Von Satzanhangsscheinfragen

Zur Erholung mal wieder was zu einem recht lustigen und interessanten und manchmal auch nervigen sprachlichen Phänomen.

In verschiedenen mir bekannten Sprachen gibt es mannigfache Satzanhänge, die vom Hörer als Scheinfrage eine Bestätigung der getroffenen Aussage heischen, ja oft reichlich suggestiv eingesetzt werden.

Wo im Deutschen gerne einer am Schluss sagt „ja“, da verwendet der Spanier gerne „no“, also das Gegenteil zu demselben Zwecke. Im Englischen folgt gerne „right“ oder auch regelhaft eine Verneinung der Satzaussage als Scheinfrage, oder umgekehrt, eine Bejahung, bei negativer Satzaussage: „This is so, isn‘t it?“ Oder: „They are crazy, aren‘t they?“ Selbst: „This is isn‘t right, isn‘t it?“ Oder: „This is wrong, is it?“ (Also, zwar seltener, nicht die Gegenfrage.)

Im Deutschen hört man gerne: „Nicht wahr?“ Oder: „Oder?“ Oder: „Gell!“ (Auch „Gelt“, etwas veraltet, beides eher Süddeutsch.) Ebenso: „Stimmt‘s?“ „Oder (etwa) nicht?“

Schwäbisch hatte ich einmal einen Handwerksmeister, der sagte, wann immer er einem etwas erklärt hatte, zum Schluss: „Verschtohsch ned?“ („Verstehst du nicht?“)

Das fiel mir als vierzehnjährigem Sommerferienhilfsarbeiter schon so auf, dass ich meinen Vater, seines Zeichens mit Promotion in Deutsch, Gymnasialprofessor für Französisch, dazu befragte, was er denn davon halte.

Deschd a Ohsidde“, meinte er dazu knapp. („Das ist eine Unsitte.“)

Und in der Tat, manchmal mögen solche Scheinfragen schon angehen, ich sehe es aber auch als eine Unsitte an, sie ständig einzusetzen. Es nervt dann einfach. Dauernd – meistens – muss man scheinbar zustimmen, und wenn man nur dazu schweigt.

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