Alles Magie?

Vor nicht allzu langer Zeit sagte mir ein ansonsten durchaus Ernstzunehmender, in angeregter Rede und Widerrede, er habe eben ein magisches Weltbild.

Ich kenne den gut genug, vermutlich einigermaßen mitzubekommen seiend, was er damit sagte und meinte.

Wiederum war ich jedoch nur halb bei ihm.

Mir ist das nämlich zu einfach, insgesamt verzerrt.

Man kann natürlich den Standpunkt vertreten, alles sei Magie.

Damit verliert das Wort für mich aber seinen Sinngehalt.

Weshalb, träfe das zu, dann noch weiters darüber reden?

 

Bisher 8 Kommentare

8 Antworten auf „Alles Magie?“

    1. @ Hugin

      Gemeinhin versteht man als „magisch“ etwas, das (noch) nicht rein mechanistisch erklärbar ist. Gemäß diesem magischen Weltbild wäre das Schuhebinden genauso magisch wie das Schwebenlassen eines großen Bleiklotzes durch Gedankenkraft oder Telepathie, Teleportation undsoweiter. Oder die Magie einer wunderschönen (!) Stimme, die man zwar mit heutigen Methoden akustisch bis in die Obertöne beschreiben kann, deshalb aber nicht ihre „magische“ Gesamtwirkung erklären. Wie schon gesagt, wennn alles Magie ist, dann ergibt es keinen Sinn mehr, das Wort zu verwenden. Denn dann ist es etwa so, wie wenn ich zu jedem Gegenstand, dessen Eigenschaften befragt werde, und egal, ob es ein Nagel oder eine Atomrakete ist, stets antworte: „Das Ding ist wie alle Dinge ein Teil von Allem, was ist.“ Das bringt dem Fragenden gar nichts. So verliert der Begriff seine Funktion als Begriff, man kann ihn also wegschmeißen. Das Wort „alles“ reicht dann.

  1. Ja, wahrscheinlich ist alles „magisch“. Schließlich kann zumindest ich mir nicht erklären, warum ich eigentlich hier bin. Also Magie ist das noch unbekannte Potential eines Menschen und wenn dann durch Synchronizitäten z.B. Dinge geschehen, die man sich nicht einfach materialistisch erklären kann, nennt man es halt Magie. Noch müssen Menschen mit groben Mitteln, d.h. durch Arbeit, Dinge bewegen. Aber es gibt technische Fortschritte und, wer weiß, eines Tages wird es möglich sein, alles durch pure Gedanken -und Vorstellungskraft zu generieren. Mir gefällt diese Vorstellung sehr!
    Voraussetzung ist natürlich eine radikale Selbsterkenntnis, denn das ist, glaube ich, der einzige Weg, um sein Potential zu erkennen. Spiritualität ist sehr praktisch, was die Küchenesoteriker gerne vergessen.

    1. @ Hugin

      Nun, man kann natürlich sagen, dass alles magisch sei, nicht nur der Teil aller Dinge und Handlungen, die wir von ihrem Dasein und ihrer Wirkweise her noch nicht begreifen. Vor fünfhundert Jahren wäre ein Einwegfeuerzeug magisch gewesen, so wie die Donnerbüchsen der spanischen Conquistadores für die Azteken und Inkas. Wären die nicht so abergläubisch, magieversessen blöde gewesen, sie hätten die paar hundert Spanier mit Pfeil und Bogen locker bezwingen können. Die Treffsicherheit der Musketen war erbärmlich, den einen Schuss nachzuladen dauerte sehr lange. „Klassische“ Magie wird also immer weiter zurückgedrängt. Nur: Wir werden wohl kaum je alles wissen, können uns aber mit der neuen Definition dahingehend trösten, dass wir der klassischen Magie über Erkenntnis und Technik immer mehr Raum nehmen werden, weil Magie ja alles ist, und je mehr wir wissen, umso besser erkennen wir das.
      Meinetwegen. Dadurch, dabei bleibe ich gleichwohl, ergibt der Begriff aber keinen Sinn mehr. Ich könnte genausogut sagen, alles sei lebendig, alles in Schwingung, alles sei im Grunde genommen Brot oder Kot.
      Ansonsten stimme ich Deinen Ausführungen durchaus zu.

