Stromausfall mit Babs, Birgit, Hans und Kalle

https://magnuswolfgoeller.de/2019/08/gruen-vorgesorgt-endlich-oeko-stromurlaub/

Ich setze jetzt die Lektüre des oben verlinkten Artikels und des dort wiederum verlinkten Fremdartikels voraus, oder holen Sie das bitte nach, oder Sie wissen sowieso schon um die reale Gefahr eines längeren Stromausfalls in weiten Teilen Europas, so dass ich Sie ohne weitere Umschweife ansprechen kann.

Erstellen Sie genau auf Ihr Zuhause einen bestmöglich zugeschnittenen Notfallplan. Zunächst prüfen Sie, von welchen elektrischen Systemen Sie elementar abhängig sind, also zunächst Kochen und Licht und Heizung, wobei darunter eben auch jede moderne Gas- oder Ölheizung fällt, die elektrisch gesteuert und elektrische Pumpen braucht. In einer Stadtwohnung werden Sie jetzt vielleicht zwei Gasflaschen für den Notwärmestrahler wie fürs Kochen auf dem Balkon parken. Kerzen und Taschenlampen mit hinreichend Batterien liegen auf der Hand, Solarladegeräte dazu schaden auch nicht. Auf dem Land mag es der doch wieder installierte Holzherd sein, in der Stadt mag man auch ein Spirituskochsystem vorhalten, da kocht es sich schon mit zehn Litern Spiritus einige Zeit. Natürlich hat man elementare Verbandsachen und Nahrungsmittelvorräte, so dass man sich nicht gleich mit dem Rest um die letzte Konserve schlagen muss. Man hat Planen und Nägel, um eingeworfene Fensterscheiben abzudichten, bevor der Glaser in einem Vierteljahr kommt. Man hat elementare Werkzeuge und jede Menge warme Kleidung und Decken und Schlafsäcke und am besten auch noch ein paar Flaschen Weins und Whiskys.

Es muss eh immer jemand in der Wohnung oder im Haus bleiben, je mehr Leute, desto besser, um aufzupassen. Am besten, man geht erstmal so wenig wie möglich raus, nur hie und da peilt einer die Lage. Das gibt romantische Kerzenabende. Es gibt Linsen und Reis für alle. Es ist schon der dritte Abend, gestern waren es Dosenravioli, lieber schonmal Sprit sparen, und der Hans hat stolz immer noch ein großes Stück Hartwurst zu verteilen, so wie Bärbel ein entsprechendes vom Käse. Tagsüber keine direkten Angriffe, nur immer wieder Geschrei auf der Straße. Übers Kurzwellenradio ward nun klar, dass in vielen Städten Plünderungen und Straßenschlachten im Gange, so dass Kalle, der Koch, Bärbel, nicht nur in Sachen Käse Strategin, Hans, der mit den Werkzeugen, die nicht nur Hartwurst richtig aufschneiden, sowie Birgit, die Heilkundige des Quartetts, je zu Pärchen aneinandergekuschelt, doch durchaus jeder mit jeder und jede mit jedem nicht nur all ihrer Voraussicht dankten: Sie gelobten allda, sich künftighin noch viel besser auf derlei Lagen einzurichten, und zwar selbst dann, wenn jetzt sofort das Licht wieder anginge.

Es ging aber natürlich nicht im Moment des Gelöbnisses wieder an. Das gibt es nur bei Religionen und im Theater. Außerdem wäre Babs und Birgit und Hans und Kalle auch für den Fall zu trauen gewesen.

Die Vier treffen sich jetzt alle vierzehn Tage zum gemütlichen vorsorglichen Beisammensein, manchmal rein zum Spaß und zum Üben stromfrei.

