Vom Unfug der rein händischen Anführungszeichen im Film

In letzter Zeit hat sich auf Netzvideos von Amerika her kommend auch bei deutschsprachigen Moderatoren und Gästen sehr schnell die Sitte verbreitet, ein Wort oder eine Passage nur mit händisch also rein optisch angezeigten Gänsefüßchen zu versehen, also nicht „quotation marks“ oder „Anführungszeichen“ akustisch hinzuzusetzen.

So hip und trendy das gerade sein mag, ich halte nichts von dieser nachlässigen Kommunikationstechnik, allzumal da ja oft Wörter verwendet werden, die man ohne Anführungszeichen nicht verwenden will, so ironisieren oder besonders in den Kontext rücken, also dass eminent wichtig ist, dass der Viedeokonsument das ausdrücklich mitkriegt.

„Hä, wieso, ist doch ein Video, du guckst doch hin!“ Nein, ich wie Millionen andere gucken genau bei den Videos eben nicht immer hin, wo im wesentlichen referiert und diskutiert wird. Ich muss mir die – mit Verlaub – Feigen und das Gezappel der Diskutanten oder Alleinunterhalter nicht die ganze Zeit anschauen, kann nebenher beim Aufräumen und Zwiebelschnippeln der Sendung prima nur mit den Ohren folgen. Insgesamt gibt da das Tondokument vom Sinn her Entscheidendes leicht nicht wider. Ein findiger US-Anwalt macht da schnell was draus, wenn die Wurst dreißig Millionen heißt.

Bisher aber greift es um sich. Ich habe es in den letzten Wochen auf verschiedensten ansonsten ernstzunehmenden Kanälen gesehen, von Männlein wie Weiblein, wobei manche Frauen zugegebenermaßen wieder einmal besser aussehen bei der Geste, indem sie kunstvoll mit ihren schönen roten Fingenägeln ein kleines Spiel um ihre Ohren veranstalten. Ja, man könnte bald eine Miss- und eine Misterwahl dazu machen, oder auch einfach eine Unisex. LGBTQs sind herzlich eingeladen.

Ich kann mir bei einigen der Profis, die ich damit gesehen habe, schwer vorstellen, dass sie sich die oben dargelegten Gedanken dazu vorgelegt haben oder ernsthaft darauf hingewiesen wurden, dann ernsthaft erwogen, denn dass hier ein sehr fahrlässiger handwerklicher Fehler (gewissermaßen im Wortsinne) vorliegt, müsste ihnen schnell einleuchten. Sagen sie sich dann, was soll’s, macht ja jetzt jeder so und der und der auch, bürsten sich das leicht von der Jacke, wohl wissend, dass in Anführungszeichen oder nicht in der Publizistik Welten an Unterschied ausmachen kann, erst recht, wenn es politisch und juristisch heikel wird?

Vielleicht kommt ja bald auch ein anderer darauf und steckt diesen Leuten die Sache, umso besser und lieber, wenn er sie mag und sie ihn gar schon kennen. Oder erklärt es auf einer Plattform mit hoher Reichweite, so dass es bald jeder vernommen hat. Wenn er hier darauf kam, wären eine Danksagung und ein gewidmeter Link mir recht. Ich werde jetzt nicht alle möglichen Leute persönlich damit zu belatschern versuchen, gar noch drüben in Amerika.

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