Magnus Wolf Göller – The Game Is On – Der Netznichts schlägt zurück

Ich hatte kürzlich im Schienenersatzbus von Lauda nach Würzburg, gegen Mittag von Stuttgart her kommend, schweren Gepäcks, das Vergnügen, denn Latein war genug im Zug studiert, mit zwei sehr distinguierten Herren, die sich kurz vor Abfahrt noch mit ihren Säckchen vor mich gesetzt, am Ende nur mit dem einen, in ein erquickliches Gespräch über deutsche Grammatik und die deutsche Spache zu kommen, indem ich durch, naja, eher Scheindiskussionen über den Gebrauch des Dativs mich zum Besten eingeladen sah, mich als deutschen Grammatiker vorstellte, ich wolle gerne alle anliegenden Fragen doch recht gut und umfässlich beantworten, es sei mir ein Vergnügen, damit die Busfahrt zu verkürzen, wofern Interesse bestünde.

So ward ich denn von dem einen aufmerksameren Herren, der auf einmal über recht genaues Spezialwissen verfügte, auf den Konjunktiv I und verschiedene Feinheiten befragt, kurzum, nicht weit vor dem Würzburger Bahnhof, indem meine Sentimentalität bezüglich des Verlustes der deutschen Dialekte schon abgefragt, führte das noch bis zu unseren Politikern, von mir her auch dahin, wer denn noch einen vorher nicht bekannten anspruchsvollen Text vom Blatt lesen könne.

Der nette, bis zum Schluss um keinen Scherz verlegene vielleicht Fündundvierzigjährige mit der auffälligen Hakennase, worüber er mich völlig unbeleidigt scherzen ließ, erklärte am Ende, als ich doch nochmal nach seiner Urherkunft frug, denn irgendein undefinierbarer Akzent, den er nicht nur gespielt haben konnte, war da, wiederum, er stamme aus China.

Ich witzelte ihn, der zwar schwarzhaarig, keine blauen Augen, nicht der hellsten Haut, aber doch sehr weiß, ohne jeden ostasiatischen Zug, darob noch ein wenig an, und wir lachten und gingen unserer Wege.

Das war ein ausgekochter Profi nebst Mitarbeiter, und der wie die Auftraggeber wissen entlang der Aufnahmen spätestens, dass ich zum Spaß mitgemacht habe.

Dumm vielleicht, dass ich das jetzt hier hinschreibe. Nur, für wen? Ich träume und fabuliere nur, was ich sehe, gibt es sowieso meistens nicht.

Liebe Leute. Diese Sache steht bei mir auf der Zufallskippe weit unter 5%. Man kann mich redlich ansprechen. Noch so eine Nummer, und Ihr müsst damit rechnen, dass ich Euch in einen originalen kleinen Göller-Skandal hineinziehe.

Inzwischen wird, wofern ich mir nicht wie immer alles eingebildet habe, was ich sehen will, Bericht erstattet sein, wie ich den Handschuh aufnahm.

Also gut, es war gar nicht so, ich saß auch nicht in diesem Bus. Gar keiner saß in diesem Bus.

Doch wären die Leute und gar diese Leute und überdies ich, als Ziel, in so einem Bus gesessen, weshalb zum Deibel?

Für eine kleine mündliche Sprachprüfung des Niemehremeritus, dessen Texte zu Tausenden längst geprüft und als eitel verworfen, als zielloser Unrat und Unflat?

So sitzt keiner mit seinem schrägen Kumpel plötzlich vor mir im Bus und fängt es völlig unschuldig, dann mit der Kenntnis, provokativ mit mir an. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zufall war, ich sagte es schon, ist sehr gering.

Nun, wenn es ein Schlapphut war, von welcher Seite?

Es sind mir da bislang zwei in den Sinn gekommen, also vier Möglichkeiten, nämlich das jeweilige den Verdacht Aufeinanderlenken wie das echte eigene Interesse.

Und da ich hier jetzt schon so lose frech werde: Ich weiß sehr gut, weshalb solche Leute an einem Netznichts wie mir eben doch Interesse haben könnten.

The game is on.

 

 

 

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