Mein Hund bis über hundert

Ich dachte gerade, dass ich mir mit neunzig vielleicht doch noch einen Hund zulegen werde, damit der mich beharrlich weiter raus in Wald und Flur scheucht. Er soll dabei gleichwohl ruhig sein, ein irischer Wolfshund vielleicht, der mir loses verirrtes Gesindel, dem mein Beilhammerstock nicht reicht, schon ohne ein leisestes Knurren vom Halse hält. So, wie der frisst, wird er rein aus seinem Futterneid heraus auch meinen Hunger anregen, also, dass ich nicht so leicht vom Fleische falle. Nicht, dass ich über meinem Spätburgunder noch das angemessene Essen vergäße. Er bekommt ein Stück kurzgebratene Leber, ich eins. Er Käsnudeln mit mächtig Knoblauch, ich welche. Wir werden Brüder nicht nur im Wanste.

Im Winter legt er sich wärmend auf meine Füße, wenn ich schreibe, kommt er immer wieder vorbei und legt seine Schnauze auf meinen rechten Oberschenkel, wie als ob wissend, ach was, wissend, was ich da für die ganze Welt tue. Da er ein Wolfshund, werde ich ihn einfach Wolf nennen, auch damit ich meinen Zweitnamen nicht vergesse. Sonntags bekommt er ein Dunkelbier, und indem er das seiner Herkunft gemäß andächtig schlabbert, trinke ich unter den mittlerweile bejahrten Nussbäumen am Hof meinen selbstgemachten Hägenlikör dazu, jedem dräuenden Junikatarrh vorbeugend, das Reifen der Herzkirschen mit seligem Wohlwollen betrachtend.

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Auch das geht

Vielen Leuten genügt schon etwas Arglosigkeit, auf dass sie sich endlich selbst verraten. Die Arglosigkeit macht sie denken, man sei und bleibe ahnungslos. Damit ist es bald um ihre Ränke geschehen. Und sie merken es nicht.

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