Aberglaube durch das Zeitempfinden

Ein Kollege erzählte mir mal von seinem Aberglauben, für ihn gegründet auf Erfahrung.

Er meinte, wenn man eine Veranstaltung ansetze, nicht wissend, wer, wie viele kämen, dann sei es verhängnisvoll, immerzu sehnlichst hoffend nach der Tür zu schauen. Dann käme erst recht keiner.

Kaum aber habe man die Tür vergessen, sozusagen mit Absicht, denke man ganz und gar an anderes, hoppla! , da käme einer nach der anderen rein.

Ich muss nicht weiter erklären, für was für einen Unfug ich das halte, kann aber doch eine recht einfache Erklärung für dies Empfinden ansetzen.

Man sitzt also da, frägt sich, was für eine Pleite im Sinne des grundsätzlichen Interesses vieler der Abend wohl werde, indem noch kaum einer gekommen, die Neuzugänge allenfalls tröpfeln. Die Nervosität lässt jede Minute zur Ewigkeit werden.

Dann beschäftigt man sich noch einmal mit seiner Rede oder wird in ein interessantes Vorgespräch verwickelt. Zehn Minuten später wundert man sich erfreut, dass doch noch ein paar, eine ganze Menge Leute gekommen.

Dabei denkt man leicht nicht daran, dass viele eben erst später kommen, nicht eine halbe Stunde vorher, dass sich die innere Zeitachse, das Zeitempfinden total verschoben haben.

Und so kann man zu dem Schluss gelangen, es kämen immer mehr Interessierte, je weniger man an sie dächte, sich nach ihnen sehnte.

Eine ganze Menge Aberglaube beruht auf diesem Phänomen.

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