Bier und Menschenleben gerettet

Inmitten einer endlosen Salzwüste sah ich ein blondzopfichtes halbwüchsiges Mädchen auf einem schneeweißen Esel, dahinter eine Schar zerlumpter, ausgemergelter Gestalten, die schwere Kanister schleppten. Ich grüßte die offenkundige Anführerin dieses traurigen Zuges und frug sie, wohin man denn hier mit all dem Wasser wolle? „Wasser? In den Kanistern ist das Futter für meinen Notgart.“ Was denn das für ein merkwürdiges Futter sei? „Notgart frisst Kohlendioxid und rettet damit die Welt. In den Kanistern ist der letzte Rest von dem Teufelszeug.“

Beinahe hätte ich zu meiner drittletzten Notbierbüchse gegriffen, ich fürchtete aber, dass der Esel das entweichende Kohlendioxid sehen könne, mit dem leckeren Alkohol darunter vielleicht gleich gierig auf alles. Auch wollte ich der Prinzessin der letzten Kohlendioxidschlepps nicht ihre gute Laune verderben, womöglich ihre Leute gegen sie aufhetzen, indem ich ihre Glaubwürdigkeit erschütterte. Vielleicht wäre auch noch einer unter diesen Armseligen, alle gegen mich zu führen, schon der Esel und die Prinzessin waren ja etwas seltsam, oder käme gar auf die Idee, ich könne da irgendwo noch mehr Bier haben. Wer in der Wüste drei Bier dabeihat, der hat vermutlich noch mehr. Und ich hatte ein Stück hinterm Hügel natürlich mein Lager. Wer geht denn mit nur drei Bier weit weg vom Lager in die Wüste?

So frug ich, zur Ablenkung, nach einem Schluck Wasser. „Wenn Notgart sein Futter aufgefressen hat, braucht auch keiner mehr Wasser“, so die Prinzessin zu mir mit strengem Blick.

Einen Augenblick lang schien mir das alles so schräg, dass ich den Witz zu machen ansetzte, ob mit Wasser auch Bier gemeint sei. Plötzlich aber zogen Wolken auf, schneller, als ich das in einer Wüste je gesehen. Die Träger ließen ihre Kanister fallen, sahen verstört und ungläubig gen Himmel. Notgart raunte der Prinzessin knurrend zu: „Those dumbfucks are fired.“

Es fing an zu regnen. Ich befürchtete, in die Wirren eines Aufstandes zu geraten. Die Leute rissen sich ihre Lumpen vom Leibe, um damit Regen aufzufangen. Ich schämte mich schon für mein Bierlager. Notgart wurde immer wütender. Die Leute tanzten und wrangen, das Kohlendioxid einfach in die Salzkruste geschüttet, das Wasser aus ihren Kleidern in die Kanister. Notgart schien inzwischen einen Schlaganfall zu erleiden, sein Schäumen hatte ihm offenkundig nicht gut getan. Die Prinzessin erlitt einen Weinkrampf. Die Leute störten sich daran nicht und wrangen und wrangen und tanzten dazu.

Ich hätte denen jetzt allen gerne ein Bier ausgegeben, aber es waren einfach zu viele. Ich beschloss also, es noch stärker regnen zu lassen und dann möglichst unauffällig aus dem anstehenden Freudenfest zu verschwinden. 

 

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