Nietzscheanokonfuzianer?

Es ist natürlich grundsätzlich problematisch zu sagen, man sei ein Nietzscheaner oder Konfuzianer, denn das klingt sehr nach einer völligen Anhängerschaft. Und Nietzsche meinte ja: „Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? – Suche Nullen!“

Dies vorausgeschickt heiße ich mich gleichwohl einen Nietzscheaner. Ein solcher wurde ich schon in meinen frühen Zwanzigern, inzwischen zudem ein Konfuzianer, wofür ich deutlich über vierzig werden musste, da ich seine Überlieferungen erst ab da studierte.

Diese Kombination klingt zunächst unwirklich, ja wirr: legte doch Nietzsche alles auf den Einzelnen, Konfuzius alles auf ein funktionierendes Gemeinwesen, den bestmöglichen Staat.

Konfuzius forderte nun aber den Edlen, den Menschen höchster Sittlichkeit, der allein in der Lage sein könne, durch Vorbild richtig zu führen.

Und solange wir noch Staaten brauchen, kann ich ihm nur zustimmen. Und wenn wir einmal keine Staaten mehr brauchen – Nietzsche bezeichnete den Staat als das kälteste aller kalten Ungeheuer – , so wird das meines Erachtens nur erreicht worden sein, weil sich die Nietzscheanokonfuzianer durchgesetzt haben.

Bisher kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.