Nochmal zum Schach

Im Schach gibt es natürlich auch Wägungen und Diskussionen von wegen Frauen- versus Männerschach. Da schaue man aber mal hin, wie das vonstatten geht. (Als Beispiel mag gelten, was Elisabeth Paehtz und Evgenij Miroshnichenko – ich nehme die Namen jetzt in der präsentierten Form dort – als Kommentatoren zum Frauen-WM-Kandidatenturnier die letzten Tage dazu abgeliefert haben. Sich nicht scheuend, die Unterschiede zu thematisieren.)

Diese Bastion eines vernünftigen Umgangs der Geschlechter miteinander hat man es bislang nicht geschafft zu schleifen.

Ein Faktor mag sein, dass man sich auch im Spitzensport vor dem Spiel und zum Ende dessen die Hand gibt. Sehr, sehr selten wurde diese Sitte in den letzten Jahren nicht eingehalten. Das wurde dann heftig kritisiert. Keiner hielt das auf Dauer durch.

Eine wirklich aufsehenerregende Partie ist ein gemeinsames Gesamtkunstwerk, selbst wenn am Ende Remis oder einer schließlich verliert.

Es scheint einfach dem Sport nicht gemäß, der anzuerkennenden jeweiligen Anstrengung, sich hier in die Niederungen des verordneten Geschlechterkriegs zu begeben.

Die armenische Nationalmannschaft tritt gegen die aserbaidschanische an, und keiner streut Gift. Karjakin hält zu Putin, Kasparov ist dessen bekannter Widersacher. Alle drumherum schauen aber darauf, dass das so wenig als möglich Thema wird. Topalov und Kramnik, lange spinnefeind, weil einer einen Betrug des anderen vermutete, gaben sich dann doch wieder die Hand, kommentierten eine abgelaufene Partie gemeinsam, endlich sah man ein Bild, wo sie im Hause des Mamedyarov gemeinsam einen Russischen draufmachten.

Kurz gesagt: Wer herumgiftet, der verliert. Vielleicht nicht gleich am Brett.

In anderen Sportarten ist es anders. Serena Williams ist eine Pöblerin vor dem Herrn. Vom Fußball will ich gar nicht reden, noch weniger vom Boxsport.

Auch deshalb liebe ich das Schach. Ich kann mir die Partien anschauen, und fachkundige, witzige Leute kommentieren, hier belebt Konkurrenz wirklich den Spaß und das Geschäft. Man respektiert, ohne jede Häme, „selbst“ Iraner. Man lässt sich sein Spiel einfach nicht kaputtmachen.

Vielleicht spielt auch die Strenge der Sache an sich eine Rolle. Ein gravierender Fehler, und man ist rettungslos verloren. Und Ausreden gibt es keine.

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