Träume: Was bedeutet was?

Es ist schon verwunderlich, über was man sich in Träumen alles wundert – ich jedenfalls – , ohne sich hinreichend zu wundern, dass man wenigstens im Traum selber einen trutzigen neuen Kurs einschlägt, wo es einem gar zu bunt wird: oder immerhin aufwacht.

Manchmal, außer wenn ein böser Alp mich drückt und allenfalls zum Aufwachen führt, schaffe ich das mit dem Kurswechsel, weil mein Restverstand einfach nicht mehr einsiehen will, weshalb ich mich immer noch mehr abstrusen Situationen aussetzen sollte.

Es soll ja Leute geben, die sich genauer damit auskennen. Hat mir beispielsweise vor Jahren einer erzählt, dass, wenn in einem Traum ein Haufen Scheiße vorkomme – ich meine sozusagen echte Scheiße – so sei das oft ein Hinweis darauf, dass man bald an viel Geld käme.

Scheiße, in die man tappt oder die an einem klebt, also als Traumsymbol für Geld. Hat bei mir noch nie funktioniert, und so bin ich doch froh, dass dieser Stoff nicht gar so oft vorkommt, wenn ich in Morpheus‘ Armen liege.

Oder liegt das wieder nur an meinem defätistischen Kleingeist, hätte ich einfach viel öfter beim Einschlafen schon an Scheiße denken sollen, mit der im Traume dann viel aufgeschlossener, weniger intolerant umgehen, auf dass mir im Wachen endlich Pekunia lache? – Man muss ja vielleicht nicht gleich koprophil werden…

Dieweil habe ich das Glück, in meinen Träumen immer wieder auf herrlich-phantastische Landschaften zu stoßen, in denen ich mich an der Erhabenheit der Erdennatur freuen darf. Und macht es mir da gar nichts aus, sperrt das nicht einen wichtigen Weg, wenn das mäandernde Flüsschen plötzlich woanders liegt als eben noch, also wie die Berge über ihm.

Die meisten kennen wohl, dass einem im Traume die Stimme versagt, wenn man sie am lautesten brauchte, dass man nicht rennen kann, die Füße wie angeklebt, die Schenkel schlaff, wie auch die Sache mit der Höhenangst und dem Abstürzen. Allerdings, zum Ausgleich vielleicht, kann ich manchmal fliegen oder wenigstens sehr weit hüpfen, fliegen beispielsweise über Japan, bis ich über Hokkaido merke, dass die Insel eher aussieht wie die Schottischen Highlands, weswegen ich von dort auch schon etwas irritiert gen Süden abgedreht bin, über Honshu, herauszufinden, ob unten auf Kyushu wirklich Tee und Zitrusfrüchte wachsen.

Das Reisen dahin, wo man schon war oder auch nicht, gehört für mich zum Schönsten beim Träumen, aber vielleicht verdient man dann zum Ausgleich am andern Tage wenig bis nichts, anders als mit der Scheiße, für deren Ertragen man diesseits des Schlafes dann reich belohnt wird.

Heute Nacht zum Beispiel ging ich mit Freunden über wundersame verschneite Bergpfade, und ich weiß noch, wie ich sagte, dass alles fast noch schöner sei als im Sommer, in welchem ich wiederzukehren vorhabe.

Also, kurz, wenn das mit der Scheiße stimmt, nur bei mir nicht, was bedeutet dann die herzergeifende romantische Schneewanderung?

Etwa, dass mir mitten im Hochwinter der Kachelofen durchbrennen wird?

Bisher 8 Kommentare

8 Antworten auf „Träume: Was bedeutet was?“

  1. Gigi Lichtaubergh hat mir gewährt, diesen Kommentar, zuerst zu diesem Beitrag auf meinen Gastartikel erschienen auf bumibahagia.com, auch hier einzustellen:

    Ich träumte heut Nacht von einer großen Veranstaltung bei der sehr viele Menschen zugegen waren. Auf einer Leinwand wurde etwas gezeigt, das für mich keinen Sinn ergab. Doch alle Menschen schauten wie hypnotisiert auf diese grelle Leinwand und bewegten sich dabei kaum. Sie hielten still, auch dann, als es zu regnen begann. Sie blieben auch noch da, als es dunkel wurde. Alle waren nass und es war dunkel und nur das grelle Licht der Leinwand war zu sehen. Die Kleidung der Leute begann zu glänzen im reflektierenden Licht der Leinwand. Es sah so aus, als würden sie mit dem Licht der Leinwand in Bewegung geraten und Mitspieler sein.

  2. Heut Nacht saß ich in einem hohen Baum und rund um mich flogen kleine Vögelchen, die mich überhaupt nicht zu bemerken schienen. Das Laubwerk rund um mich herum war so dicht, dass ich oben nur ein kleines Stück blauen Himmel, und unten nur ein winziges Stück Rasen mit Gänseblümchen sehen konnte. Ich hörte leise die Stimmen von unten, und wie ein Hund spielte. In meiner Hand hielt ich bunte Wolle, die der Wind immer wieder in alle Richtungen verwehte. Sie wieder einzufangen und zu ordnen, erschien mir wie das Spiel eines Kätzchens.

  3. Mir träumte heute Nacht von lichten Bildern und allerlei lieblichen Dingen. Leider vergaß ich das Meiste, weil untertags dann ziemliche Aktionen zu verkraften waren. Doch eines weiß ich noch, weil ich es mir so einprägte, um es vielleicht in eines meiner Bücher zu zeichnen.

