Napalm auf Chemnitz?

 

Tim Kellner ist zweifellos ein kluger und mutiger Mann.

Bezüglich dieser Strafanzeige aber bin ich hin- und hergerissen.

Natürlich ist es unerträglich, wenn eine derartige „Komikerin“ zu einem Napalm-Holocaust (einer totalen Verbrennung) an den Chemnitzern aufruft. (Das Wort Holocaust benutzt sie nicht, eine Totalverbrennung ist aber ein Holocaust.)

Da nun aber der Volksverhetzungsparagraph, entlang dessen man einen Horst Mahler allein wegen Leugnung zu über zwölf Jahren Gefängnis verurteilt hat, fast nur gegen „Rechte“ scharfe Anwendung findet: Sollte man sich als Patriot auf diesen stützen, womit man seine Anwendung ja im Grunde generell legitimiert?

Wäre es nicht klüger gewesen, wollte man eine Anzeige erstatten, einfach den fast überall auf der Welt strafbaren Aufruf zum Massenmord heranzuziehen?

Vielleicht ist es aber auch genau so notwendig und richtig, denn man darf gespannt sein, wie Staatsanwaltschaft und Gericht damit umgehen werden. Wird sich die „Komikerin“ auf ihr Komödiantentum berufen, darauf, dass das offenkundig nicht ernstgemeint gewesen sei, von der Freiheit der Satire und der Kunst gedeckt? Was, wenn das zieht und sie freigesprochen wird oder nicht einmal ein Prozess zustande kommt? Wird das, durch Vergleich, die Verteidigung eines patriotischen Satirikers oder Komödianten, der beispielsweise, weil ihm zu grün, spaßhaft allen Bremern Kohlendioxidmotten in die Pullis wünscht, irgendwie erleichtern? Oder, könnte nicht durch eine (milde, aber spürbare) Verurteilung der Holocaustspaßbombe genau so ein Präzedenzfall gesetzt sein, dass Patrioten daraus abgeleitet noch leichter und natürlich härter verurteilt werden können, wenn sie Späße machen, die auf bestimmte Gruppen zielen?

Nun, Tim Kellner hat sich eine beachtliche Reichweite erarbeitet, wird das Risiko auch für sch selber abgewogen haben. Viele werden sich jetzt gespannt anschauen, was aus der Sache wird. Sie wird schwerlich einfach unter den Teppich zu kehren sein.

Nachtrag 10.10.

Charles Krüger kritisiert Tim Kellner für sein Vorgehen sehr scharf, ich meine insgesamt überscharf: Aufruf zum Massenmord wird wohl auch er für strafwürdig halten. Klar, war ja nicht ernst gemeint, meint Krüger, keiner dürfe je wegen Worten bestraft werden. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass das nur Spaß war, stimmt das nicht einmal in den USA: auch dort gibt es die Straftatbestände der Verleumdung, des Aufrufs zur Gewalt. Niemand – außer die Antifa vielleicht – hält das für Zensur oder Unterdrückung von Meinungen.

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