Magnussens Weg zu VW

Ich sahe gestern am Gehsteig eine merkwürdige Art Schildkröte. An der Seite war ein Minirollstuhl angeklappt, das auf dem Rücken war wohl ein Solarmodul. Plötzlich schien das Geschöpf wieder genug Strom zu haben, und es setzte sich mit gemächlichem Menschenschrittempo in Bewegung. Ich hörte nur ein leises Surren. Mich fragend, was für ein netter kleiner neuer Verkehrsteilnehmer das denn sei, folgte ich dem Kerlchen. Plötzlich änderte es die Farbe, blinkte orange zum Grün und sprach zu allen verwundert Umstehenden: „Volkswagen bringt Sie ökoelektrisch ans Ziel. Volkswagen fährt sie direkt zu Ihrem guten Gewissen. Fragen Sie den Volkswagenhändler in Ihrer Nähe.“ Drehte sich um, das Teil, stellte das orangene Blinken ab, fuhr beharrlich weiter, um nach etwa zweihundert Metern die ganze Ansage zu wiederholen. Potzblitz! Deutsche Ingenieurskunst, einfach zwischen meinen Beinen, schon auf dem Gehsteig! Vielleicht kann ich Influencer werden, indem ich die dümmsten Leute um so ein Teil herum filme! Volkswagen macht mich vielleicht zum Oberinfluencer! Oder ich trete einfach mal ganz aus Versehen drauf auf so ein Teil, filme dessen Verenden und kommentiere es sarkastisch im Netz. VW muss dann mit mir ins Gespräch kommen, denn sonst stehen sie stur da, das bringt Klicks ohne Ende und etwas Schotter sollte aus denen sowieso noch rauszulassen sein. Die wären ganz schön angepisst, wenn das mit ihrer lummelig zusammengebauten Ökökröte allzugroße Kreise zöge. Wahrscheinlich trete ich wirklich einfach so eine Kröte zusammen. Es erscheint das einfachste. Ein diskreter PR-Beratervertrag, fünf Millionen fürs erste Jahr, die Kröten werden verbessert, und alle sind zufrieden. Ja, so gehört es gemacht. Nur noch die richtigen Stiefel. Vielleicht ist das VW-Teil ja gar nicht so lummelig. Naja, erstmal mittig drauftreten, wenn das nicht reicht, voll mit der Ferse durchziehen. Im äußersten Fall mit beiden fast gesteckten Fersen frisch ausgefahren voll auflanden. So ging ich denn mit meinen besten Stiefeln bereift aus dem Haus, vielleicht noch eine VW-Kröte zu finden, gleich Nägel mit Köpfen zu machen zu trachten. Nach einer halben Stunde fand ich so ein Teil, es ruhte sich neben einer berüchtigten Spelunke in der Sonne aus. Das bot eine gute Gelegenheit. Keiner der Säufer würde sich daran stören, wenn ich meine Stiefel an der VW-Kröte ausprobierte. Zwei Taglichtwegtrinker standen vor der Kneipe, es schien, sie hatten die Kröte gar nicht bemerkt, und so weihte ich sie lieber ein. Was denn das da für ein merkwürdiges Teil sei? Gute Lust hätte ich, mal draufzutreten, zu sehen, was für ein Mistviech das ist. Zustimmung. Ich solle ruhig mal ordentlich drauftreten. Ich überlegte kurz, wie ordentlich. Dann entschloss ich mich für eine sehr ordentliche Dosis mit der rechten Ferse. Das Ding federte zurück, hatte keine Delle, schien nicht beschädigt. Dann fing es zu sprechen an. Als Friedensbotschafter VWs bedauere es sehr, wenn jetzt Teile des rechten Beines des Herrn schmerzten, der gerade vor ihm stehe. Es sei ganz und gar nicht seine Absicht gewesen, dem Herrn im Wege zu sein. Es war einfach aufgewacht, Reservemodus, klar, und so legte es sich wieder in der Sonne schlafen, indem ich mir erstmal ein Bier holte. Mir war klar, dass ich dieses Ding auch mit dem vollen Doppelfersensprung wahrscheinlich nicht richtig einditschen würde können, womit mein ursprünglicher Plan obsolet war. Klar würde der sauber durchgezogene Vorschlaghammer reichen, auch der Dreipfundfäustel, gut geführt, mit einigen Hieben, doch bewiese das nur die gute Konstruktion der VW-Kröte. Mir scheint, die haben diese Kröte besser gebaut als je eines ihrer Autos. Not macht eben erfinderisch. Ich sollte ernsthaft mit VW zusammenarbeiten. Die Kröte hat mich bestimmt schon gemeldet.

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