Starte wiederum eine neue Karriere

Starte eine neue Karriere

Es ging, siehe Vorartikel, mit meiner neuen Karriere als linksradikaler Antifant phantastisch an, es gab für mich und ich hatte einfach alles.

Man erwartete in meinem Alter nicht von mir, dass ich bei Demos schlachtruficht als erster gegen die Rechten rennen sollte, ich durfte die Geschichte von einem möglicherweise doch nur begrenzt gewaltsamen Umsturz predigen, der Verfassungschutz zahlte wie immer reichlich in bar, alles schien in Butter.

Dann standen da auf dem Parkplatz plötzlich zwei sehr distinguierte Herren, unangekündigt, statt meines üblichen Kontaktmannes, der sei von der Sache abgezogen, erklärten die, ohne Umschweife zur Sache: Ich solle der Antifanterei spektakulär öffentlich abschwören, man sorge schon dafür, dass das wahrgenommen werde, die AfD werde mich als authentischen Renegaten mit begeisterten Armen aufnehmen und ob meiner rednerischen Fähigkeiten von sich aus nach vorn stellen, dann, kurz vor der Bundestagswahl ein paar rassistische Ausfälle von mir, damit sei der Job durch.

Das klang nicht mehr lustig. Nicht nur, dass mich meine alten Kameraden vefolgen würden, am Ende auch noch meine neuen. Einen Moment dachte ich daran, die Typen nach ihren Ausweisen zu fragen, um mir wenigstens Überlegzeit zu verschaffen, verwies das aber, denn mit denen hätte das nur noch mehr Stress gebracht, antwortete also erstmal: „Sowas muss ziemlich genau geplant und angepasst werden. Sonst funzt es auch für Sie nicht. Da gilt es, eine ganze Story so aufzuzimmern, dass das Gebäude hält. Ich traue Ihren Schrapslern und Journos nicht. Die meisten von ihnen sind derartige Stümper, viele gar gläubige Klimoten, so verwöhnt durch ihre fetten Auftraggeber, dass sie meinen, man könne die Leute, vor allem bestimmte Leute, noch mit müdem Begriffsgeklingel verarschen. Kein Himmelfahrtskommando mit Ihren Idioten bei ZDF und Spiegel und Stern mit mir.“

Herr Meier und Herr Müller schauten recht säuerlich drein, berieten sich in zehn Metern Entfernung eine Minute lang leise, kamen zurück, und Herr Meier sagte: „Herr Göller. Sie wissen so gut wie wir, dass Sie nie für uns gearbeitet und zumal nie Geld von uns bekommen haben. Seien Sie sich nicht so sicher, dass Sie so leicht raussind. Wir könnten Sie bei den Antifanten hinhängen. Und wir könnten noch manches mehr. Sie wissen das.“

Keine lustige Sache. Aber an der Katastrophe knapp vorbei. Klar, ich habe keinen Job mehr, morgen gibt es ein Schreiben vom Finanzamt. Meinen Antifanten werde ich erzählen, dass ich eine Kampfpause brauche. Mich jetzt als getürkten Antifanten, scheinbekehrt, zurück ins patriotische Lager zu schleichen, Geld mag ja Geld sein und der Verrat süß, um dann den nächsten, noch einen Doppelverrat zu begehen, unter Drohungen auch noch, Kohle und Schutz unklar, das ließ ich die Herren Müller und Meier wohlweislich nicht von mir verlangen.

Ich muss den Verfassungsschutz aber irgendwie ruhig halten, das heißt, ich muss irgendwelche Idioten dort mit irgendwas beschäftigen, also wenigstens Scheinaktivitäten an den Tag legen.

Vielleicht könnte ich mich an die FDP anwanzen. Wird zwar wahrscheinlich nicht klappen, dass da viel geht, aber die Idioten und die von der FDP werden damit beschäftigt sein. Was mache ich inzwischen? Immerhin habe ich immer nur so getan, als hätte ich alles verfahren, verflogen, verschmiergeldet, vereingeladen, versoffen und verfressen, mir dabei manchen Groschen und manche Schampusflasche und manche Kaviarbüchse zurückgelegt, acht Depots insgesamt, ich sollte ansonsten also erstmal Ruhe bewahren und in solcher neue Pläne schmieden, wie ich wiederum eine neue Karriere starte.

Haltmal. Könnte das klappen, dass ich eine Bekehrung zum Klimotentum ansage und richtig vermarkte? Alles falsch verstanden, von den Übelsten in die Klimaleugnerei gelockt, völlig traumatisiertes Opfer deren weltumspannender verschwörerischer Machenschaften, jetzt endlich von solchen Dämonen befreit, male ich meine uralten Gesichtsnarben rot an, oder einer spritzt sie mir auf, zu zeigen, wie die, früher ruhig, inzwischen vom Kohlendioxid angefressen, mich nahe an die letzte Verzweiflung schon geworfen, ich endlich wisse, was Panik sei, jetzt konsequent danach lebe.

Sollte reichen. Gute Chancen jedenfalls. Die vom Verfassungsschutz und die vom BND werden nichts dagegen haben, von der Agenda her passt es ja, die Chinesen werden sich ein wenig die Augen reiben, der Mossad mir wie immer nicht trauen, die Amis machen erstmal nix, Fördergelder, leider diesmal offiziell, also Finanzamt, werden aber reichlich an mich fließen.

Nun gut. Die Klimoten haben bestimmt genug Schwarzgeld nebenbei. Da gehe ich auf deren Kosten zum Jammertrip in den Amazonas, danach habe ich in Brasilien ein schönes Haus am Meer.

Oja, es hat schon was, wenn man ein freier Unternehmer ist.

 

 

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