12 Antworten auf „Von weisen Menschen (IV)“

  1. Das ist ab einem gewissen Bewusstseinsgrad nicht mehr notwendig, es sei denn, man will es so. Aber eigentlich ist es nur ein lange überlieferter Glaubenssatz. Wenn eine Reise durch die Hölle nicht zu umfassenderen Wahrnehmungen führt, oder anders gesagt, zur Fähigkeit größerer Wahlmöglichkeiten, dann hat sie wohl nicht lange genug gedauert. Leiden um des Leidenswillen halte ich für nicht besonders weise. Im „Elend zu enden“ halte ich für nicht besonders weise.

    1. @ Hugin

      Es ist bestimmt nicht weise, sich ins Elend zu stürzen und darin enden zu wollen. Gleichwohl, wie erging es nicht nur Schiller und Hölderlin zeitweise?
      Ich selber war schon mit acht so unweise, mir mächtig Gosche und Hand zu verbrennen, und es tut zwar schon lange nichts mehr weh (ja, OK, an manchen vernarbten Stellen heilen Wunden nicht ganz so leicht ab wie beim unverletzten Gewebe, es ist aber inzwischen lässlich), sieht aber sicherlich bis zu meinem Lebensende mittelprächtig beschissen aus.
      Ich wollte eigentlich nur sagen, dass der Weise auch mit schlimmen Niederlagen rechnet. In dem Sinne lediglich, dass er sie für sich nicht ausschließt.

  2. Wer weiß, wo Du heute wärst ohne dieses Leiden. Ich denke, dass das Leiden – egal in welcher Form – immer noch eine Herausforderung in diesem Leben ist, einfach weil wir als Menschen gewöhnlich nicht bewusst genug sind. Aber der Punkt ist doch, dass man daraus Schlüsse ziehen kann, wie z.B. eine starke Absicht zu generieren, dieses Leiden zu beenden. Und das geht einfach nur mit mehr Bewusstheit.

    Aber viele von uns sind kleine Drama-Queens. Ich habe mich schon oft gefragt, was das Drama wohl ersetzen könnte?

    1. @ Hugin

      Du legst den Finger geradezu sprichwörtlich in meine Wunden. Ich sagte zu Deinem ersten Satz gerne mehr davon, was mir dazu schon gesagt wurde und mich nachhaltig prägte. Damit gäbe ich jetzt aber zu viel Persönliches preis, zumal auch von der Person, die mich dahingehend aufweckte. Beinahe hätte ich gesagt aufwuk. Das geht mindestens noch nicht. (Privat erzählte ich Dir, das notwendige Vertrauen gefasst, durchaus davon. Ich habe auch schon mindestens einem anderen davon erzählt.)
      Nachtrag
      Ich hatte durchaus schon mehr als nur eine Ahnung von dem, was Du ansprachst, aber einmal kam es so heftig rüber, dass ich das nie vergessen werde. Und es kam liebevoll rüber, nicht bösartig. Mehr dazu aber bis irgendwann nicht. Vom und über den Rest bleibe ich selbstverständlich so redselig, wie ich nunmal bin.
      Zu Deiner Schlussfrage bezüglich der Drama-Queens mache ich mir nachher noch ein paar Gedanken, beziehungsweise jetzt gleich nebenher bei den heutigen Schlussarbeiten auf meinem Hof. Wer weiß, wann es wieder tagelang bis wochenlang seicht wie Sau.
      LG

      1. @ Hugin

        Ja, was könnte wohl das Drama der vielen kleinen Drama-Queens (beiderlei Geschlechts selbstverständlich) ersetzen?
        Bessere Lehrer und Schulen? Bessere Ernährung? Bessere Eltern?
        Sicherlich, meine ich, mehr Bewegung, mehr Naturnähe. Man findet nämlich die Drama-Queens kaum unter Handwerkern und Bauern.
        Weniger dumme Religion mehr als nur vermutlich auch. Dafür mehr Erziehung in Kunstsinn, allen Sinnen, richtigem Lesen, Schreiben und Sprechen und Rechnen und Logik insgesamt.
        Vielleicht habe ich später noch etwas dazu. Immerhin das gibt der Frühabend schon her.

