Von einer sehr schwierigen Kunst

Die Kunst, über etwas beredt nicht zu reden, das man vernünftigerweise lieber nicht ausspricht, ist seit alters her eine besondere.

Dies gilt selbstverständlich, wenn man zu befürchten hat, für seine Rede in den Kerker geworfen zu werden oder gar Schlimmeres.

Ich meine inzwischen aber, dass die Sache noch schwieriger wird, wenn man davon ausgehen muss, dass einem einfach keiner glauben, man hiemit für verrückt erklärt werden wird.

Ich rede jetzt nicht von Dingen wie Flacherde und derlei.

Leute, die solcherlei vertreten, werden in der Regel zwar belächelt und verspottet – in Religionen gibt es massenweise Behauptungen, die absurd erscheinen müssen, Millionen Anhänger, und keiner verweigert ihnen Arbeit und Wohlfahrt – , doch bilden sie ja eine Masse, und traditioneller Massenwahn ist überall, wird gewissermaßen als normal angesehen, was er angesichts der Zahlen ja sozusagen auch ist.

Erfindet oder findet nun einer eine Sache, die viel weniger oder höchstens genauso aberwitzig erscheint wie jene der Massenbewegungen, so empfiehlt es sich demjenigen sehr, nicht einmal kenntlich zu machen, dass er einen auch nur leisen Verdacht habe, sie sei echt, und zwar ganz besonders dann, wenn er meint, sie beträfe vielleicht auch andere, aber sicher ihn persönlich.

Wo liegt da der Ausweg? Wie kann einer sich Gehör verschaffen, der lieber gleich gar nicht redet? Schon zu fürchten hat, auch nur Andeutungen zu machen?

Man wird in diesem Falle aufs Fragen und aufs beredte Schweigen an bestimmten Stellen setzen müssen. Also, dass andere darauf kommen, rund um denjenigen stimme etwas nicht, und das sei zumindest nicht desjenigen alleinige, eigene „Schuld“.

Dies birgt, wenn vorderhand erfolgreich, aber wiederum die Gefahr, dass die Betroffenen sich lieber abwenden, sogar aus reinem Selbstschutz boshaft und feindselig werden, sich ihrer „unsinnigen“ Gedanken dergestalt erwehrend.

Im glücklichen Falle aber sind im Frage- und Schweigewurfe Samen gesät, die besser aufgehen.

Die dann über den Keimling bis zu dem Pflänzchen heranwachsen, dass einer sich fragt: Was ist da? Bis einer andere fragt: Was ist da? Wozu schweigt der so beharrlich? Warum?

Damit ist noch lange nicht wirklich etwas gewonnen. Doch mag die Neugier, als beste aller Sorten Gier, erwacht sein, die ersten zarten Blütenknospen sprießen.

Darauf aber, indem die ersten Fragen dem Künstler der redenden Nichtrede mehr oder weniger unmittelbar gestellt, ergibt sich neue Gefahr: Wie viel Antwort ist zu geben?

Dies gemeistert habend, möchte die nächste Stufe folgen: Man kommt immer genauer auf die Vorstellung, die der Zweifelhafte haben könnte, spricht ihn endlich wirklich darauf an.

Hast du jemals daran gedacht, dass du mit XY zu tun haben könntest? Denkst du das?“

Ja, daran habe ich schonmal gedacht, aber es wirkt doch reichlich weit hergeholt, oder? Ich meine allerdings, dass es nicht ganz ausgeschlossen werden kann.“

Vielleicht auch noch: „Gleichwohl, es gibt dafür keinerlei belastbare Beweise, lass uns lieber nicht weiter davon reden.“

Das mag nun, durch Befriedigungslosigkeit, die Sache noch weiter anstacheln, die Neugier und Unruhe noch weiter beflügeln, noch mehr Grübeln hervorrufen.

Ab da mag man schon halbwegs offen ins Feld treten können, besser nicht außer acht lassend, wie schnell die anderen ihre „Hirngespinste“ lieber wieder abtun wollen mögen, sich in ihrer Wut über diese heftig gegen einen wendend.

Es ist immer noch viel zu früh, auf Sieg zu setzen.

Der kommt vielleicht nie, egal wie hoch die Kunst.

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