, Hauszwiebel oder Gemeine Zwiebel soll erst zu dieser Zeit aus dem Orient eingeschleppt worden sein. „Solange die Abstammung ungeklärt ist, kann auch die geographische Herkunft der Küchenzwiebel nicht genau bestimmt werden. Oft anzutreffen sind Angaben wie „Mittelasien“ oder „Afghanistan“. Die derzeit als nächstverwandt angesehene Art Allium vavilovii ist in Turkmenistan und im Iran beheimatet.“ „Die Küchenzwiebel ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und wird schon seit mehr als 5000 Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze kultiviert. Bei den alten Ägyptern wurden Zwiebeln den Göttern als Opfergabe gereicht, waren eine Art Zahlungsmittel für die beim Pyramidenbau eingesetzten Arbeiter und wurden den Toten als Wegzehrung für die Reise ins Jenseits beigelegt. Davon zeugen die im Grab des Tutanchamun gefundenen Zwiebelreste. Eine über 4000 Jahre alte sumerische Keilschrift enthält Angaben zu Gurken- und Zwiebelfeldern und im Codex Hammurapi wurden Brot- und Zwiebelzuteilungen für die Armen festgelegt.

    Bei den Römern zählten Zwiebeln zu den Grundnahrungsmitteln vor allem der weniger Begüterten. Römische Legionäre waren es auch, die die „cepula“ (woraus, über mittelhochdeutsch „zwibolle“, letztlich das deutsche Wort „Zwiebel“ wurde)[4] in Mitteleuropa verbreiteten. Hier wurden sie zu einer der am meisten verbreiteten Gemüsearten, durften auf keiner Tafel fehlen und dienten im Mittelalter auch als Amulett gegen die Pest. Etwa ab dem 15. Jahrhundert begann man in den Niederlanden, vielfältige, in Form, Farbe und Geschmack unterschiedliche Sorten gezielt zu züchten. “ Aber wahrscheinlich haben sie recht. Als die ersten Kessel erfunden wurden, haben die da alles mögliche reingeworfen

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