Von der Schmerzphonsucht

Man stelle sich vor, man führte mit einem normalen Raucher oder gemäßigten Trinker ein Gespräch oder versuchte dem, etwas zu erklären, wonach er selbst gefragt hat, und der fummelt immerzu nervös an seiner Kippenschachtel herum, schaut alle fünf Sekunden, ob sie noch da ist, der Trinker, es ist genug da, macht es ähnlich mit seinem Glas oder seiner Flasche: Man wäre schon etwas irritiert.

Bei vielen Jugendlichen indes ist ein derartiger Suchtzustand mit dem Schmerzphon heutzutage alltäglich. Normale Raucher haben nach einer Kippe auch mal eine Stunde Ruhe. Normale Trinker haben gute Ruhe, schon beim Trinken, wenn sie ein oder zwei Bier oder Wein getunken haben. Keine Dauernervosität, kein permanentes Gezappel, keine unkontrollierbare halbe Geistesabwesenheit wegen der Sucht, man kann vernünftig und zielführend reden. Mit Kiffern ist es ähnlich.

Gerade dass da k e i n wirklicher Stoff, keine Droge ihre Wirkung tut, ist das Teuflische. Man hat nichts genommen, seiner Gesundheit nicht geschadet. Man riecht nicht danach, darf autofahren, keine Probleme mit Eltern, Schule, Arbeitgeber oder Polizei, man hat nur eine schwere psychische Abhängigkeit, immer auf eine mögliche Nachricht zu warten, Angst, etwas zu verpassen, abgehängt, uninteressant, irrelevant, nichtig zu werden.

Der Raucher oder Trinker oder Kiffer geht vielleicht an seinen Teich, allein, mit dem Seinen, denkt in Ruhe über die Welt nach und hat damit an sich und der genug. Er mag sich in Gesellschaft durchaus verantwortlich benehmen. Er schwatzt weder einem das Kiffen noch das Trinken noch das Rauchen auf.

Gleichzeitig ist man bei Handioten nie davor sicher, hat man ihnen das Ding nicht ganz abgezwungen oder sie zur vorläufigen Stillegung genötigt, dass das Ding doch wieder scheppert, oder daran was zu schauen sei, oder, noch schlimmer, das nehmen sie dann als ihren technologischen Triumph, einem daran gleich das und das zu zeigen sei, da sei so ein geiles Video, müsse man sofort anschauen, da sei ein noch geileres Musikstück, und bevor man es zu mitfühlender Gegenwehr geschafft, denn, wer weiß, wie sich das fortsetzt, läuft die Töle oder es schnattert einem auch noch ein genialer Fitnesstrainer entgegen, den man gesehen haben müsse.

Keiner hält, außer in Gangsterfilmen, einem so seine Zigarette, sein Bier oder seinen Joint unter die Nase. Kenne ich jedenfalls nicht. Nie gesehen oder davon gehört.

   

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