Von weisen Menschen

Ich kenne ein paar Männer, die sich für weise halten. Einer von denen, obzwar ich keineswegs immer mit dem einig, der ist es aus meiner Sicht mindestens teils, mag sein viel mehr, und er hält sich selber wohl nur ein Stück weit schon für weise. Ein zweiter scheint mir nicht weit davon weg. Der ist auch einfach klar und in keiner Weise hochmütig oder eingebildet.

Der Erstgenannte hat schon etwas, das mitunter wie Hellsicht anmutet. Der andere durchschaut mich auch fast jederzeit, scherzt also lieb wie frei dazu, und vieles andere mehr sofort.

Die wiederum anderen, die haben noch keine echte Größe entwickelt, sind damit teils kleinlich, einer davon lügt sogar gerne, ein herausragender wissenschaftlicher Kopf ansonsten, rein zu seinem Vergnügen. Vor mir hat er ein wenig Angst, denn er weiß, dass ich das weiß. Der ist nicht weise.

Weise Frauen habe ich vermutlich drei gekannt.

Zwei davon sollten noch leben, doch weiß ich auch das nicht mit Bestimmtheit.

Bisher 28 Kommentare

28 Antworten auf „Von weisen Menschen“

  1. Was ist Weisheit?
    Meine Definition davon ist, dass man in all seine Gedanken und Handlungen die Ewigkeit miteinbezieht. Was natürlich zu beweisen wäre…

    1. @ Hugin

      Ich habe Liebe erfahren dürfen und weiß wohl auch ein bisschen was von Schönem, zur Ewigkeit aber kann ich kaum etwas sagen. Es mag sein, dass Du es triffst. Ich bin unschlüssig. Ich muss darüber noch gründlich nachdenken. Wahrscheinlich hast Du irgendwie recht. Es scheint mir aber auch noch etwas zu fehlen, oder es ist mir etwas noch zu ungenau, wenigstens nicht hinreichend.

  2. Ich existiere. Immer. Davon gehe ich aus. Und jeder Gedanke, jede Tat hat Konsequenzen und das meine ich nicht als Bestrafung. Aber man muss die Verantwortung dafür übernehmen und deshalb wäre es doch ziemlich weise, nur solche Gedanken und Taten zu tun, welche nur positive Folgen haben – jetzt und immer. Natürlich setzt das Selbsterkenntnis voraus, denn ohne dieses Wissen gibt es keine Weisheit.

    Ansonsten weiß ich nicht, was Weisheit sein könnte und wie sie gewöhnlich definiert wird. Sich in sein Schicksal bei einem Glas Rotwein zu ergeben ist für mich nicht unbedingt weise.

    Und ich wünschte natürlich, ich wäre weiser!

    1. @ Hugin

      Ich habe keine Ahnung von irgendwelchen Vorleben und hoffe auch lieber nicht auf irgendwelche weiteren Leben beziehungsweise setze darauf.
      Ansonsten will ich keineswegs in Abrede stellen, was Du sagst.
      Bisher kann ich auch nur sagen, bei welchen Leuten ich das fand, was für mich Weisheit bedeutet: Außer bei den oben Erwähnten (nur nicht namentlich Genannten) fand ich sie bei Konfuzius, Cervantes, Shakespeare, Schiller, Nietzsche, um ein paar Beispiele zu nennen.
      Weisheit ist aber meines Erachtens sicherlich etwas, das über die eigene Person, über kurzfristiges Gewinnstreben hinausreicht. Der Weise ist, um es mit einem Nietzschewort zu sagen „reich genug, sich zu verschenken“. Oder mit Konfuzius: Er ist unbestechlich. Er ist zumal vor allem redlich.

      1. @ Hugin

        Ich will noch hinzufügen, dass der Weise weitestgehend neidfrei ist und frei von Selbstmitleiden. Er freut sich über jeden anderen Weisen, den er trifft oder von dem er auch nur ein Buch lesen darf. Er vernutzt niemanden, er ist frei von Habsucht. Er wird nicht traurig, da er oft einsam ist. Er ist nicht nachtragend oder irgendwie rachsüchtig. Er prüft sich stetig selbst. Er ist nicht mehr abhängig vom Urteil anderer. Er kann seinem eigenen Urteilen trauen, traut ihm aber eben nicht blind, denn er ist nicht hochmütig oder selbstüberhoben. Er freut sich über jeden Schüler, der irgendwie über ihn hinauswächst. Er ist sowieso freigiebig mit seinem Weistum. Man kann ihn im Grunde gar nicht mehr demütigen. Selbstverständlich ist er mutig und tapfer, aber nicht verwegen. Er klagt wenig. Hat er ein Gebrechen, so lastet er dieses nicht auf andere. Er weiß um seine Schwächen. Allem voran steht immer die Redlichkeit, die laut Nietzsche jüngste aller Tugenden.

