Dem YouTube-Tod knapp von der Schippe gesprungen

Irgendwann war ich total am Ende. Fast so wie Caleb Cain, nur lief es umgekehrt.

YouTube lieferte mir statt meinen konservativen Lieblingsseiten – die hatten sie alle arglistig abgeschafft – nur noch linksextreme und schwerstlinke. Es ward zu einem Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Ich begann mich als alten weißen Heteromann regelrecht zu hassen. Als Deutschen erst recht.

Die Ärzte sagten mir, dass sie keine Umpigmentierung bei mir vornehmen könnten. Immerhin, dass ich noch schwul werden könne, da machten sie mir Hoffnungen. Ich versuchte alles, und konnte doch nicht anders als früher. Mein Name war nicht zu ändern, mit diesem verdammten „ö“, so dass keiner mehr gemerkt hätte, dass ich Deutscher bin. Eine andere Staatsbürgerschaft wenigstens, die bekam ich auch nicht. Eine Umoperation zu einer Frau, die sei in meinem Alter sehr risikobehaftet, ich sei schließlich nicht mehr zwanzig.

Das alles machte mich fix und fertig. Es war aussichtslos. Ich war schwer suizidgefährdet. So sehr, dass ich endlich zwangseingewiesen wurde. Kein YouTube mehr, kein Netz, nichts. Man zwang mich, denn sonst gab es fast nichts, wieder Fleisch zu essen. Die Schwester schaute zu, wie ich mein Viertel Roten trinken musste. Kein Valium, gnadenlos keine Benzodiazepine, kein Valuron, nicht einmal ein wenig Codein. Es war die Hölle.

Nach vier Wochen aber begann ich mich zu fragen, worunter ich eigentlich litt.

Ja, es war dieses verdammte YouTube, es mussten deren Sehempfehlungen gewesen sein.

Nach und nach, Zeit hatte ich ja genug, Papier und einen weichen Stift, damit ich mich nicht daran verletzen könne, gab man mir, schrieb ich meine ganze Geschichte auf.

Ich begann, meinen Körper nicht mehr zu hassen, mein Heterotum wieder als tolerabel anzusehen, ich las von anständigen Weißen, Deutschen gar, alt überdies, und ich genas.

Jetzt habe ich in Amerika die besten Anwälte, die auf Prozente einen Milliardenprozess gegen Google anstrengen. Sie versichern mir, dass ich bald ein reicher Mann sein werde. Sind sich sicher, dass die sich lieber auf einen Vergleich einlassen, als auf einen fatalen Prozess, der masse Sammelklagen nach sich ziehen, den ganzen Laden am Ende ruinieren könnte. Wenigstens dreihundert Millionen US, sagen die. Mein Manuskript aus der Klapse sei pures Gold. Authentischer gehe es nicht.

Bald kommt das Geld.

Damit werde ich meine eigene Videoplattform aufbauen.

Dann werden diese Leute sehen, wo Barthel wirklich den Most holt.

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