Gretas Wutrede: Fragwürdige Analyse eines unreifen Rhetoriklehrers

Der adrette junge Mann, der hier Greta Thunbergs Rhetorik bei ihrer Wutrede vor den UN analysiert, widerspricht sich darin in einem Maße selbst und verdreht zudem begrifflich, dass ich das nun doch aufgreifen will.

Ab 1.20 lobt der Könner ihren emotionalen Auftakt, ihre Glaubwürdigkeit darob. Kein Wort zur völlig haltlosen, ja hybriden Aussage, wir hätten Greta ihre Kindheit und ihre Träume gestohlen. Es stört ihn auch nicht, dass Greta ihre Krankheit als Vorteil ansieht, im Gegenteil. Weiterhin findet er es super, weil große Revolutionen durch große Kommunikatoren eben über Emotionen erst möglich gemacht wurden. (An welche segensreichen Revolutionen denkt er dabei?)

Ab 3.20 bezeichnet er es dann als ein rhetorisch sehr starkes Argument, dass Greta die Leute nicht für böse halten wil, was wie aber wären, handelten sie bewusst so verderblich: die Wahl zwischen dumm und böse also als „Argument“.

Ab 4.00 hält er es dann für eine elegante Wendung, nach der Emotionalisierung auf Zahlen, Daten und Fakten zu kommen. Nein, mein Herr: behauptete, buchstäblich aus der Luft gegriffene Zahlen und Daten ja, Fakten aber gar keine. Fakten sind Tatsachen, und was er Fakten nennt, sind Prognosen. Wie gut, besser erbärmlich daneben, die Prognosen des IPCC (und zuvor des Club of Rome, jene des Al Gore undsoweiter) bislang waren, das hätte sich bis zu ihm inzwischen herumsprechen können.

Ab 5.10 – nachdem er die Kombi aus emo und fakto nochmals gelobt hat –  lobt er das extrem anmaßende „how dare you!“ als wiederholendes Element (wie wir Erwachsenen es wagen könnten, zu den jungen Leuten um Hoffnung zu kommen, absurd, wer, außer Spinnern und Grölemeyern, tut das wirklich?), den roten Faden der Rede sozusagen, unterschiedslos alle ansprechend (wie als ob da Cicero spräche, den Mehrfachmörder und Umstürzler Catilina vor dem römischen Senat mit einem wiederholten „du wagst es, hierher zu kommen!“ bloßstellend, nicht die ganze erwachsene Menschheit). Dann findet er es auch noch prima, wie Greta den Leuten erzählt, sie seien „not mature enough“, also reif genug, was man ja gerade ihr gerne vorwirft: das sei auch noch eine „Ambiguität“ (also fein gesponnen), denn „mature“ bedeute nicht nur erwachsen, sondern auch reif. Stimmt so ohnehin nicht ganz, erwachsen ergibt sich nur als automatische, deutlich untergeordnete Nebenbedeutung von reif (was also zuerst genannt werden müsste), das ist keine echte Ambiguität.

Ab 6.00 wird er nun doch etwas kritisch: Hier hinterfragt er die stattfindende fortgesetzte Publikumsbeschimpfung (ein „Catilina“, einige „Catilinas“ gezielt ja, meint er da plötzlich), so aber besser nicht alle beschimpfen, selbst ihre Unterstützer. Damit schrecke man, wie ja auch am Beispiel Macrons zu sehen, auch einige derer ab. Insgesamt fehle am Schluss der Appell, die Vision, die Ansage, wo die Reise hingehen solle.

Tut mir leid, junger Mann, Ihre Rede ist doch sehr fehlerhaft. Wenn man bedenkt, wie viele Fehler darin, bei vielleicht vier Minuten Redezeit, zudem wie viele Unterlassungen, die ich hier gar nicht alle ansprach, kann ich Ihnen nur anbieten, bei mir mal einen Kurs zu besuchen.

Vorläufig können Sie hier meine Analyse nachlesen (da ging ich nicht auf Gretas Grimassen ein, lediglich auf Sprache und Inhalt):

https://magnuswolfgoeller.de/category/politik-gesellschaft/page/2/

 

 

 

 

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