Stromausfall mit Babs, Birgit, Hans und Kalle (II)

Stromausfall mit Babs, Birgit, Hans und Kalle

Indem nach dem ersten Großen Stromausfall heldenhafte europäisch-patriotische Techniker das Netz schon am zweiten Tage wieder hochfahren hatten können, bestanden die volkswirtschaftlichen Schäden am Ende nur aus vielleicht dreißig Milliarden, Plünderungen und Straßenschlachten hielten sich im Rahmen, an Toten waren nur wenige zu verzeichnen. Es wurde also viel vertuscht und gelabert und es änderte sich im Großen nichts.

Ganz anders aber bei Babs, Birgit, Hans und Kalle. Die nämlich sorgen selber für mehr Sicherheit. So wurden Solarmodule nebst Autobatterien angeschafft, man hält drei Gasflaschen fürs Kochen vor, und indem Hans lange insistierte, wurde für einen Raum auch ein Holz-Kohlen-Beistellherd genehmigt, mit allen Rohren und Muffen und Zement und allem, dass im Notfall eben illegal ein von der Straße aus nicht sichtbarer Edelstahlrohr-Außenkamin durch ein geschlagenes Loch in Gang gesetzt werden kann, gleichzeitig kochen zu können, indem man einen warmen Raum hat, eine warme Stube, so wie früher. Man hat dafür einen Ster Holz und eine Tonne beste Anthrazitkohle. Hans wollte je drei, was aber aufgrund dringlicherer anderer Anschaffungen mehrheitlich abgelehnt wurde, besser gesagt, verschoben.

Babs war nämlich schnell überzeugt, dass geeignete Trinkwasserbehälter, an die Hans und der Rest auch schon gedacht, vordringlicher seien, die ganze Sache mit Hygiene und Wasser, also, dass natürlich auch ein Schlag Silberwasserreinigungstabletten hergehörten, dazu, wie Birgit anmahnte, die Hausapotheke erheblich erweitert werden müsse, um elementare Medikamente, Salben und Säfte, zumal Verbandszeug. Worauf sie samt Kalle die Sache gleich weiter zu den doch äußerst preiswerten Heil- und Kräftigungskräutern überleitete, Brennessel, Kamille, ja selbst Zichorienkaffee, mit einem listigen Seitenblick auf Hans, von dem sie nicht wusste, ob er ihre List verstand, vermutete, er kenne den Leberzusammenhang der Pflanze nicht, und zwar genau bevor er vermutlich zur Sprache bringen würde, heißer Whisky mit Honig oder ein guter Gin oder sowieso ein Fernet Branca mit siebzig Kräutern hätten schon manchen Recken gerettet.

Ein baldiger Kompromiss schien nun schon in greifbarer Nähe, als Kalle erklärte, fast alle Würzkräuter und Gewürze, im Grunde genommen alle seien Heilkräuter und Heilwürze, er wolle also auch noch ein paar Ergänzungen für seinen Küchenschrank, allzumal er gerade nur noch sechs Flaschen Speiseöl habe, was ein halber Pfarz in den Wind sei, außerdem habe man kaum Fischkonserven, Dosenfleisch, nur wenige Kilo Nudeln und Reis, wenige Tomatenbüchsen und solche und Gläser mit rotem oder weißem Kohl, schonmal was von Vitaminen gehört?, Mehl gerade 10 Kilo, wisst ihr, wie schnell das weggefressen?

Da nun aber recht bald klarward, dass Kalles berechtigte Forderungen schon mit 300 bis 400 Euro erstmal kernhaft erfüllt werden könnten, standen die kommenden Aufgaben, Hans schwor Stein und Bein, dass die Sache mit dem Ofen plus Holz plus Kohle nicht mehr als 1500 Euro verschlingen werde, werde es mehr, so stehe er dafür gerade, und indem Babs dafür dankte, dass man letzte Woche für jeden für nicht nur eine gute Taschenlampe und Batterien bzw. Akkus besorgt habe, versagte man ihr auch ihren langgehegten Wunsch nach einem Nachtsichtgerät nicht. Am Ende war klar, dass diese Runde jeden wohl an die 700 Euro kosten werde. Das klang hart. Man fühlte sich trotzdem besser. Man besprach sich noch bis morgens um Viere, feierte, gerade noch im Rahmen bleibend, es gab ja noch Brot vom Bäcker, gekühlten Weins genung, plante dabei unter heftigsten Zoten und Anekdoten weiter.


Ich muss das alles natürlich in groben Strichen entlang der wichtigsten Enwicklungen unserer Selbstschützer zeichnen, bekomme ja auch nur deren vielleicht etwas gefärbte Berichte. Ich habe aber keinen Zweifel, dass ich bald auch den Ofen sehen kann und das Verbandszeug und die Kräuter und die Büchsen und selbst das Nachtsichtgerät. Man hat mir glaubhaft versichert und dazu eine sehr soveräne Überschlagsrechnung aufgemacht, dass jeder der Viere jetzt einschließlich aller neuen Maßnahmen habe an die 1500 Euro einsetzen müssen, alle aber fühlten sich, besser als der beste Urlaub, dadurch besser, man rechne jetzt damit, sich, wofern nicht ein übermächtiger gewaltsamer Angriff erfolge, einige Wochen durchbringen zu können, ohne Strom, ohne öffentliche Wasserversorgung, ohne frische Lebensmittel, ohne nichts, was man nicht vorhalte. Und zwar in egal welcher Jahreszeit.


Wackerwacker. Das ganze Konzept ist durchdacht, und alle ziehen, indem jeder seine Spezialgebiete hat, an einem Strang. Bisher taugte alles, was ich sah. Ich denke daher, dass sie damit, sie könnten es jetzt schon einige Wochen schaffen, den Mund nicht zu voll genommen haben dürften.

 

 

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