Plan aufgeflogen: Magna wollte deutsche Ü55-Damenhockeymeisterin werden

Lauren Chen (das ist die Biofrau oben rechts) nimmt sich des Themas menstruierende und gebärende Männer sehr sanft an, so weiblich sanft, wie ich das als Mann, heute wohl „Cismann“, natürlich nicht kann.

Selbstverständlich liegt das auch daran, dass ich mich als Cismann extrem diskriminiert fühle, denn keine Hormontherapie und keine Starchirurgen werden mich je menstruations- und gebärfähig machen, gut, mit 56 wäre es eh etwas spät, obwohl, manche Frauen – äh, also auch Männer – gebären heute noch in solchem Alter.

Die Vorstellung, es setzten in Deutschland bald angelsächsische Verhältnisse ein, so dass ich nicht einmal auswandern müsste, um bei den Ü55-Hockeydamen mitspielen zu können, mildert meinen von daher rührenden Frust kaum. Obwohl ich so vermutlich noch gute Chancen hätte, eine gefeierte Spitzenspielerin zu werden. (Immerhin war ich in der B-Jugend und A-Jugend der Cisjungen mehrfach süddeutscher Meister, auch Vierter und Dritter auf der deutschen Meisterschaft. Einfach den Schläger wieder in die Hände und erbarmungslos verteidigen und durchbrechen.)

Lange Haare habe ich ja schon, und wenn meine Mitspielerinnen fordern, ich möge mich vor jedem Training und Spiel frisch rasieren, auf dass sich unter der Dusche und auf dem Platz keine herabgesetzt fühle, bin ich bereit diesen Preis zu zahlen. Vielleicht könnte ich auch ein paar meiner alten Kameraden mit in die Frauschaft bringen, da hielte ich hohe Wetten, dass wir locker die deutsche Meisterschaft gewännen, selbst ohne H. Erst bei den internationalen Meisterschaften, wenn wir gegen entsprechende Australierinnen und Holländerinnen und Engländerinnen antreten müssten, möchte es kritisch werden.

A propos: Wir spielten mit der männlichen B-Cisjugend (alle 15-16) mal gegen eine sehr erfolgreiche Damenbundesligamannschaft (hieß damals noch so, es war eine Cisdamenmannschaft), einfach als Testspiel, wir gewannen mühelos hoch, obzwar wir körperlich durchaus zurückhaltender vorgingen als gegen jede gleichaltrige Cisjungenmannschaft. (Feld- und Hallenhockey sind nicht American Football oder Rugby, es kann aber trotzdem mal sein, dass einer mit Absicht stehen bleibt, der andere rauscht rein: Das ist zwar eine Regelwidrigkeit, aber nicht einmal unbedingt ein Foul. Sowohl das Stehenbleiben wie das Reinrauschen nicht, beim Reinrauschen muss man aber etwas vorsichtig sein, damit es nicht wie Absicht aussieht.)

Ich schweife ab. Cismännerphantasien. Nein, zu derlei rachsüchtigen Bosheiten lasse ich mich nicht einmal zu Demonstrationszwecken hinreißen. Auch weiß ich nicht, was mich in die Ü55-Damendusche locken sollte. Obwohl: Cishockeyfrauen sind meist recht drahtig, sie nehmen meist keine ekligen Hormone (die Pille braucht es ja bei den meisten nicht mehr), und sie rauchen und saufen viel weniger als Cismänner, eine höhere Lebenserwartung haben sie sowieso. Sie pflegen sich besser, ernähren sich besser, von besserer Hygiene ganz zu schweigen, auch habe ich noch nie eine mit meiner Brust- und Rückenbehaarung gesehen, also warum nicht mal reinschauen? – Schmeißen sie mich aus der Dusche raus, hole ich mir einen US-Staranwalt, verklage sie alle einzeln, den Verein dazu, auf zehn Milliarden Dollar Schmerzensgeld, zehn Millionen bekommen wir, ein Drittel für den Anwalt, und ich bin für einmal Reinschauen zwar noch kein George Soros, aber immerhin.

Scheiße. Jetzt habe ich tatsächlich so hilflos herumgeheuchelt, dass mein ganzer geheimer Plan zur Sicherung meines Lebensabends damit aufgeflogen ist. Ich kann einfach noch nicht denken wie ein Cisweib. Und zudem werde ich eben doch nie Kinder bekommen oder wenigstens mal menstruieren können. Was für eine beschissene Welt.

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