Lernte der daraus was?

Ironischerweise, sollten wir von einem großen flächendeckenden Stomausfall betroffen sein, wird dieser am ehesten (Terrorismus, Naturkatastrophen, Cybersabotage, andere Gründe sind möglich oder können dazuwirken) von der klimawahnwitzigen Strompolitik der letzten Jahre herrühren, dabei Grünenwähler im Schnitt mit am härtesten treffen.

Der typische Grünenwähler sitzt nämlich nicht in einem kleinen Dorf in der Eifel und baut dort genug für die Seinen an, vielleicht noch mehr, hat einen Holzofen und einen eigenen Brunnen.

Der typische Grünenwähler ist städtisch, wenn er nicht eine Halbhöhenvilla hat, das reicht auch bei denen nicht für alle, wo er vielleicht etwas gebunkert, lebt in einer recht bequemen Stadt- oder Vorortswohnung. Er weiß, dass nur Nazis und Paranoiker sich vorbereiten, denn seine Welt ist in sich heile, bei aller Extinction und Rebellion da draußen. Daher hat er ein paar Müsliriegel da, noch drei Gläser vegane Bolognesesauce, einen Kanten Brot, etwas Butter, zwei Pack Nudeln und den Rest vom Reis. Da er in dem Fall zum Glück zu doof ist, Hahnenwasser zu saufen (er kommt natürlich nicht darauf, sich welches zu sichern, solange der Druck noch hält), hat er auch noch ein paar Flaschen Wasser da, eine Flasche Weißwein, für den Fall, dass Lovely Rita kommt. Nach einem Tag hat er den Reis kalt mit der Veggiebolo weggefressen, das Brot auch, es gähnt ihn noch etwas Butter an, wie er die Nudeln kochen solle, das weiß er nicht. Nur noch zwei Flaschen Wasser. Aus der Leitung kommt nichts mehr. Handy, Heizung, Rechner, alles weg. Er hört immerzu die Sirenen, denkt zum ersten Mal in seinem Leben vielleicht ernsthaft daran, was jetzt am eben noch so genehmen Kiez alsbald geschehen könnte. Er war es ja nicht, über seine Verantwortung dafür denkt er jetzt ohnehin nicht nach, am allerwenigsten darüber, dass er guthieß, über eine Million entwurzelte junge Männer aus aller Welt hierherzuschleusen, das sei eine Bereicherung, na klar, und die haben jetzt gar nichts mehr, vielleicht noch weniger als er, jedenfalls könnten auch die bald genauer nachschauen, ob er nicht doch noch mehr hat.

Auf einmal sind ihm Kohlendioxid und Klima und Grüne und Extinction Rebellion und alle Weltuntergänge egal, denn er denkt nur noch an seinen eigenen vielleicht wirklich bald bevorstehenden, und, verdammt nochmal, er weiß nicht, wo Lovely Rita ist.

38, durchaus erfolgreich in einer Werbeagentur, die sich zunehmend auf Unterwäsche für Fette spezialisiert hat, geht grade spitze, keine Ahnung davon, wie es wirklich ist, wenn wenig da ist, fragt er sich nämlich jetzt schon, wie er das überleben wird, hält das mit dem Stromausfall an.

Keine Verwandten in der Nähe, keine Idee für eine Flucht, wie denn, nicht einmal ein gescheiter Rucksack, keine Karten, keine Ahnung im Gelände, wie man draußen überlebt.

Plötzlich hört er, wie ihm von schwer Alkoholisierten die Scheiben eingeschmissen werden, im Januar. Planlos will er noch hinrennen und rausbrüllen, aber irgendein erwachter Urinstinkt hält ihn zurück. Es wird sehr schnell jämmerlich kalt in seiner Bude, und er hat nicht nur keine Heizung mehr, sondern auch keine Plane zum Abdichten. Nachts um Zwei hat es minus fünf Grad bei ihm, Temperatur fallend, er hat nicht einmal eine lange Unterhose, nur seine zwei Ganzjahresdecken, T-Hemd, Pullover und einen halbwegs brauchbaren Anorak und einen Schal. Wenn er sich nicht ständig bewegt, das merkt er schon nach einer halben Stunde, oder sich nicht in alles einmümmelt, was er da hat, wird er bald jämmerlich frieren. Zwei Liter Wasser, ein Stück Butter, die Flasche Wein: Wie lange hält das?

Inzwischen hat er auch gespannt, dass man sich gar keine Pizzen und Döner mehr liefern lassen kann, es selbst da draußen keine Döner und Pizzen mehr zu kaufen gibt, jedes Ausrücken auch auf das geringste Überlebensgut mit völlig unbekannten Gefahren verbunden sein wird. Jetzt irgendwo hinmigrieren und von allen alles geschenkt erwarten, das wird nicht funktionieren. Es scheint fast alles am Ende.

Doch da hört er von unten Rita rufen, und siehe da, sie hat einen letzten E-Scooter ergattert, er möchte sofort antreten, sonst führe sie alleine weg. Er verlässt sich auf seine Rita, der Scooter schafft es bis fünf Kilometer vor den Schrottplatz deren ziemlich rechtslastigen Onkels Ernst, der alles dahat, gute Sicherheits- und Tarnmaßnahmen, als passionierter Jäger sogar einen Waffenschein. Kurzum, beide haben keinen Stress mehr und überleben da, bis nach vier Tagen der Strom wieder geht, großer Jubel, aber viel Aufräumarbeiten, noch drei Tage, keiner mag daran denken, die Wirtschaft braucht nur Monate um sich einigermaßen zu erholen.

Ob Ritas Freund hernach etwas begriffen haben wird? Wird er deren Onkel Ernst dankbar sein können? Kommt sein Job zurück?

 

 

 

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