  2. Deine Beispiele treffen den Punkt. Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass die „klassische Magie“ mit ihren ganzen Symbolen und anderem Firlefanz etwas verschleiert, was eigentlich alltäglich ist und das wir in jedem Augenblick tun. Wenn ich denke, dass ich ein Glas Wasser trinken will, gibt es keinerlei Verzögerung in der Ausführung. Wenn ich aber denke, ich will ein UFO haben, so scheint mir das unmöglich zu sein. Eigentlich gibt es keinen Unterschied, außer dass ich es für unmöglich halte. Ich habe den Dreh (noch) nicht raus…

    Das ist allerdings kein Grund, bei Gefahr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu handeln, auch wenn der Feind mit unbekannten Waffen käme.

    1. @ Hugin

      Macht Spaß, mit Dir allmagische Bälle hin- und herzuwerfen. Ich teile Deine Kritik am magischen Firlefanz. Allerdings gibt es für mich – wie Du weißt – mindestens ein Symbolsystem (es sind ja nicht nur die Zeichen, sie haben Namen und zugeordnete Laute, bilden ein „Alphabet“ und haben Plätze im Jahresrund undsoweiter – , das wenigstens eine ganze Menge taugt. Das 24er gemeingermanische Runenfuthark nämlich. Mit dem I-Ging habe ich mich nicht vergleichbar ausführlich beschäftigt, da komme ich als Germane auch wegen der Begrifflichkeiten sowieso schwerer dran als ein Chinese. Da haben wir nämlich in beiden Fällen nicht nur ein Pentagramm oder Hexagramm oder auch eine Swastika (Hakenkreuz sage ich lieber nicht), sondern ein Gesamtsystem, einmal von 24 Zeichen, einmal von 64. Man klebt da also nicht so leicht an einem Symbol oder Zeichen, es sei denn, man braucht das auch in dem Zusammenhang unbedingt. Ich habe keine „Lieblingsrune“, die mir allein Wegweiser. Es gibt aber solche Leute. Oder sie nehmen zwei oder drei. Und es ist ja durchaus nicht verwerflich oder von vornherein beschränkt, sich persönlich mehr mit Uruz oder mit Berkano oder mit beiden, vielleicht bald gewürzt durch Kenaz, zu beschäftigen oder zu identifizieren. Jedenfalls, meine ich, solange man sie im Zusammenhang mit den anderen Runen sieht. Dann enteckt man vielleicht später auch Tiwaz und Ansuz, Ingwaz und Wunjo. Wer sich auf ein einziges Symbol fixiert, der tut sich meines Erachtens im Sinne seines Eerkenntnisstrebens in der Tat keinen Gefallen. Genau so, wie einer, der das Wesen der Zahlen ernstnimmt, aber nur die Fünf und die Acht gelten lässt (vielleicht wegen der Fibonacci-Reihe, die schon auf dem Runenhorn von Gallehus abgebildet), an der Sieben und der Neun lieber vorbeigeht, weil sie ihm zu schwierig oder gar unheilvoll. Dann sind bestimmte Zahlen auch bald böse oder gut, so, wie das Pentagramm (das ja den Goldenen Schnitt genau abbildet, am Schluss läuft es mathematisch auf 1 plus Wurzel fünf durch zwei hinaus) manchen für Harmonie steht (wie in der Natur, wo der Goldene Schnitt ja selbst im Pflanzenwachstum nachweisbar), anderen für den Teufel (was meines Erachtens nun wirklich ein ganz schlechter Witz). Es ist halt nicht viel mit dem Glauben, in dem Zusammenhang erst recht.

  3. In irgendeinem Artus Film habe ich Merlin sagen hören: „Ich bin bloß ein Handzauberer“. So ist das auch mit den Symbolen und anderen Hilfsmitteln. Die Runen, das I Ging oder Tarot sind Hilfsmittel, genau wie der Zauberstab oder die Kristallkugeln, um die Gedanken oder eine Absicht zu fokussieren. Im günstigsten Fall spiegeln dann die Karten oder Runen oder andere Mittel die Gedanken. Also die Mittel selber haben keine Magie, können aber nützlich sein. Der Mensch selber ist die Magie und das gilt es zu entdecken (na ja, nur wer das will).

    1. @ Hugin

      Ja, selbst die Runen mögen lediglich Hilfsmittel sein. Ich runenraune jedenfalls nicht jeden Gedanken und jeden Text erstmal an. Ich habe mich jetzt schon lange nicht mehr ernsthaft genauer damit befasst. Das mag aber wiederkehren. Vermutlich wird es das. Nichts gegen gute Hilfsmittel, richtig angewandt. Ich denke, wir sind da ziemlich auf einer Wellenlänge. Und das ist auch schon wieder nur ein beschreibendes Hilfsbild.

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