Wie man Greta machte – Plus Gratisausflug ins Gretaland

Ich bin gerade erst so knapp auf diesen Pfad gekommen: Man hat sich ein autistisches Mädchen gegriffen, geradezu eine übersinnlich inspirierte C02-Heilsgeschichte drumherumgebastelt, es litt und war ein Nichts, jetzt ist es das größte und tapferste Klimakrieger der Welt, geheilt durch seinen eigenen Mut, glaubt das selber, und so hat man ein größenwahnsinniges daraus gemacht.

Jetzt der Gratisausflug ins Gretaland.

So segelt sie denn jetzt, glaube ich, gerade gen Amerika, ich vermute, in einer Einhandjolle, oder auch wieder nicht, denn Fliegen ist bäh und mit dem Ozeandampfer noch mehr bäh und mit einem Frachter, das wäre ja naheliegend, das bisschen Greta führte bestimmt nicht zu viel mehr Dieselverbrauch, aber einerseits wäre das wohl nicht standesgemäß, andererseits sollen ja bald auch solche Frachter nicht mehr fahren. Wer braucht all die vielen nutzlosen Waren in Zukunft noch?

Gut, wenn es der Wind macht – wahrscheinlich haben die da aber einen netten kleinen Dieselgenerator, der die Getränke kalt hält – und der Notmotor nicht gebraucht wird, da man die bekannte mitwindige Route segelt, alle an Bord Fleisch- und Alkoholverbot haben, lasse ich mir den Segler gefallen. Ich wüsste aber doch gerne, wie viel Stahl und Plastik da wie gewonnen für den Segler verbaut wurde, auch die Ladeliste sähe ich gern, und extragern, was die ausgedürsteten Matrosen und Gretas Hilfskapitän verdienen, wer das bezahlt.

Nun, da es wohl die Himmlischen Heerscharen sind, die das bezahlen, erübrigt sich auch die Frage nach dem Lohn von Mannschaft und Hilfskapitän. Bald wird man George Soros nach Davos segeln sehen, und die Leute von Blackrock und Goldman Sachs mit, und selbst Jeffrey Epstein investiert vom Knast aus in moderne Jachten.

Was wird sie nach dem Törn machen? Hundeschlitten fahren wäre ziemlich öko, aber auch wieder nicht. Denn diese Schlittenhunde, ich habe mir das unmissverständlich sagen lassen, wollen viel viel wildes Ren oder viele, viele Kilo Lachs am Tag jeder, sonst ziehen sie nicht. Da hilft kein Müsliriegel.

Lange Wanderungen oder Radfahrten, auf denen sie ihr notwendiges Gepäck selber mitführt, traue ich diesem Mädchen nicht zu. Jedenfalls müsste man das so schräg türken, dass es jeder merkte.

Einen Stadtrundgang in New York, vier bis sechs Kilometer mit gasfreien Limonadenpausen, das sollte sie schaffen. Bei Trump wird es zwar sicherlich keinen Brennesseltee geben, dafür aber bei demokratischen Präsidentschaftskandidaten, wenigstens KongressabgeodnetInnen.

The show must go on.

Wie bringt man sie nun von New York nach Hollywood und Mountain View? Mit einem Bus mit Verbrennungsmotor? 50 Stunden Bus?

Segeltörn um Kap Hoorn?

Nun, es wird sich ein überzeugender Weg finden, und so wunderte es mich nicht im geringsten, schickten die emsigen Chinesen, die bekanntlich immer auf ihr Gesicht bedacht, eine traditionelle, alte (daher automatisch öko) Dschunke, sie in LA abzuholen, sie mit dem größten Vergnügen nach Sydney zu fahren, um in Australien, wo man ihrer schon ungeduldigst harre, ihre Offenbarungen weiterverkünden zu können.

Dort nun gefeiert und herumgereicht alswie ein Zuckerkuchen, gibt es doch nicht die erhoffte chinesische Einladung, und nach zwei Wochen ist klar, dass die Karawane nun dringend in Richtung Deutschland weiterziehen muss, Indien winkt ab, selbst dahin segelte es sich nochmal lange, Südafrika hat kein Interesse an noch mehr Chaos, kein Skipper nimmt den Törn von Sydney nach Hamburg an, und so muss das Gretchen mit seinem Tross, in Thailand kratzt man noch irgendeine geschmierte Veranstaltung zusammen, Direktflug geht eh nicht, von Bangkok endlich stracks nach Frankfurt, denn Absagen gab es auch in Kasachstan, Turkmenistan, der Türkei und einigen anderen zwischenbelandbaren Ländern.