Bisher 4 Kommentare

4 Antworten auf „Stromausfall mit Babs, Birgit, Hans und Kalle“

  1. … und sie suchten in Nostalgie schwelgend bei der E-Bucht nach den Fünf-Liter-Waffenölkanistern aus DDR-Bunker-Zeiten, nachdem sie alle den ihnen nähesten Schützenvereinen beitraten… 🙂

    1. @ Thomas

      „Nähesten“? Ja, nähesten.
      In der Tat habe nicht erwähnt – bei Hans ist ja schon alles klar, und dass Koch Kalle nicht nur ein Beil wie aus einem Splattermovie hat und ein paar schöne Messer dazu – , dass die Mädels sich inzwischen recht brauchbare geschmiedete Pfrieme (vulgo: Haarnadeln), auch kleine Dreizacke zur Zier machen, nur, den Eingang so glitschig zu machen, dass der Einbrecher gleich schonmal auf die Schnauze geflogen, dafür ward zwar leider kein DDR-Waffenöl gefunden, was sicherlich länger hielte, doch hat Hans noch von seinen sonstigen Maschinenölen und Kalle hat noch Kochöle.
      Sie sind schon so weit, dass sie die Holztreppe – auf Elektrisches verlässt sich ja kein Mensch, wenn es darauf ankommt – , mit einem Spezialharz (lange Netzrecherche von Babs!) so nachgeharzt haben, dass das Ding knazrt wie Sau, egal wer wie sanft drauftritt. Mit etwas Übung hört man am Knarzen sogar, wer die Treppe raufkommt und ob der grade schwer trägt.
      Du siehst also, lieber Thomas, Kalle und Hans und Babs und Birgit sind auf dem rechten Weg.

  2. Weil wir es davon hatten und es mir eben durch die Pixel kam:

    https://www.heise.de/tp/features/Schwarzstartfaehigkeit-von-Stromerzeugern-4499804.html

    Natürlich darf dort ein indirektes Lob an die Windspargel nicht fehlen, wobei ich von Heise so etwas wie deren letzten Satz ja nunmal überhaupt nicht gewöhnt bin: Man hegt sanfte Zweifel an der gewendeten Energie. Und malt zwischen den Zeilen – nein, noch nicht mal da, eher schon außerhalb des Textes, damit es keinem wirklich in den Sinn kommt – ein ganz, ganz düsteres Szenario. Immerhin musste man sich für die Story ein Kaff in Österreich suchen…

    1. @ Thomas

      Habe eben den von Dir verlinkten Text gelesen (die dortigen Kommentare zu überfliegen hatte ich noch keine Zeit), und in der Tat ist es lustig, dass man sich ein Kaff in Ösiland greift, das über ein entsprechendes Wasserkraftwerk verfügt, welches eh doppelt so viel Strom erzeugt, als die Gemeinde braucht. Entlarvend ist zudem der letzte Satz: „Das mit der Energiemarktliberalisierung erfolgte Unbundling, welches den Netz- vom Kraftwerksbetrieb getrennt hat, mag die Entwicklung der Energiemärkte zwar gefördert haben, die für das Hochfahren eines Netzes notwendige Zusammenarbeit wird durch das Unbundling jedoch eher behindert und sollte möglichst bald auf den Prüfstand gestellt werden, wenn man die Energiewende doch noch erfolgreich umsetzen will.“
      Wie bitte? „…wenn man die Energiewende doch noch erfolgreich umsetzen will.“ Doch noch? Höre ich da etwa heraus, dass es bisher nicht recht klappt, genau die Risiken gschaffen wurden und weiter werden, die der Text in der Tat wachsweich beschreibt, zumal gibt es nicht einmal eine Vermutung oder Expertenschätzung dazu, wie lange das Hochfahren des europäischen Netzes dauern könnte. Wahrscheinlich weiß das auch keiner, so beschriebst Du es mir im Gespräch, denn so hatte man das Problem noch nie. Ich liebe planlose Technkik, die einen ganzen Subkontinent über Nacht per voraussehbarem Versagen in Dunkel und Chaos stürzen kann, besonders, wenn man dann auch noch keinen Plan hat, wie und wie schnell man die Karre wieder flottmachen kann. Technik, die begeistert.

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