Emil Knöpfle auf Urlaub

Ja, der Emil Knöpfle – ein jedes weiß, dass das mein echter Name – hat sich schon lange nicht mehr vor die Kamera getraut.

Nicht, dass er des Schwäbischen nicht mehr halbmächtig wäre und damit sein ADHS ritalinfrei abgelegt hätte: er macht jetzt noch für unbestimmte Zeit Urlaub von dieser seiner vorzüglichen Tugend.

Immerhin hat er den Sinn des Glaubens an die Lichtgeschwindigkeit als notwendige Religion für den lenkbaren Massenmenschen schon so knapp und klar dargelegt wie vor ihm und wohl bislang auch nach ihm kein anderer. Für einen heutigen Schwaben und bekennenden ADHSler nicht wenig. Man sieht bei uns heute, wenn einer darbt oder rennt, nicht immer gleich einen Hölderlin oder Schiller.

Der Emil, im unterfränkischen Exil, hat viel daran zu tun, zuwenigst halbfränkisch auftreten zu können, auf dass er am Dorfe wie bei den Marketenderinnen und am Baumarkt besser ernstgenommen werde. Er weiß zwar genau, dass er keine örtliche Mundart wird je richtig beherrschen lernen, kann aber doch vom Hören und Forschen und Ausprobieren nicht lassen. Die Leute nehmen das gut auf, was dem Emil alswie geschenkte Früchte. Er hat sich sogar schon gefragt, ob ein Schwabe ein guter Halbfranke werden könne, und doch ein rechter Schwab bleiben können. Ja, so weit reicht der Unfug bei ihm derzeit.

Ansonsten beschäftigt der Emil sich natürlich immerzu weiterhin mit dem Kampf gegen seine Hippeligkeit, vulgo ADHS, sucht Linderung und vielleicht langfristig geeignete Mittel, festgehalten in geheimen handschriftlichen Notizen, das Geheimste nur im Kopfe: man kann nur sagen, kein Wunder, dass der Mann derzeit nicht auftritt.

Emil, Schwab, der er ist, gaukelt sich natürlich vor, oder redet sich ein, oder er hat vielleicht auch ein Stückchen recht, dass er immerhin einige Sachen anspare. Er scheint zu vermeinen, dass man nicht alles immer gleich sagen müsse und das noch nicht einmal unbedingt ein Fluch sei. So lebt er in seiner eigenen Welt, der Emil. Der macht sich sogar seine eigenen Witze.

Man muss ihm aber bei all dem zugute halten, dass er sich halbwegs bürgerlich zu halten versucht. Er wäscht sich gelegentlich, entsorgt seinen Müll und zieht sich immer feste Schuhe sowie manchmal recht respektables Oberkleid an. Er bemüht sich. Wenn er in die große Stadt fährt, sich wirklich Mühe geben will, kann er dort als anständiger Mann in den besten Jahren durchgehen. Der Emil ist kein Volltrottel.

Schlimm an ihm ist aber schon, das mit dem Herumreiten auf Begriffen. Da zeigt sich das ganze Ausmaß seines Kampfes mit seiner Hippeligkeit. Die will er nämlich da geheilt wissen, hier sollte bestmöglich Klarheit walten. Hierzu ereifert er sich manchmal so, dass ihn gar seine Hippeligkeit verlässt, gar nichts mehr an ihm zappelt und zipft und zippt, und seine Stimme wird zu fein abgezogenen Schmiedstahl. Dreht er in dem Sinne richtig durch, trifft man ihn so ruhig an wie fast nie sonst.

Ach, ansonsten ist er schon ein ganz erträglicher Kerl.

Ich erzähle Euch wieder von unser aller Emil, sobald es die Zeit dafür.

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