Lernen aus den nicht gemachten Fehlern

Immerzu und überall geht die Rede davon, man solle auf die Fehler schauen, die man gemacht habe, daraus lernen, sie nicht zu wiederholen.

Wer redet davon, auch auf die glücklicherweise oder gar bedachterweise nicht gemachten Fehler zu schauen?

Nein, mit der Tante habe ich mich doch nicht eingelassen. Nein, ich bin doch nicht ausgewandert. Nein, in dieser Firma habe ich nicht weitergemacht, auch wenn das zunächst Schimpf im Umfeld brachte, schweren finanziellen Verlust. Nein, diesem ehrlich wohlmeinendem Rat meines ältesten Freundes bin ich doch nicht gefolgt. Nein, da habe ich nichts gesagt, denn das war wirklich zu gefährlich. Nein, da musste ich sogar lügen, die Wahrheit hätte mich sehr wahrscheinlich den Hals gekostet.

Kurzum: In der Selbstbetrachtung sollte man nicht nur aus den gemachten sondern auch den nicht gemachten Fehlern lernen.

Bisher 4 Kommentare

4 Antworten auf „Lernen aus den nicht gemachten Fehlern“

  1. Hallo Magnus, mir fiel da über Nacht einiges ein, das ich gerne hier schreiben wollte.

    Dieser Artikel klingt für mich sehr herausfordernd, weil ich denke, dass etwas, das ich gar nicht gemacht habe, eine Fiktion ist. Wie könnte ich aus einer Fiktion etwas lernen?

    „Nein mit der Tante….“ Was soll daran ein nicht gemachter Fehler sein? Wenn man sich nicht „eingelassen“ hat, dann kann man nicht wissen, wie toll dieses Gefühl gewesen wäre, noch, wie froh man ist, dass es ja nicht in Beton zementiert ist?

    Bitte beachte, dass ich mit Deinem Artikel über den Lernerfolg von nicht gemachten Fehlern sehr gewissenhaft und ernsthaft in Reaktion gehe. Nichts daran ist Kritik, meine Zeilen sind ein Tribut an Deinen Mut, dies hier so auszustellen.

    Ich selbst bin immer mächtig stolz, wenn ich einen vermeintlichen Fehler nicht gemacht habe. Ein Fehler ist ein Lehrer. Erst wenn man einen Fehler öfter als 3x macht, dann manifestiert sich der Fehler und nun ist guter Rat teuer, den müsste ich erst einholen, bei Fachleuten, was ich damit an Experimenten und seinen Folgen auf mich nähme.

    Früher machte ich keine Fehler, ich lebte einfach daraufhin und hatte daraus meine Lektionen, die mich Jahre des Aufräumens und der Verantwortung kosteten, der täglichen Verantwortung für die „Folgen“, die zu Zweit produziert wurden, doch ich allein durfte die Arbeit machen. Das hat mich gezeichnet, das ist klar. Gebranntes Kind scheut das Feuer, und je näher das Feuer kommt, desto mehr Aktionen werde ich setzen, um dieses Feuer zu minimieren, löschen, auszuschalten und wenn nötig ad Absurdum zu führen.

    Nun, Magnus, was sagst Du dazu? Ich grüße Dich: Ave Magnus 🙂

  2. Fortsetzung

    Bovis: Alles schwingt.
    Also die Schwingung im Moment, wenn ein Mensch etwas ethisch nicht korrektes macht, ist „nicht gut“. Ist er deshalb nicht gleich wertvoll, wie alle Anderen? Exakt doch, aber er macht eben im Moment etwas, das nicht gut schwingt.

    Wozu dienen Handlungen? Exakt um Erfahrungen zu machen. Etwas zu fühlen, schmecken, nicht nur zu sehen, und daraus Schlüsse ziehen zu können, für sich selbst. Wozu haben wir einen Körper? Um zu wissen wie Schokolade schmeckt? Um zu fühlen, wie Wein die Kehle runter rinnt und das Hirn taumelig macht, damit der Schmerz nicht so groß ist? Der verdrängte, abgespaltene, irre Schmerz, der in uns tobt und nicht gefühlt werden will?

    Wozu das alles? Ich habe keinen blassen Schimmer, berate aber gern weiter. Das ist so üblich auf diesem Planeten, das hat Kultur, ist Kultur, und deshalb ist es legitim. Weil es ja Kultur ist. Grüßen ist auch Kultur. Also bis zum nächsten Mal: Ave – Tschüss – Ciao – Pfiati – juten Tach – Salute – Auf Wiederlesen – machts gut – machts besser – gut`s Nächtle – viel Spaß – schöne Sommerferien – komm gesund heim – und nachträglich alles Gute zum Geburtstag.

  3. @ Magnus

    zur Hierarchie.

    Wer kann behaupten, dass auf unserer Welt eine gesunde hierarchische Struktur herrsche?
    Hierarchie und Hierarchie sind zweierlei Paar Schuhe.

    Hierarchie hat nichts mit Wertigkeit zu tun.
    Ein hierarchisch hochstehender Mensch ist nicht wertvoller, als ein 5-jähriges Kind, das seine ganze Herrlichkeit noch im kindlichen Kleid versteckt. Soviel dazu. Im Übrigen viel Spaß, bei was auch immer – Gigi 🙂

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