        1. @ Hugin

          Ich habe wohl Schwatzwasser gesoffen.
          Denn ich will noch nachtragen, dass der Weise durchaus strategisch zu denken versteht und nicht jedem Feind gleich arglos die Gelegenheit verschafft, ihn lächerlich zu machen oder gar aufzuknüpfen. Er ist eben nicht bis zur Dummheit hin gut. Er wartet zwar nicht gerne, hat es aber gelernt. Wenn es sein muss, dann lügt er besser als jeder Schuft und Mafioso. Lügendetektoren haben bei ihm keine Chance. Er lügt so ungern, dass er es im Falle richtig kann. Von Konfuzius gibt es illustre Beispiele. Einmal schenkte ihm ein sehr mächtiges Arschloch ein Schwein, und er hätte gemäß aller Sitte denjenigen botmäßig und dankbar empfangen müssen. Er hatte von dem aber den Kanal voll und täuschte eine Krankheit vor, auch noch so, dass der andere das merken musste. Von dem Drecksack bekam er kein Schwein mehr geschenkt.

          1. @ Hugin

            Jetzt gehe ich gleich raus, denn sonst entfleucht mir noch der schöne Frühlingstag, und das wäre bestimmt nicht weise.
            Der Weise hält auch immer wieder inne, und macht mal, das ist wieder von Nietzsche (der Weise heftet sich auch keine fremden Lorbeeren an), selbst Urlaub von seinen Tugenden.
            Liebe Grüße und vielen Dank für die „Inspiration“ von Dir. Gerne jederzeit mehr davon.
            (Über Inspiration und Intuition plane ich schon seit vorgestern etwas zu schreiben. Das hat jetzt aber mindestens bis heute Abend zu warten.)

          2. @ Hugin

            Der Weise glaubt auch so wenig wie möglich, ebenso hält er es mit dem Hoffen. Das muss ich nicht weiter erklären.

          3. @ Hugin

            Weise wissen auch, was sie noch nicht erzählen können, so gerne sie es auch täten. Damit meine ich ausdrücklich auch Sachen, die nicht zu Geschichtslügen.

          4. @ Hugin

            Ich denke, ich habe jetzt erstmal genug zum Thema gesagt, wobei eins aber noch ergänzend anzubringen.
            Wer meint, wahrhaft Weise hätten keine Feinde, der hat gar nichts verstanden. Sie haben meist mehr davon als alle anderen. Dem hülfen sie nur ab, würden sie blöde.
            Es mag sein, dass sich das einmal ändert. Bislang ist aber noch wenig davon zu sehen.

  3. Ich stimme Dir bei allem zu. Der Weise ist eben souverän. Er hat sich selbst erkannt, zumindest weitgehend erkannt. Wer weiß, wo das endet. Und natürlich ist er kein Opfer. Er gestaltet seine Welt schon ziemlich gekonnt.

    Ich frage mich gerade, ob der weit verbreitete Hass gegen den „weißen Mann“ etwas mit Weisheit zu tun hat, gewissermaßen ein Missverständnis ist…

    1. @ Hugin

      Eben, indem Dein Kommentar hereinkam, habe ich eine Fortsetzung verfasst. Zum Thema Hass gegen den „weißen Mann“ steht da noch nichts…

  4. So eine Grütze! Der wahrlich Weise entspringt eurer Vorstellung, wie wahrlich Weiser zu sein habe. Eure Vorstellung wiederum begründet sich auf übernommenem Wissen (Gelesenem und Gehörtem), gemischt mit Erinnerungen und Erfahrungen, denen ihr den Anstrich einer Vorstellung des Wissens über Weise gegeben habt.

    Aber wenigstens Unwissen in wohlklingende Worte gehüllt. Dafür einen erhobenen Daumen. 😀

  5. @makieken
    Nicht nur „kieken“, auch mal tief in Dir lauschen…
    Meine ganze Welt entspringt natürlich meiner Vorstellung, wessen sonst!
    Aber schreibe doch mal lieber Dein Wissen über Weisheit.
    Das wäre konstruktiver.

  6. Jungs,
    habe jetzt die Katze befragt. Sie sagt: 44!

    Spass beiseite, aber in meiner Welt kenne ich einfach niemanden, der von sich behaupten würde, ein weiser Mensch zu sein. Alle sogenannten „Weisen“ bekamen diesen „Titel“ von anderen aufgedrückt. Und andere drückten diesen „Titel“ anderen auf im Wissen um die eigene (vermeintliche) Unzulänglichkeit ihres Seins gegenüber den angeblich „Weisen“. Wie immer eben, der Vergleich zu anderen, welcher einen selbst gut oder schlecht da stehen lässt.