War es nicht morgen, da ich sie umjubelt auf dem Balkon des Frankfurter Römers der riesigen Volksmenge Hulderweisungen entegennehmen sah, von Kanzlerin und Bürgermeister und vielen weiteren Granden umkränzt, und dass sie endlich ausstieß: „Now say it! We have to panic! Say it now!“

Und alle stimmten ein. „We have to panic!“

Manche meinen, man habe es bis Offenbach gehört. Das sind natürlich Spinner. Dass es aber in einer lauen Sommernacht bei sanftem Wind bis nach Sachsenhausen hinüber zu hören gewesen sein könnte, will ich nicht bestreiten, ich habe genau herumgefragt dort, und einige, auch wenn man den Sachsenhausenern beziehungsweise den Trinkern dort nicht leicht uneingeschränkt trauen darf, bestätigten die genaue Uhrzeit, dass sie das Massenmantra über den Main hinüber gehört hätten, einige zunächst gerätselt, dann die mit dem besten Englisch zuerst verstanden hätten.

Jetzt redet in Frankfurt ansonsten keine Maus darüber. Es war gar keiner da. Die Kanzlerin war nur da, bevor sie eben nicht mehr dawar. Keiner legt irgendeine Panik an den Tag, im Gegenteil, die Leute versuchen cooler zu wirken als je. Die Verkäuferinnen in den Geschäften sind so fröhlich und freundlich und zuvorkommend wie in Jahren nicht mehr. Jeder Busfahrer lacht einen beim Einsteigen an. Ich grüße eine Gruppe ernstzunehmender Polizisten mit Kampfstiefeln und scherze, dass heute wenigstens das Wetter beim Herumstehen nicht nerve, und sie lachen dazu ohne jeden Grimm.

Jetzt denke ich so langsam, dass ich spinne. Hat mir in Sachsenhausen einer was ins Bier getan?

Also gut. Jetzt komm erstmal runter. Iss was Vernünftiges. Irgendwo in Downtown Frankfurt müsstest du immer noch einen halbwegs vernünftigen Chinesen finden, bei vielen sieht und riecht man ja schon von außen, was man zu erwarten hat. Das sind wenigstens keine deutschen oder mehr oder weniger europäischen Frankfurter, und sowieso ist da an Gretapanik wahrscheinlich wenig.

Ich machte also nach einer guten halben Stunde ein beliebig viel für einen Zehner essen dürfen aus, allwo, was immer ein Kriterium ist, sich allerlei Chinesen es wohlsein ließen, viele konnten offenkundig Deutsch oder Englisch, und sie lachten oft ausgelassen und heiter, murmelten dann fast konspirativ chinesische Worte, um hernach in noch größeres Gelächter auszubrechen, Männlein wie Weiblein.

Ich hatte gerade meinen zweiten Teller fertig, alles passte, angemessen gewürzt, nicht zu fettig, gut, Hirschedaillons waren nicht dabei, fasste mir also ein Herz und ging eine Zwölfergemeinschaft Chinesen, die auch schon ganz gut getafelt hatte, vorsichtig und höflich an: „Entschuldigen Sie, darf ich Ihnen eine Frage stellen? May I ask You a question?“ Eine der Frauen daraufhin: „Of course, all of us speak English, but not all of us are already versed in German. So please pose your question in English.“

„Have you heard of the Greta Panic here in Frankfurt last night?“

Das saß. Die Frauen kicherten, die Männer grinsten. Keinerlei Feindseligkeit ob meiner dreist störenden Frage. Aber auch keine verbale Antwort.

So lachte ich mit und sagte: „OK, it seems nobody in Frankfurt has heard either of the rally or the panic. That gives me allthemore a good mood, especially on top of good Chinese food. Sorry to have disturbed you.“

„Oh, not at all, Sir.“ Meinte die mit dem Deutsch und Englisch. „Your question, especially asking us, was quite logical and in a way forthcoming and even valiant tonight, so may I ask you if you are a professional?“

„Well if you want to find out if I make a lot, if any money out of covering this lunacy or some other, the answer is no. If it is professional in the sense of the quality of my reports and writings, that remains open to be discussed.“

Ich stand immer noch. Sie war nicht gerade nonplussed, der Rest nahm hie und da noch einen Happen, doch zögerte sie, indem ich auf meinen hoffentlich halbwegs ehrenvollen Abschied wartete.

„You know anything about old Chinese culture?“

„Ma’am, I have studied Confucius and the stratagemes quite a lot. I wrote about Confucius‘ philosophy, there should still be a video on one in my view very important aspect out there, and there is quite some stuff on the stratagemes out there as well, mostly in German, there may be something in English, it has been some years.“

Jetzt wurden alle wacher. Es war zum Greifen, dass jetzt Verdächte aufkeimten. Was war das für einTyp, so unverwechselbar sowieso, sich dazu allemal im Klaren, dass man über ein Schmerzphon sehr schnell würde abrufen können, ob er diesbezüglich nicht einfach ein frecher Aufschneider sei, ihn befragen sowieso, ob er denn irgendeinen Plan habe von wegen Konfuzius und gar Strategemen.

Sie besannen sich endlich auf ihre Klugheit und luden mich an ihren Tisch. Wir fragten uns wechselseitig aus, schon beim Weiteressen, dann erst recht beim Nachguss. Es gab unterschiedliche Sichtweisen. Einigkeit gab es zum Thema Panik.

 

 

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