New York Times vorbildlich: Keine politischen Karikaturen mehr

Das Zensur- und Selbstzensurkarrussell dreht sich munter weiter.

Die New York Times hat jetzt angekündigt, ab 1. Juli keine politischen Karikaturen mehr zu veröffentlichen. Anlass dafür ist vorgeblich eine Karikatur vom April, die Donald Trump mit Kippa, Benjamin Netanjahu als Dackel vor sich herführend, zeigte.

Ich werde diese jetzt nicht hier einblenden, und zwar nicht nur, weil ich keine Bildrechte habe. Man findet sie noch im Netz.

Ich will die Gelungenheit und den Sinn und Wert dieser einen Karikatur hier jetzt gar nicht erörtern. Denn darum geht es nicht.

Das Wesen einer politischen Karikatur ist, dass sie etwas knapp und provokant ins Bild bringt, bissig ist.

Für mich liegt es daher nahe, dass diese eine Karikatur eben nicht der eigentliche Grund für diesen Schritt ist, lediglich ein vielleicht sogar willkommener Anlass.

Denn, wen oder welche gesellschaftliche Gruppe darf man denn heute noch karikieren, ohne einen Scheißesturm auszulösen, zur Unperson gemacht zu werden, vor Gericht zu landen, gar um sein Leben fürchten zu müssen? („Nicht“ steht im folgenden für „gar nicht“ oder „fast nicht“ oder „nur sehr sanft“.)

Juden nicht. Moslems oder gar Mohammed nicht. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transen und Verquere nicht. Schwarze nicht. Feministinnen nicht. Vegetarier und Veganer nicht. Irgendwie Behinderte nicht. Illegale Einwanderer nicht. Antiweiße Rassisten nicht. Radikale Tierschützer nicht. Deutschenhasser nicht. Klimahysteriker nicht. Eskimos nicht. Eisbären nicht. Psychiater nicht. Bänker und Großspekulanten nicht. Antifaverbrecher nicht. „Grüne“ nicht.

Rechnet man das alles – die Liste ließe sich fortsetzen – zusammen, so bleiben nicht mehr viele Leute beziehungsweise gesellschaftliche Gruppen übrig. Welche, das lässt sich leicht erschließen.

Als größte Gruppe bleiben – was wunder – weiße nichtlinke Heteromänner übrig, speziell in dieser Kombi dargestellt.

Die nun aber sind es inzwischen gewöhnt, an allem schuld zu sein, egal was. Karikaturen werden sie kaum noch treffen, gar in ihrer einzigartigen Schlechtigkeit „entlarven“.

Jeder weiß doch schon, dass das die Bösen sind, wozu dann noch endlos viele Karikaturen über die? Wen reizt das noch, wen bringt das noch zum Lachen?

Insofern ist es logisch, dass das ganze Genre der politischen Karikatur dem Tode geweiht.

Es gibt nichts mehr, worüber noch nachzudenken, gar zu lachen wäre.

Bisher kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.