Magnus als Buddhabettler?

Schon lustig, wenn man einmal überlegt, wie Buddha-Figuren fürs Bücherregal typischerweise aussehen.

Da hockt ein angejahrter rundhäuptiger Glatzkopf mit gutem Schmerbauch im Schneidersitz und lächelt selbstzufrieden, in Asien oft noch immer mit einem Hakenkreuz auf der Brust.

Der vegetarische Bettelmönch ist der glücklichste Mensch auf Erden.

Rumsitzen und bescheid wissen. Hinreichend reinkarniert und darüber weise geworden, um als erster und vielleicht bislang einziger ins Nirvana zu dürfen.

Vielleicht hole ich mir auch mal so ein Teil – mehr als drei oder vier Euronen sollte es den Schwaben nicht kosten – und schaue mal, wie es auf mich wirkt.

Vielleicht bilde ich mir ja hinreichend ein, dass es mich klüger und zufriedener macht, und ich esse hie und da bald ein Schnitzel weniger.

Ein Jahr später suche ich mir vielleicht am Dorf an der Linde, wo die Rohrbacher Oster- und Weihnachtsdeko aufstellen, auch den Maibaum, den konkurrenzlosen Bettelplatz, alle Haare ab, endlich wieder einen anständigen Bauch, und versuche so mein Großes Glück.

Leider aber vermute ich, dass mich ab da keiner mehr grüßen wird, einer kommen, mir höhnisch eine Leberwurst zuzuwerfen, die Dorfjugend Spottgesänge anstimmt, ich um Weihnachten herum womöglich gar Schläge angeboten bekomme, sollte ich den Schabernack so weitertreiben wollen.

Wie wäre es in Karlstadt? (Die Stadt selbst hat nur etwa 10 000 Einwohner)

Auch so hätten es die Rohrbacher spätestens binnen drei Tagen alle spitz, und jeder ginge davon aus, ich sei jetzt vollends gaga. Oder das sei eine blanke Provokation, missratene Straßenkunst eines Möchtegerns in den letzten Zügen, was zu demselben logischen Schluss führte.

Das Betteln nun brächte wohl so manchen auf die Palme oder eher die Ulme oder den Eichbaum. Denn Deutsche betteln in Karlstadt nicht. Jedenfalls habe ich da noch nie einen Deutschen betteln gesehen.

Wie wäre es in Stuttgart?

Da hätten vielleicht manche den Humor dafür, doch wenn ich bedenke, wie oft ich im Schnitt unten im Kessel zufällig einen Bekannten treffe, dauerte es wohl auch nicht über zwei Wochen, bis alle meine Bekannten wüssten, was der Magnus inzwischen für einen groben Unfug sich hat einfallen lassen. Meine Mutter und meine Kinder schämten sich in Grund und Boden für diese Exorbitanz. Nicht auszuschließen, dass Mama mir Hausverbot erteilte, der Große mal vorbeikäme und mir zeigte, wie lange ich da als Buddhakopie noch ruhig herumsäße, nämlich höchstens noch zwei Bedenksekunden.

Wie wäre es in Berlin?

Das wäre zunächst recht geschickt, denn da kennen mich von dreieinhalb Millionen nur eine handvoll Leute. Es dauerte also sehr wahrscheinlich recht lange, bis ich aufflöge.

Vielleicht probiere ich das mal.

Allerdings, mir für dies Experiment extra einen Ranzen anzufressen, mich überdies zu erglatzen, was bei mir ob meiner Narben im Gesicht besonders extrascheiße aussähe, das wären schon echte, schwere Opfer.

Andererseits bettelt man in der Regel, soweit ich von der Sache etwas verstehe, umso besser, je erbärmlicher man aussieht.

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