Nicht jeder Teufel mag Fliegen

Ja, der Mai ist kommen, der Winter ist aus.

Merke ich gerade daran, wie die Stubenfliegen hier Bildschirm und Tastatur und Hände gar im Ringelreihen besatzen und drumherumfleuchen, als wäre ich der Teufel persönlich.

Ein Tilger werde ich dererbezüglich jetzt auch bald, ich weiß nicht, ob die Viecher es schon spüren, dass sie sich hier mit dem falschen Teufel eingelassen haben.

Man sagt, der Magnus sei nicht der Ordentlichste aller Ordentlichen, das mag, je nachdem, wie man es sieht, keine ungerechte Beurteilung sein: wo die Mucken aber zu frech werden, da greift er irgendwann unmissverständlich ein.

Und, zupp, indem er dies schreibt, werden sie schon viel scheuer. Leider hat er noch keine reguläre Patsche da, aber das alte Hemd liegt schon rechtshändisch. Wären da nur nicht all die schönen Kristalle und Hölzer am Tisch, der Bildschirm wird es schon aushalten, Tastaturen gibt es für einige Euronen, heruntergekommen ist die eh schon, was soll‘s, drauf mit Schmackes!

Ich sehe grade, meiner Treu‘, grade wollte ich’s hinschreiben, keine mehr, was auch so war, da krabbelte schon wieder eine über den Schirm, und danach kreisten noch zwei über meinen Tippfingern.

Na wartet. Das ist mit Sicherheit noch nicht das Ende dieses Spiels. Irgendwann erinnere ich mich noch daran, wie ihr mir sommermorgens am Mundwinkel herumgekrabbelt seid, ihr Säuviecher, mich damit aus dem besten Schlummer herauszuquälen! Euch komme ich!

Jetzt gilt es, das erste Viech zu erwischen. Aus dem eiskalten Hinterhalt. Psychologisch steht da viel auf dem Spiel. Ich schreibe gleich weiter.

OK. Ein Blödmann hat es direkt vor der Tastatur probiert, das alte grüne T-Hemd, gut zusammengerollt, hat funktioniert. Mal sehen, was jetzt der Rest macht. Dies ist sozusagen eine Live-Sendung.

Es ist jetzt über eine Minute vergangen, und keiner außer mir zeigt sich. Irgendwas hat sich herumgesprochen. Sollte hinter mir das Fenster aufmachen, dass sie sich verpissen können. Mache ich. Mal sehen. Vielleicht tauge ich auf meine alten Tage ja wenigstens noch zum Exorzisten.

Jetzt ist mir eine Muck von links nach rechts in etwa zehn Zentimeter Entfernung an der Brille vorbeigeflogen, das war in Richtung des neu geöffneten Fensters schräg hinter meiner rechten Schulter. Ist das ein gutes Zeichen? – Jetzt nochmal dasselbe. Man scheint Feindkontakt zu halten.

Immerhin, vielleicht nur bis ich das hinschreibe, gleich mir zum Possen wieder, kein Gekrabbel mehr auf dem Schirm, der Tastatur, meinen Händen.

So möge das halten.

Wo nicht, ich habe ein altes grünes T-Hemd, gut zum Schlagschlauch.

Nachtrag

Kaum habe ich diesen überaus bedeutenden Artikel freigegeben, sind sie natürlich zurückgekommen.

Ein Exemplar hat sich dann bald, denn ich ließ mir nichts anmerken und beobachtete nur ruhig die Szene, schulterte sehr gemütlich die grüne Hemdpatsche, Bruder sich schon auf die Tastatur getan, wo ich doch draufzugeben versucht war, einer sich schließlich so weit zwischen Maus und Schweizermesser hervorgewagt, dass ich dem einen erfolgreichen Hieb zu setzen wusste, ohne den Schreibtisch in noch mehr Chaos zu setzen, als er so schon täglich berechtigt als sein Leid zu beklagen hat.

Nachtrag II

Ich war jetzt kurz an einem gewissen Ort, habe vorher noch eine Fliege huschen sehen. Mindestens kann ich gerade unbelästigt schreiben. Wer weiß, wer das Fenster gefunden. Gibt es noch wissenschaftlich bedeutende Erkenntnisse zur Sache, überraschende Fliegenmassenangriffe, eine völlige Umkehr, ich lasse es wissen.

Da krabbelt schon wieder eine auf dem Schirm.

Die haben wohl gar kein Einsehen. Oder nur noch eine.

Gut, der Rest wird sich nicht unter den Augen der Weltöffentlichkeit vollziehen.

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