Eingefrankt

Ich schrieb kürzlich, nach reiflicher Überlegung, ich wolle in meiner nächsten Einfleischung wenn nicht wieder Deutscher am liebsten Spanier oder Russe werden, entschied mich endlich gen Osten.

Was nun aber, würde ich doch wieder Deutscher, und ich dürfte aufgrund irgendeiner Sprachsünde oder wegen sonstwas nicht wieder Schwabe sein?

Sachse, wegen der herrlichen Mundart, und weil die so helle?

Pfälzer, wegen der Wurst und des Weines?

Bayer, wegen der Berge und weil ich gerne meine Hirschlederne trage und deren Selbstzufriedenheit ansteckend finde?

Mecklenburger, wegen der herrlichen Seen und des Meeres mit seinem einzigartigen Licht?

Hamburger, weil ich auch mal so richtig hochnäsig sein will, nicht nur gegenüber Schwaben und Schweizern?

Berliner, wegen der Schnoddrigkeit, und weil mir dann auch mal alles scheißegal sein kann?

Kölner, wegen des einzigen echten deutschen Stadtdialektes und des Karnevals?

Thüringer, weil Bach einer war und Nietzsche obendrein?

Westfale, weil ich für Sturheit viel übrig habe und mich in Bielefeld keiner meiner Widersacher aufzuspüren wüsste?

Ostfriese, weil mir dann egal sein könnte, wer mich auslacht, und weil von da aus die Nordfriesen im Osten?

Nein, inzwischen bin ich so angefrankt, ich wollte wohl Unterfranke werden.

So brauchte ich noch weniger Silben als der Schwabe, dürfte jeden duzen, ohne deshalb als Stoffel zu gelten, und überdies sehnte ich mich nicht des Weines halber nach der Pfalz.

 

 

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Eine Antwort auf „Eingefrankt“

  1. Damit hast Du jetzt bewiesen, daß Du auch im Positiven mir weit voraus bist. Wow. So viele gute Kenntnis und Anerkennung für die Landsleute. Ist mir noch nicht begegnet! Danke für die Einblicke – ins Deutschtum und in Deine Wahrnehmung.

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