Und es wird wieder nichts

Vorhin kam ich, so richtig unchristlich heimlich sonntäglich noch ein wenig an meinem Holz gearbeitet habend, auf den Gedanken, wofern endlich hinreichend unerträglich neidisch auf die Erfolge anderer damit und dadurch angesteckt, welche richtig fette Lüge ich mir ausdenken könne, auch Anerkennung bis zur Heiligkeit zu gewinnen und vor allem natürlich masse Knete zu scheffeln.

Da ich vielleicht der einzige auf der Welt bin, den die Musels nicht nehmen werden, bei den Juden braucht es eine strenge Aufnahmeprüfung, die ich kaum bestünde, ich zum Christen wohl noch weniger tauge, mit all meinen sonntäglichen Hölzern und Runen, durchfuhr mich, wundersam, am Hauseingang die geniale Idee alswie ein Blitz.

Mich einfach zum Buddhisten erklären! (Mein Fleisch könnte ich ja heimlich essen, und gegen Krieg bin ich sowieso.)

Ein paar neue Mantras erfinden (dumm rausschwätzen kann ich bekanntlich, kaum einer wagt das zu bestreiten), Mandalas ausmalen kann jeder, dazu ein bisschen Handauflegen (merkt eh keiner, wenn es nichts bringt), dazu ein paar wolkige Prophezeiungen, beim Labern immer Säuseln, in der Öffentlichkeit immer Tee statt Wein (ja, ein bisschen was wäre schon zu opfern), dabei ein wenig Halbschwulerei, klar kein Interesse mehr selbst an den vortrefflichsten Frauen, Seminare zu meiner Läuterungsphase, und der Rubel rollt.

Allein, so souverän das wäre, ich traue mir beim Lügen, selbst zu meinem Guten (was liegt am Rest?), selber nicht so recht.

Das liegt an einem Kindheitstrauma. Schwer verletzt im Krankenhaus, zwang man mich zum Lügen. Nämlich, dass ich jetzt eingesehen hätte, dass gut und gerecht für mich gewesen sei und gar nicht so stattgefunden habe, wie es stattgefunden hatte und gar nicht gut für mich gewesen war. Das war ein Mordsstress obendrein. Ich musste vor lauter Erwachsenen, die mich schwer im Verdacht hatten (die hielten mich für intelligent genug dafür, hinreichend tapfer auch), so satt rauslügen, dass ich das nicht mehr aus der Kutte kriege.

Es wird also auch mit dem schwerreichen Buddhisten nichts.

Achja, es kam etwa um diese Zeit dazu, dass ich Erwachsene überhörte, die meinten, heutzutage sei jeder blöde, der keine Schulden habe. Das sah ich nun so gar nicht ein, beziehungsweise ich hinterfragte eine Gesellschaft, in der das gelte. Das verstünde ich nicht, dafür sei ich halt noch zu klein und dumm, das war die ganze Antwort. Da fragte ich mich dann, wie dumm die sein müssten, wer die so dummdreist angelogen habe, dass sie das glaubten. Allerdings merkte ich erst später so richtig, dass die größten Lügen die längsten Beine haben. Trotzdem: Diese Erwachsenen meinten, wie im Krankenhaus, säßen sie nur großen Lügen auf oder zwängen schon kleine Kinder dazu entlang ihres Willens mitzulügen, so wären sie auf der sicheren Seite. Der Sache traute ich schon damals nicht.

Bisher 2 Kommentare

2 Antworten auf „Und es wird wieder nichts“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.