Von meiner letzten Sünde

Ich war vorhin – so schien es mir – im Wald. Der sah aus, als wäre er wirklich noch da. Unterholz genug – hoffentlich habe ich mir keine herbeiimaginierten Zecken eingefangen – und ich träumte von Kiefern, Eichen und gar ein paar Nussbäumen und Buchen.

Seit wann gibt es in Deutschland noch unnützen Wald? Liegt das am Kohlendioxid, dem Allesvernichter?

Ich komme nicht mehr drein noch draus. Ich trinke an diesem Feiertag ein Viertel Roten zum Mittagessen, denn sonst halte ich es hier nicht mehr aus.

Ich weiß nämlich eigentlich ganz genau, dass die Grünen inzwischen meinen Wald also sinnigerweise wie auftragsgemäß vernichtet haben.

Verdammte Tagträume. Wer hat mich zu so einem haltlosen Dummbatz gemacht? Wieso glaube ich noch, zu sehen was ich sehe?

Dabei ist mir ja völlig klar, weshalb die Grünen meinen Wald zerstören mussten. Ich wäre ja sonst so blöde und stur geblieben, dass ich ihnen weiterhin nicht geglaubt hätte. Und damit wäre ich schwerstestens mitschuld am Untergang der Menschheit geworden.

In der Nacht ist es aber noch schlimmer. Immer wieder drückt mich da ein Alp, und der Wald ist noch da, fast wie in meiner idiotischen Kindheit. Ich sitze an meinem alten Gymmi, und der Nazi-Biolehrer erklärt, keiner wagt zu widersprechen, dass es ohne Kohlendioxid keine Pflanzen gäbe, die wir essen könnten. Ich hasse mich inzwischen dafür. Wie kann sowas sein? Wer hat mich in solche Wähne hinabtraumatisiert?

Mit der Sonne habe ich es auch ganz und gar nicht mehr. Dieses Säuviech erwärmt den Planeten über alle Maßen. Am liebsten, ja, da empfinde ich notwendig gerechten Hass, schösse ich das Teil ganz ab, wenigstens bis hinter den Aldebaran, lieber noch aus der Milchstraße. Jeder Sonnenflecken ist ein Schandfleck.

Ich will auch nicht mehr trinken, nicht einmal destilliertes Wasser. Denn da ist Sauerstoff drinne, und der macht am Ende immer Kohlendioxid, und zwar zwiegenäht. Essen ist eh schon nicht mehr, denn alles Essen ist am Ende, selbst wenn Fleisch, ein Kohlendioxidprodukt.

Allein, ich kann gegen Durst und Hunger noch nicht an. Meine Eltern sind schuld. Die haben mir beigebracht, dass man essen und trinken solle, gaben mir Brot, Käse und gar Wasser. Verdammte Faschistenschweine!

Ich brenne mir jetzt eine letzte Zigarette an.

Letzte Sünde und aus.

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