Vom Weinschlumpf und guter Küche

Manchmal ist es recht ärgerlich, dass man schöne oder auch lehrreiche Geschichten aus dem wirklichen Leben nur schwerlich erzählen kann, ohne damit letztlich erkennbare Personen aus dem eigenen Umfeld möglicherweise zu kompromittieren.

Ein bisschen was vom lieben Weinschlumpf aber gibt es jetzt gleichwohl.

Ich habe ihm den Spitznamen „Weinschlumpf“ gegeben, weil er aussieht, wie man sich einen weisen alten Schlumpf vorstellt, oft saß er auch mit einer entsprechenden Mütze am Tresen, mit Gesangsverbot wie ein Troubadix, indem er immer wieder ein Lied vom Don Quijote anzustimmen pflegte, bis zum baldigen Verweis durch die Wirtin.

Ich rede in der Vergangenheit, weil ich ihn schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen habe, mir aber außer seiner Schlumpfichtheit zwei Sachen besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Die eine ist, dass er eine lebende Trollingerlegende war und hoffentlich noch ist. Er hatte diesen seinen Schwabensaft nämlich sage und schreibe bis in die tiefste Oberpfalz hinein durchgesetzt, indem er dort zu tun hatte und sein Wirt ihn nicht umkommen lassen wollte. Mein inzwischen verstorbener Freund J., der lästerte gern darüber, wie viel der Weinschlumpf schon versoffen habe, früher am Abend noch zwölf Trollis, jetzt schaffe er nur noch acht.

Wichtiger aber nun, der Weinschlumpf war – oder ist noch immer – ein ausgezeichneter Koch, der in Frankreich privat lernte, noch im Alter regelmäßig für Stuttgarter Gesellschaften als Küchenchef geladen.

Die Madame Cuisine, von der er seiner Meinung nach am meisten mitgenommen, sagte einmal zu ihm: „Zum richtig gut kochen brauchst du vor allem eins. Nämlich sehr viel Zeit!“

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