Beste Form der Information? – Der Weg des Lektors

Leserin Gigi warf heute zum Vorgängerartikel „Man schreibe jetzt jeden Tag mit jedem redlichen Wort Geschichte“ die Frage auf, welche denn die beste Form der Information sei, die effektivste des Kampfes.

Indem ich mir in der Nacht noch genau dazu Gedanken gemacht hatte, welch Zufall, will ich nun das bereits in etwa Geplante (es war schon sehr spät, eher in Richtung heute früh) anfassen, mit dem klaren Hinweis zuvor, dass das nicht immer gilt und auch nicht für jeden, lediglich für mich und jetzt, angesichts der politischen Wortverdreher, der Gretas, Transen mit Schwänzen undsoweiter.

Mir kam also die Idee, dass man das ganze unsinnige Geschwätz und all den Wortmüll und die inneren Widersprüche anzugehen habe alswie ein erfahrener Lektor, der ein völlig schrottiges Manuskript zum Richten vorgelegt bekommen hat, so arg, dass er das Buch am Ende selber schreiben müsste, dass es irgendwie noch als sinnig bezeichnet werden könnte. Da schon der Grundgedanke im Ernste nicht trägt, einfach eine gute Satire daraus gemacht. Dann aber unter eigenem Namen, mit Danksagung und Widmung an den Ideengeber.

Man erklärt dem Manuskriptanten Zug um Zug seinen Wortunfug, dass selbst seine leicht abgeänderten Wiederholungen sich nicht treu bleiben, seine logischen Brüche und inneren Widersinnigkeiten im Text, seine schwerst schäbige Betreuung von Zitaten und Querverweisen, seinen mehr als nachlässigen Stil, der Sprünge macht, alswie ein tollwütiger Bock, seine generell ungenügende Erfassung des Themas insgesamt, seine geradezu zielsicheren Fehlgriffe, wenn es um Redewendungen und Metaphern geht, sein dümmliches Fürdummhalten aller Leser, seine missratenen Kofferwörter, seine Unfähigkeit bezüglich des Genitivs und der Konjunktive, seinen miserablen Satzbau, insgesamt seinen armen und völlig unsicheren Wortschatz und Wortgebrauch.

Man muss den Manuskriptanten lehren, dass jede sinnvolle Rede etwas mit Logik zu tun hat. Dass er auf die Art vielleicht drittklassige Stücke fürs absurde Theater schreiben kann (die erstklassigen sind auch schon ziemlicher Schrott), aber nicht ernsthaft zu einer ernstzunehmenden Sache reden.

Dann, im Grunde wie bei Nachhilfeschülern ab der fünften bis siebten Klasse: Ich will eine anständige Inhaltsangabe eines Textes sehen, daraufhin eine Bildbeschreibung, hernach einen Erlebnisaufsatz, dann eine kleine Gedichtinterpretation, und als vorläufigen Abschluss je eine Erörterung zu einem gestellten und selbstgewählten Thema. Zur Auflockerung gibt es zunächst Vorlesen von bekannten mittelschweren Texten, bis mindestens zu unbekannten mittelschweren Texten.

Dann folgt die erste Facharbeit. Die könnte sich zum Beispiel um die Klassifikation von achtzig Gendern drehen, die verschiedenen Definitionen gegeneinander abwägen, die bisherigen Systeme beleuchtend und kritisch bewertend, mit abschließender Betrachtung. Vielleicht, da wäre ein Einser mit Stern drin, einer eigenen neuen Klassifikation, die originell und vergleichsweise logisch erscheint.

Damit das Mundwerk des Manuskriptanten wiederum nicht zum Einschlafen gebracht werde, liest er jetzt nebenher alle drei Tage einen Klassiker der abendländischen Literatur, wird dann zehn Minuten dazu abgefragt, was die Leitmotive, die tragenden Gedanken, zu den Hauptfiguren. Das wird auf Band gebannt, und er darf sich sein Gestammel wie auch seine besseren Passagen zuhause nochmal anhören.

Jetzt darf er nach und nach an Philosophie und Staatskunde heran. Vorausgesetzt, er hat sich in Kultur- und Wirtschaftsgeographie bereits hinreichend weitergebildet.

Jetzt darf er also Konfuzius und Cicero lesen, kleine auf deren Denken bezogene Aufsätze zu Sittlichkeit und Mensch und Menschenführung schreiben.

Damit steht er schon kurz vor dem Gesellenbrief.

Jetzt nämlich ist er gut gerüstet dafür, ein Manuskript einreichen zu können, das nur weniger Korrekturen bedarf und unterm Strich einiges an Lob verdient, nicht nur ob der Mühe, die sich da einer gemacht hat, nicht allzuviele Fehler zu machen.

 

 

 

 

Bisher 5 Kommentare

5 Antworten auf „Beste Form der Information? – Der Weg des Lektors“

  1. @ Magnus

    das ist toll !!!
    Ich bin schwer beeindruckt von Deinem akkuraten Aufbau der besten Form der Information. Wow. Gib doch Einzelunterricht. Kurse für mehrere verbissen an sich arbeitende Erwachsene! Du hast doch etwas Zeit und auch Platz in Deinem Haus? Das ist eine so tolle Grundlage. Ich finde, Du solltest das weiter ausbauen. In der Praxis. Du bist ein g u t e r Lehrer. Das beweist obenstehende Ausführung. Ich bin begeistert!

    Heute ist ein herrlicher Tag.
    Weitere wunderbare Dinge werden uns geschehen!
    Danke, Gigi 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂

    1. @ Gigi

      Danke. Ja, gerne unterrichtete ich wieder interessierte Erwachsene, habe ich ja auch schon jahrelang gemacht. Allerdings kommen die eher nicht nach Rohrbach, nicht einmal Karlstadt, allenfalls ins entfernte Würzburg, wo so viele arme Studenten für ein paar Groschen Unterricht anbieten (der nicht einmal unbedingt schlecht sein muss), dass mich bei den Tarifen schon die Busfahrt so ziemlich auffräße. Außerdem haben die, die noch was lernen wollen, auch das Geld ausgeben wollen und können, oft kaum Zeit dafür, und die, die Zeit dafür haben, haben entweder kein Geld oder keine Lust, erhebliche Teile ihres Tages mit Lernen zuzubringen.
      Man wird sehen. Irgendwann geht schon wieder was.

  2. One must be smarter.
    His name doesn`t have to be Carter.
    His face may be unknown.
    His voice can get lost unheard in the ether.
    Every hour, in any weather.
    It is the Vibration that betrays him.
    One must be smarter.
    The Colours in his eyes betray him.

  3. @ Magnus

    ich habe eben einen Lachkrampf über Deiner Frage.
    Kann es imMo nicht verraten. Ist top secret. ha hahaha 🙂

    Fast hätte ich jetzt geschrieben: Papà …. hahahaha
    „schräges Gedicht“ – ok – ich gelobe Besserung…
    bitte nicht böse sein…… 🙂

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