Keiner hat ein Recht auf meine Rede

In einem ansonsten nicht schlecht geführten Zwiegespräch im Netz hörte ich gestern ständig wiederholt, man müsse mit jedem reden.

Ich muss mit überhaupt niemandem reden, der mich nicht dazu zwingt, schon gar nicht mit einem, der mir und den Meinen klar den Tod ansinnt, wofern ich mich ihm nicht unterwerfen will.

Mit so einem dann doch zu reden, das suche ich mir erst recht frei raus.

Da kann er dann, wo es nottut, klare Worte von mir hören. Auf seine Mordwünsche hin wie auf seinen erbärmlichen Rest. Dazu mag er dann zutiefst beleidigt seine Flüche ausstoßen, mir ankündigen, dass er seine Schergen morgen wider mich ausschicke. Soweit ich das, meinen Rücken möglichst schützend, beim Gehen noch höre.

Auch schon unterhalb dieser Ebene muss ich mit keinem reden, der mich lediglich schräg anmacht oder beschimpft. Ich muss mit keinem Zuhälter noch Heroindealer reden. Redefreiheit bedeutet nämlich auch, nicht reden zu müssen.

Ich muss auch mit keinem von den Zeugen Jehovas reden. Noch mit einem Antifanten, der sich seinen weißen Selbsthass schon eintätowiert hat und auf der Jacke trägt. Oder einem radikalen Veganer. Oder sonstwem. Egal wem.

Allzumal muss ich nicht weiters mit einem reden, einem schmierigen Werber für Gesundheitsprodukte oder Versicherungen oder Elektroautos, wenn ich das gerade nicht will. Selbst dann, wenn der Werber sympathisch auftritt.

Das Gebot, mit jedem reden zu müssen, geht ohnehin nur in eine Richtung. Mit mir muss offenkundig keiner reden. Bei mir ist für viele das Gegenteil Gebot. Während ich mit jedem reden kann, mit dem ich reden will.

Wieso sollte ich insgesamt mit jedem reden? Habe ich meinen Tag denn irgendwem gestohlen? Hat jeder ein Anrecht auf meine Rede?

Ich rede gerne mit allerlei Leuten, jeder, der mich kennt, wird das bestätigen.

Muss aber lasse ich mir dazu nicht geben.

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