    Nichts für ungut und fröhliches Philosophieren weiterhin. 🙂

    1. @ makieken

      Erstmal freue ich mich mächtig darüber, dass Du Hugins Weis- und mein Simpeltum in Kombi so gut überlebt hast, dass ich eben Deinen Decknamen zuerst mit anfänglichem Großbuchstaben schrieb.
      Sodann: Du bist Hugins freundlichem Ansinnen gefolgt und hast jetzt tatsächlich inhaltlich etwas beigetragen, außer, dass wir beide, so ungefähr, uns hier lediglich dauernd einen runterholten.
      Jetzt zum sachlichen Inhalt.
      Teilweise gebe ich Dir recht. Die Beobachtung mit dem Vergleich ist meines Erachtens grundsätzlich zutreffend, kam hier meines Gedächtnisse noch nicht auf und ist eine durchaus notwendige Erweiterung und damit Bereicherung, so naheliegend und implizit gegeben sie auch sein mag.
      Aber: ‚Alle sogenannten „Weisen“ bekamen diesen „Titel“ von anderen aufgedrückt.‘- meinst Du.
      War das so fies vom Rest, Konfuzius einen Weisen zu heißen? Gab es Deiner Ansicht nach noch nie einen Weisen, nichtmal eine weise Frau, wie beispielsweise Hildegard von Bingen?

      1. @ makieken

        Gut, ich habe vorhin am Anfang genug nachgekottert.
        Du bist herzlich eingeladen, hier weiterhin teilzunehmen.
        Ich habe nicht im geringsten etwas gegen konträre Ansichten.
        Es ist mein Grundsatz, dass ich einem Kommentatoren deutlich länger erlaube, lediglich mich schräg anzugehen: setzt er indes einen anderen Teilnehmer – mit mir oder nur den – einfach nur herab, gar noch inhaltslos ansonsten, bin ich weniger langmütig. Denn ich meine, dass sich hier zwar jeder selber verteidigen kann (will er es dann?), es aber als Hausmeister – hätte ich sagen sollen „facility manager“? – auch meine Aufgabe ist, meinen Gästen einen gewissen Schutz zu bieten.

  7. „Homo Sapiens“ geht eben über in „Homo Universalis“. Letzterer wäre dann – hoffentlich – wenn er nicht wieder in Humorlosigkeit versinkt – eher Weise. (?) – Wenn alles gut geht…. Liebesgrüße, Gigi 🙂

  8. Die Weisheit reiht sich in das Fach der Philosophie.
    In der Philosophie ist n i c h t s bewiesen.

    Weisheit wird hier im Strang mit Gutheit verknüpft und mit Souveränität.
    Ich frage mich, soll ein Weiser einer sein, der für sich selbst weise ist, oder
    weise zum „Wohle Aller“?

    Soll er reich sein, ein Übermensch, ein beherrschter Mensch?
    Es lebe jedenfalls die Weisheit – während die Welt in Politik,
    political correctness Krimis und gelben Westen erstickt!

    @ Magnus

    Ich sehe die Leute nur lachen, wenn sie Volker Pispers sehen,
    dann aber richtig toll! Wow, haben d i e Humor!

  9. @ Magnus

    guter Einwand, warum ist sie, die Philosophie, dann Universitätsfach?

    Viel Rauch um Nichts? Wäre nicht ungewöhnlich und üblich,
    daß das Gute unterdrückt wird, um das Nebensächliche zu
    kultivieren und zu beweihräuchern……

    Mit Gutem, um einer Nachfrage von Dir gleich vorzubeugen, wäre
    zum Beispiel gemeint, daß Jugendliche unterwiesen werden, wie Kinder-
    Erziehung richtig geht oder wie Partnerschaft funktioniert, weil das
    ist eine elementare Ebene des Lebens und hier wird eher flächendeckend
    Unwissenheit und Irrtum verbreitet, was die Gepflogenheiten der
    Indigenen bereits bewiesen haben.

    Tiefergehende Erkenntnisse bitte selbst erarbeiten, ich habe noch zu tun.
    Salute Magnus, Salute Ihr lieben Fans, ich komme wieder, Gigi 🙂

    1. @ Gigi

      Wenn man alle Lehrstühle für „Gender Studies“ abgeschafft hat, dies ganze antimännliche und antiweiße korrupte Schwatzgesocks vertrieben, mir ein Zehntel des eingesparten Geldes gibt, erkläre ich Dir freimütig, wozu die Philosophie weiterhin Universitätsfach bleiben solle.

    1. @ Gigi

      Du kannst mich gerne mal anrufen.

      Zum Geld und den Philosophen. Gemessen am heutigen Rest zähle ich mich in der Tat als einen solchen. Geld wäre mir Mittel zum Zweck. Besseren Wein mir zu leisten, Gäste noch besser bewirten zu können. Besonders gern hätte ich es aber für die Nachwuchsförderung aus eigener Hand. Die Forschungsförderung zudem. Für mich will ich nur den besseren Wein und vielleicht ein paar Mittel, um einmal nicht als Penner zum Beispiel Japan bereisen und erfahren zu können. Bliebe darüber hinaus gerne, und das käme vorher, genug dafür, mein altes Haus in Ordnung zu bringen, ohne dass ich mich daran überhöbe. So wäre ich auch Geldes froh. Dann gibt es da noch meine Kinder. Die sind mir mehr als der ganze Rest.

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