Magnus sauber runtergelassen: Unsere Jugend hat sehr wohl noch einen Arsch in der Hose!

Grade hatte ich ein Telefongespräch mit einem jungen Gesangskünstler, ihn zu fragen, was für ein Mikro denn tauge, um Rede und auch Gesang sauber aufzunehmen, inwieweit es angezeigt sei, das Ding um dreihundert statt um fünfzig Euronen zu erstehen.

Ich hörte dann, hier knapp gefasst, aber wieder und wieder in Länge, dass es bei einem sowieso unprofessionellen, ungeübten Loser wie mir viel mehr aufs Abmischen ankäme als auf das Scheißmikro, das mache so wenig aus, zumindest bei mir, dass ich es prozentual vergessen könne.

Nun, das war sehr deutlich und wenn auch etwas genervt und redundant recht freundlich vorgetragen, der junge Mann kam erst ins Trudeln, als ich ihn beharrlich frug, ob er denn die 250 mehr (wissend, dass er so ein Profiteil hat) für sich selber als hinausgeschmissen halte.

Lustigerweise weiß derjenige zwar noch wenig davon, wie es klingt, wenn ich im Gesang mal die Töne treffe, aber sehr wohl, dass ich nicht selten öffentlich geredet habe, Einmanntheater gespielt, auf respektablen Bühnen, mich auch auf ein paar in der Aufnahmequalität in der Tat sehr dürftige YouTube-Videos verwagt, also schon bei einem reinen Einsprechen ein Unterschied da sein könne, der zumindest mich interessiert.

Ich rede vom Grunde her lieber ohne Mikro. Ein Cicero musste das vor den versammelten Quiriten können. Ich erinnere mich auch, wie ich Dresden beim Philosophiekongress einmal einen lediglich kleinen, unbedachten Magnusschen Lautstärkeanfall hatte, es dabei schier die Boxen rausblies und die vielleicht hundert Zuhörer beinahe einen kollektiven Hörsturz erlitten.

Das war 2012, und ich habe mir das gut gemerkt. Hier hatte ich jetzt das Gefühl, dass man mir, dem alten Lehrersack, schon jede Lernfähigkeit abspräche. Ja, so gesehen – wie sagt man das heute? – war ich etwas angepisst. Allzumal auch noch daherkam, ich werde mit meinem Kram ja eh nie Geld verdienen, wozu dann ein gescheites Mikro?

Nun, ich habe kein Forum in Rom, die Zeiten sind anders, und es könnte ja mal sein, dass ich gute Tondokumente ins Netz stellen will, die mancher vielleicht in fünfzig Jahren noch gerne hört, indem alle Zensur nichts dawider half.

Gewissermaßen traute mir der junge Mann nicht nur keine echte Lernfähigkeit mehr zu, sondern damit auch, eigentlich logisch, insgesamt keine Zukunftsfähigkeit, keine Chance mehr dort, wo man vielleicht auch technisch das Optimum haben will und vielleicht gar sollte.

Dabei weiß er, dass ich ihn praktisch allen Sprachen, die infrage kommen (bei ihm nur Deutsch und Englisch), nach wie vor um Längen übertreffe, auch bei Aussprachefragen. Dass ich diese zwanzig Jahre lang auch mit einem Hauptaugenmerk darauf unterrichtet habe. Dass er mit dem Kopfrechnen noch immer gar nicht anfangen sollte, wider mich anzutreten, in Mathe insgesamt, ebenso Physik, Chemie, Biologie, Gartenbau, you name it.

Er hat auch schon von mir gehört, dass ich an meinem letzten Tag hienieden unbedingt noch etwas lernen wolle, ja, gerne ein paar Glas Wein und ein gutes Stück Wildschinken und Greyerzer dazu, aber bitte nicht abgekratzt ohne noch vorher was gelernt.

Vielleicht will der, dass ich blöde werde. Nur noch herumirre, um irgendein Fuselöl und den miesesten aller lausigen Bierschinken aufs Industriebrot zu bekommen. Abgemeldet. Kein Latein mehr. Dosen sammeln für den Fusel. Endlich unter der Paulinenbrücke, da, wo Lateinbücher bestimmt nicht den Mann machen. Eher zu Backpfeifen führen mögen. Oder mehr. Zur nächsten Exkommunikation.

Nein. Das will der mit Sicherheit nicht. So hat er mich auch nicht beschumpfen. Direkt beschumpfen hat er mich eigentlich gar nicht. Was sollte der auch so ein Sensibelchen sein, mich nicht ehrlich wissen zu lassen, was er von einem wie mir angesichts der Frage nach einem teuren Mikro hält? Sowieso schon halb gaga der Alte, also wozu noch ein gutes Mikro?

Besser satt auf den Bläss als schleimig in Watte gepackt: Nur eine saftlose, armselige Sozialamöbe fürchtet sich davor, am Ende den Suizid dieses wunderlichen Alten vor irgendwem auf dem Gewissen haben.

Insofern zeigt dieser junge Mann, dass unsere Jugend noch viel unverbrauchte Kraft und Mut zur Klarheit hat.

Unterm Strich ein anregendes Gespräch.

Bisher 2 Kommentare

2 Antworten auf „Magnus sauber runtergelassen: Unsere Jugend hat sehr wohl noch einen Arsch in der Hose!“

  1. Wenn Sie nicht gerade singen wollen, tut es ein billiges Elecret-Mikrofon. Wenn Sie live-Auftritte planen, ist die Frage, ob Sie ein Funk- oder ein Kabelmikrofon wollen. Ich hätte da noch 2 original verpackte Funkmikrofone (speziell für Rap-Aufritte) mit den entsprechenden Empfängern für den Verstärker und würde sie, für, sagen wir mal (weil Sie es sind) für einen Fuffy abtreten.

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