Ohne mein schäbiges Moralisieren am Schluss ein erträglicher Text

Ich habe mir eben befohlen, um diese Jahreszeit fühlt man sich schon um Zehne schnell wie Zwölfe, mir es jetzt noch irgendwie lustig sein zu haben.

Was, wenn mir der Ofen verreckt, genau dann, wenn der Strom gerade ausgefallen, mir endlich mein Rotwein im Glase erfriert?

Immerhin habe ich noch ein paar Flaschen Hochprozentiges. Die platzen wohl erst deutlich unter minus dreißig.

Sowieso, ich muss ihn nur etwas besser abdichten und wohnlicher einrichten, kann ich ja auch in meinen Keller ziehen. Da ist mir noch nie auch nur ein Wein eingefroren.

Wenn ich den Ofen wieder flottkriege und noch trocken Holz finde, kann ich ja auch zumindest zeitweise wieder oben hausen.

Und habe ich ja auch noch Schmaus. Alles, was in Gläsern oder Dosen, ist vor nichtmenschlichen Wegfressern gut gesichert, und ich weiß, wie man Nudeln, Reis und Linsen auch ohne Katze vor Nagern schützt.

Zieht der Frost zum ersten Mal seit dreißig oder mehr Jahren ernsthaft in den Keller, kann ich noch rechtzeitig ein Loch graben, wo er all den Köstlichkeiten selbst dann nicht schaden kann.

Bei zwei bis vier Grad schläft es sich – oh zum Glück ist der Keller nicht gar zu feucht! – erfahrungsgemäß sehr ruhig, tief und fest. Man merkt zeitweise gar nicht, dass man schläft, was den Schlaf umso erholsamer und erquicklicher macht.

Ja, das hört sich richtig gut an. Abends endlich wieder Zeit für gute Bücher beim Kerzeleinschein. Den Füller wieder in Gang gebracht und so schön flüssig geschrieben wie lange nicht mehr. Zur Lust und zum Rattenschreck mal wieder die Kongas zur Hand, was juckt das jetzt den Nachbarn noch, und drauf, zwischendrein die zweite Stophe der Kaiserhymne geschmettert, ich habe noch Olivenöl, der Rum lag nur drei Jahre, aber er ist gut, meine Welt ist ein Fest.

Ja, und da ist es schon wieder vorbei mit meiner verordneten guten Laune, denn, so wie derzeit ausgerüstet, hielte ich das Fest schwerlich allein ein halbes Jahr lang durch, zumal über den Winter. Dauerhaft gute Laune mit leerem Bauche und zugefrorenem Glase, tut mir leid, das ist was für Sufis und Gurus und Fakire und Sondersamurai und derlei Leute, nicht für mich.

Trotzdem war der Eingangsbefehl nicht verkehrt. Das kellerbukolische Leben, ich habe doch noch eine Büchse Fisch, viel Zeit zum Sinnen, mein Leben ist nicht unmittelbar bedroht, keiner will etwas von mir wissen, ich kann endlos studieren, Veitstänze aufführen und Tiraden absondern, zirpen und plärren, niemand interessiert’s, was für eine großartige Aussicht auf die Große Meditation, aus der eigentlich nur ein gestärkter, ja ein neuer Mensch aus seinem Keller wieder ans Licht, zu seinem großen Lichte heraustreten kann!

So oder ähnlich haben es weiland die Neandertaler und die Denisovaren gemacht, und zumindest von ersteren meine ich, einige meiner besten Gene zu haben. Höhlen- und Kellergene, davon sicher welche.

Der Keller, wenn gut verrammelt, ist natürlich auch der beste Ort zum Lachen, wenn keiner mehr hören darf, dass irgendwo noch einer gesund lacht, weil das verdächtig ist, zudem ein Hinweis, dass da noch einer eine Fischbüchse haben könnte.

Zum Glück aber, das kommt dazu, halten mich auch hier alle Leute für einen ziemlich spinnerten mittleren Trottel, der im Zweifel nicht einmal seinen Keller geregelt kriegt, dem längst alle Büchsen durchgerostet, das letzte Holz zersplintert, so dass er nunmal für sein Restschicksal, seine sinnlosen Zuckungen ebenso, schlicht selbstverantwortlich, weshalb nichts auf letzte Geräusche und sonstige Lebensregungen noch zu geben.

Ja, das ist gewissermaßen das Geilste am Ganzen. Es gibt mich einfach eine zeitlang gar nicht mehr. Dann setzt sich der Staub, und ausgerechnet ein böser alter weißer Mann schält sich schon wieder heraus auf die Straße. Ja, so sehen 2019 die wohligen Allmachtsphantasien von derartigen Arschlöchern wie mir aus. Jedenfalls, wenn ich gerade Lust dazu habe, einen derartigen Stuss hinzuschreiben.

Jetzt ist es mir schon egal, wo ich war. Achja, das Ganze hatte wohl doch eine Art Hintersinn.

Ohje. Was habe ich mir jetzt eingeschenkt.

Also: Ich kenne einen, der ist geradezu witzmachsüchtig. Ein vielschichtiger, ein großartiger Geist, aber da setzt er sich meines Erachtens selbst gefangen.

Genug: Wo der es übertreibt, daran fehlt es den meisten. Sich einfach selber seine eigenen Witze machen, eine eigene verwegene Phantasie entfachen, raus aus der Angst, worüber man noch lachen dürfe.

 

 

 

 

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