        1. @ Hugin

          Im eigentlichen Sinne des Begriffes „Ersetzen“ liegen meine bisherigen Versuchsantworten auf Deine Frage natürlich nicht genau. Das war mir gleich klar. Ich hätte das auch gleich sagen sollen. Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit, Ungenauigkeit, Schnellschuss. Der Lenz ist wohl zu gut zu mir. Denn meine Wägungen brachten ja nicht ein echtes Ersetzen, eher zielten sie auf ein Abhalten. Auf ein unwahrscheinlicher machen, Besseres in den Sinn bringen, eine Davonweglenkung im besten Sinne.
          Welcher sollte ein echter Ersatz für Geltungssucht, Eitelkeit und Gier sein?
          Da fällt mir immer noch nichts ein.
          Quatsch.
          Mindestens das mit der Bewegung und der Natur sollte stimmen.

  3. Dramas sind spannend und können einem das Gefühl geben, lebendig zu sein. „Geltungsssucht, Eitekeit und Gier“ sind manchmal Teil des Dramas, aber das Wesentliche des Dramas scheint mir das Existenzielle zu sein. Dass die Bewegung in der Natur hilfreich für alle Zustände ist, ist natürlich unbestritten.

    Bisher habe ich für mich herausgefunden, dass nur die Forschung ein voller Ersatz für Dramas ist und mit Forschung meine ich die Erforschung meiner Selbst. Ich finde nichts spannender, als Einsichten, das Verstehen komplexer Zusammenhänge, spontane Inspirationen, usw. Ahas halt.

    1. @ Hugin

      Setzt Du es so, dass jede Forschung sich gewissermaßen nur auf Dich selbst beziehen könne? Ich finde auch gern raus, was andere umtreibt. Zudem ist für mich Forschen nur ein Teil des Schaffens. Es geht auch darum, etwas ins Werk zu setzen.
      Auch weiß ich gerade von einem Freunde in großer Not, und ich weiß noch nicht, wie ich ihm besser aufhelfen könnte als ich es schon versucht habe. Da wird Selbsterforschung sicherlich nur ein Teil der Lösung sein, kann ich’s denn überhaupt.

  4. Ich denke, dass jede Art der Forschung oder des Schaffens spannend ist, wenn sie von starken Emotionen begleitet werden, um nicht zu sagen von Leidenschaft, ein Begriff, der mir gar nicht gefällt. Begeisterung wäre vielleicht das passende Wort. Aber das kann Jeder nur selbst herausfinden.

    Übrigens denke ich, dass bei jeder Art von „Hilfe“, für sich selbst oder Andere, es sehr hilfreich ist, gewissermaßen das Pferd von hinten aufzuzäumen, d.h. sich oder den Anderen schon als geheilt oder erfolgreich, oder was immer man beabsichtigt, zu sehen. Das erzeugt eine andere Energie als von etwas scheinbar fest Bestehenden auszugehen. Das ist ein sehr praktischer und funktionierender Mechanismus des Bewusstseins.

    1. @ Hugin

      Ich verstehe schon, was Du meinst. Es ist mir trotzdem etwas zu eso. Das mag schon mal klappen, aber eben oft auch nicht. Zum Begriff Emotion später vielleicht mehr. Dass Dir derjenige der Leidenschaft gar nicht gefällt, ist ohne weiteres begreiflich.

      1. @ Hugin

        Ich lade Dich jetzt auch ausdrücklich dazu ein, mich einmal anzurufen.
        Willst Du sozusagen zwar nicht vor den „Diensten“ aber wenigstens vor mir weiterhin verdeckt bleiben, auch keine Sache mit meinem Munin.
        Die Einladung steht und wird nicht nochmal ausgesprochen.

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