Meine Kobolde und ich

Nein, ich werde jetzt nicht von den gepriesenen neuen Eunuchen sprechen, die man heute anders heißt, für die man auch Arzneien hat, die man im Alten China oder Rom vermutlich nicht für sie vorhielt, ich will auch gerade nicht wissen, ob ein Hodensack der pharmazeutischen Industrie ähnlich viel wert ist wie eine Säuglingsvorhaut.

Nein, mit derlei Dingen, in denen alles seinen geordneten wisseschaftlichen Lauf geht, wird sich hier jetzt ebensowenig befasst alswie damit, wie unsere Zeit erleuchtet, indem ein seelisch schwer krankes Kind zum Weltgewissen aufsteigen konnte, einem Wesen, selbst von hohen kirchlichen Würdenträgern mit Jesus Christus selbst verglichen.

Wir spielen jetzt nämlich lieber mit Kobolden.

Die nämlich sind wirklich über jedes Maß hinaus verrufen, und wir zeigen uns damit solidarisch mit ihnen. Sie werden immer niedlicher und possierlicher, je mehr man mit ihnen spielt. Es sind nunmal Hausgeister, und je wohler sie sich fühlen, um desto mehr sind sie dienstfertig. Sie passen immer besser aufs Haus auf – sie wissen ja nicht, wohin sonst – , sie ärgern uns Hausherren immer weniger, indem sie etwa Sachen verlegen und dergleichen, sie warnen uns vor Gefahren, denn dass ein üblerer Hausherr über sie kommen könnte, der gar nicht mehr mit ihnen spielt, wird ihnen immer klarer.

Inzwischen sind meine Kobolde sozusagen Haustiere. Sie waren zwar erstmal schrecklich beleidigt, als ihnen das so eröffnete, das wusste ich aber zu besänftigen, indem ich ihnen sagte, wie stolz ich auf sie sei: ich könne ohne weiteres mal ein paar Tage das Haus verlassen, der eine oder andere Kobold werde vielleicht etwas traurig und harre sehnsüchtig meiner Wiederkehr, keins aber gehe ohne mich verzweifelt zugrunde. Und es seien immer verlässliche Leute da, die aufpassen.

Und das liebe ich besonders an meinen Kobolden: Sie sind manchmal etwas streitsüchtig und leicht beleidigt, man kann sie aber mit etwas Übung jederzeit darauf hinweisen, dass Panik nichts taugt, auch auf gemeinsame Interessen. In mancherlei Hinischt sind sie gelehriger und vernünftiger als sehr viele Menschen.

Allerdings spielen sie alle noch schlechter Schach als ich. Ihr Englisch ist rudimentär, sie haben es ja nur davon, wenn ich mal auf Englisch vor mich hinrede, womöglich eine deutsche Übersetzung dazu. In Geographie sind sie auch sehr schwach, dazu können sie nun wirklich nichts, denn wenn ich einmal Kalkutta oder Osaka sage, was soll es ihnen helfen.

In Punkto Philosophie und Religion ist die Sache für sie auch recht einfach, denn ihr allüberragender Glaubenssatz, eher ist das eine Maxime, der lautet schlicht: „Ich will aus MEINEM Haus nicht raus!!!“

Das empfinde ich wiederum als sehr angenehm an meinen Kobolden, dass ich mit denen nicht über Reinkarnation oder Chakren oder Astro oder Homöopathie oder Paläontologie diskutieren muss, Pyramiden in Brasilien, die Bibel und die Veden, all das ist denen zum Glück ziemlich egal.

Ja, seitdem sie das mit der Panik eingesehen haben, dass hiezu eine unerbittliche Gegenordnung im Zweifel auch letztwirksam, Ahndung im Sinne unwiederkömmlichem Rausschmisses erfolgen könne, lebe ich mit diesen putzigen drolligen lustigen Kerlchen sehr fröhlich und geborgen.

 

 

 

Bisher 2 Kommentare

2 Antworten auf „Meine Kobolde und ich“

  1. # Magnus
    Wie? Zieht man die billige Stasi-Destabilisierungs-Massahme jetzt auch bei Ihnen durch? Ich muss nur 20 Minuten zum Einkaufen raus. Die Anti-Heinzelmännchen nenne ich die. Alte Stasi-Methoden, längst raffinierter übernommen. PC-mässige Videoüberwachung der eigenen Bude wird auch locker ausgehebelt. Ein audentisches Gedächtnis kann betrogen werden. Ansonsten sagt der Sufi: Nach einer negativen Gedankenschlussfolgerung, hat der Teufel in deinem verletzlichen Bewusstsein schon gewonnen
    Hier Teil 3, wir alle unterschätzen inzwischen die Frogs: http://arte.gl-systemhaus.de/am/tvguide/SAT/057866-003-A_SQ_0_VA-STA_02714943_MP4-2200_AMM-Tvguide.mp4

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