    Es waren junge Weidenbäumchen. Sie standen einzeln, zu vielleicht viert in einem kleinen Boot und trieben das ruhige, helle Wasser eines Flusses entlang. Es waren mehrere solcher lieblicher Bilder und ich war sehr beruhigt und gelöst bei ihrem Anblick. Das sehr ruhige Wasser war mehr weiß als Blau und unterschied sich kaum von der Luft. Die Atmosphäre war sehr entspannt und kein Laut war zu hören. Die Luft flimmerte von Helligkeit und hatte nur Feuchtigkeit, keine Bewegung in sich. Also eher tropische Grundstimmung.

    Insgesamt völlig abgehoben von einer realen Wirklichkeit.

    1. @ Gigi

      Mich träumte heute Nacht – neben anderem Unfug, Wirr- und Widersinn – , ich sei in einem Endspiel von Juventus Turin gegen die unbesiegbar Erscheinenden von Real Madrid aufgestellt worden, wovon nachvollziehbarerweise niemand was hielt, und doch schlug ich mich als Verteidiger bis zur Halbzeit anerkannt wacker, wir standen unter Aufbietung übermenschlicher Kräfte bei einem heroischen 1:1. Danach wurde es noch abstruser, das lasse ich jetzt weg…

      1. @ Gigi

        Dein Traum war zweifellos ruhiger, schöner, ätherischer. Ich durchschwamm einmal leichthin das ganze Hamburger Hafenbecken, an allen Kähnen und Kais und Kränen vorbei, das Wasser war wunderbar klar und blau und karibikwarm, um dann wenig später an einer schönen Urlaubsvilla (vermutlich am Mittelmeer) anzukommen…oder so ähnlich…nach kurzer unbeschwerter Zeit gab es dann irgendwelchen Ärger mit Unbekannten…oder so…

      2. @ Magnus

        Du meinst der Traum träumt Dich? Das ist ein ganz interessanter Ansatz. Also nicht ich träume den Traum, sondern der Traum träumt mich? So habe ich es noch nie gesehen. Mal neugierig, was das jetzt mit mir macht…. 🙂 Dein Fußballtraum könnte andeuten, dass Du noch was vorhast, und vielleicht auch noch berühmt wirst, mal sehen, ob ich damit richtig liege….

        1. @ Gigi

          Also gut.
          Nach der Halbzeit ging es in eine merkwürdige unterirdische Waschanlage, mit einer Absaugvorrichtung, die schließlich bedrohlich wurde. Wir kamen raus, das Spiel war offenkundig beendet, die von Real Madrid saßen, indem wir wieder am Licht, auf der anderen Seite der Straße, stoische Gesichter, es war von daher unklar, wer am Ende gewonnen hatte, oder ob es Remis geblieben war. Dann brach die Sequenz ab, denn ich wunderte mich zu sehr über diese schräge Lage.
          Das einzige, was an der Sache Sinn ergibt, ist, dass ich als junger Hockeyspieler ein sehr guter Verteidiger war. Ansonsten habe ich keine Anhnung, wie ich da bei Juve gelandet bin.

  4. @ Magnus

    danke für Dein Echo. Die letzten beiden Monaten träumte ich ganz, ganz selten und ziemlich bruchstückhaft. Nun scheint eine neue Phase zu sein und die Träume werden leicht und heiter.

    Deine Träume haben es aber auch in sich! Du könntest im realen Leben eine Übung machen, die nur gefährlich aussieht, dabei die sichere Ankunft winkt.

    Meistens träume ich das, was zuerst kommt am Tag – zuletzt. Also wenn es ein Voraussagetraum ist, dann kann ich oft die Deutung danach machen. Und das ergab ein Muster, dass sich das Tagesgeschehen unter die langfristigen Vorausschauen mischt, meist zuletzt, kurz vor dem Aufwachen. Die jungen Weiden hatten so etwas anmutiges, heiteres an sich, ich wollte sie festhalten. Diese Stimmung hatte insgesamt so etwas verspielt-heiteres an sich, jetzt denke ich, wenn ich das nachzeichne, es entbehrt völlig des Untergrunds. Ein Boot, mit Weiden, schön angereiht, kein Blumentopf zu sehen, kein Schiffer. Nichts von alledem. Leichtigkeit pur.

    Es wäre das Schönste überhaupt, in eine solche Situation hinein sterben. – Und da hat die Welt so viel Angst vor dem Tod! Geschürt von der Kirche und von der Pharma-Industrie, bis hin zum verpflanzen von fremden Organen.

    Meinem Traum nach muss es eine Dimension geben, die eine solche Süße beinhaltet, die a l l e s, was wir hier tun ad absurdum führt. Da fällt mir ein, die letzten Tage sah ich meinen Vater. Er sah schön braun aus in seinem Gesicht. Also sehr gesund. Er sah mir mit seinen blauen Augen direkt ins Gesicht. Dann kam seine Frau, (die schon zu Lebzeiten immer vor ihm stand und ihn für sich beanspruchte…) und er ging in ein Zimmer und die Tür war zu. Seine Frau stand vor dieser Tür und sagte etwas zu mir.

    Ein kleines Mädchen stand da und ich sagte zur Frau: „Sie zeigt mir noch den Weg.“ Die Frau stimmte zu und ging zu Vater ins Zimmer. Das Mädchen und ich nahmen uns an der Hand und gingen einen steilen, steinigen Weg mitsammen nach unten. An der Kurve zeigte mir das Mädchen den Weg. Es war ein Feldweg mit hellen, flachen Steinen und er ging ein Stück lang gerade voraus und ich sagte: „Ja, den schaffe ich.“

    Da ging das Mädchen den Weg zurück hinauf zum Haus und ich sah auf den Weg, der vor mir lag, bevor der Traum aus war.

Schreibe einen Kommentar zu Gigi Lichtaubergh Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.