Deutsch als Geheimsprache

Vielleicht wird Deutsch jetzt nach und nach sowieso noch mehr eine Form der Kryptographie, also, dass jeder gleich nur für Dechiffrierungsspezialisten schreibt, vorausgesetzt, er schreibt etwas Vernünftiges. In deutschem Satzbau.

Wir haben viel dazugelernt. Wir dürfen Kraft nicht mehr in einem Satz mit Freude verbinden, Blut schon gar nicht mit Ehre oder gar Treue, Heil schon gar nicht mit Sieg. Also wird immer dunkler und unverständlicher, was wir sagen. Denn solcherlei Einschränkungen sind nicht einmal die allein schlimmsten.

Wir müssen unsere Sprache unterhunzen, dass die SchweinInnenschwärter krachen. Man lässt uns auch im sonstigen Wortschatz keine Ruhe. Selbst an besten Redewendungen haben wir zu sparen. Kurzum: Wir sind gezwungen, unsere Sprache noch tiefer zu verschlüsseln. Und zwar so, dass wir über frei veränderbare Codes arbeiten, die nicht der Google noch der Engländer knackt. Sie halten uns einfach für verkalkt, und unsere Sklavendienste verpennen es damit auch.

Es reicht schon, dass ein „und“ da steht, wo es bei anderen nicht steht, und man wacht auf. Noch ein paar Signale, und man weiß, dass mal wieder eine Botschaft ernstzunehmen und entsprechend zu bewerten ist.

Da wir gar kein Netzwerk im eigentlichen Sinne unterhalten, eben eines mit frei fließenden Codes, ohne irgendwas mit Geheimbund und Eid und derlei Firlefanz für Kleinkinder, kann uns unmöglich ein Geheimdienst alle kennen. Wir wissen selbst nicht wie viele von uns wo sitzen, wie sollten die Schlapphüte das wissen? – Wohlgemerkt gehören zu uns auch die, die Botschaften nur wahrnehmen und verstehen, sich gerade ganz bedeckt halten wollen oder müssen. Allenfalls unterschwellig im eigenen Raum etwas davon weitertragen.

Über Dinge wie Kennworte und derlei sind wir längst hinaus. Unsere Codes funktionieren ganz wesentlich auch über das gezielte Weglassen. Genauer erkläre ich das jetzt aber nicht auch noch, denn sonst bekomme ich zurecht Schelte.

Deutsch als Rätsel.

Nietzsche meinte noch, alles am Weibe sei ein Rätsel.

Immerhin aber gab es dafür eine Lösung.

Bisher ein Kommentar

Eine Antwort auf „Deutsch als Geheimsprache“

  1. Aus diesem Artikel abgeleitet könnte die Sprache schon vor dem Eingreifen der Nichtsprachenwissenschaftler als Falle bezeichnet werden. Die germanisch-stämmigen Sprecher haben in den Grundzügen schon eine so starke, bis starre Höflichkeitsform der Sprache, dass es für einen slawisch-stämmigen Sprecher eher um Geheimnisse geht, um Krypten, die der germanisch-stämmige Sprecher von sich gibt, denn um klare, direkte Hinweise und Ereignisse.

    Dem germanisch-stämmigen Sprecher ergeht es umgekehrt sehr ähnlich, nur ganz anders. Er fühlt sich vom slawisch-stämmigen Sprecher angesprungen, arglistig betrogen und ist einem Nervenzusammenbruch nahe, in dem er sich unter dem Schreibtisch versenken will, oder vor dem Spiegel sein Gehirn befragen.

    Dabei wäre alles so einfach, wüsste man eben nur um diese Dynamik Bescheid.

    Am ehesten zum Ziel führend wäre es, den slawisch-stämmigen Sprechern einfach nur zuzuhören, wenn sie untereinander reden. Nicht selten wurde angenommen, die würden streiten, sie werden laut Wiederholungen ohne Ende tauchen auf, sie fallen sich ins Wort, was eine überhöhte Aufmerksamkeit anzeigt, nichts darüber hinaus, und wenn sie nicht plötzlich lachen würden und sich dabei verbiegen und verrenken, würde wohl ein germanisch-stämmiger Zuseher die Polizei geholt haben, weil er einen Ausbruch von Gewalt oder Krieg befürchtet hätte.

    Bei direkter Rede von einem Slawisch-Stämmigen zum Germanisch-Stämmigen habe ich immer lange Pausen festgestellt, nach Fragen. Weil die Frage i s t direkt. Kein Umschweif, kein Um-den-Heißen-Brei, nein, ganz frontal und ungewohnt schnell. Das führt zu Pausen beim Germanen.

    Was soll sich da einer entschuldigen, für etwas, das er gar nicht getan hat? Es sind sprachliche und Temperaments – bedingte Grundlagen, die zu Fehlinterpretation führen und zu Irreleitungen in der Nervenleitung. Alles nur Irrtum. Guten Tag und schöne, mutig Experimente mit Menschen, die ein b i s s c h e n anders sind. Nicht gleich die Nerven schmeißen und nicht schießen. Nicht nötig. Alles harmlos. Wer es fassen kann, der gehe nicht gleich über……

    LG

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