Vom Lesersiege

Ich sagte kürzlich einem, dass mir zehn gute Leser am Tage zehn Siege bedeuteten. Es sind aber dann eigentlich elf, denn ich bekomme ja auch noch einen.

Das habe ich nicht sehr gut hinbekommen, das war unbedachtes Geschlärr, denn es stimmte die Zahl nicht und der Rest nicht.

Ich meinte ja nur, dass ich mit gleich wie wenigen Lesern immer irgendwie mitsiegen würde, indem ich ihnen ja zu ihrem Siege auch mitverholfen.

Irgendwie ist mir das zu verwirrend, das Ganze, besonders das mit dem Lesersieg. Weiß ich, wie groß des einzelnen Lesers Sieg? Wie süß sein Sieg? Wie sehr ihn sein Sieg trunken machte?

Bin ich der Doktor Allwiss?

Ich will auch nicht zu jeder Siegesfeier jedes Lesers eingeladen werden, man mag zuviel von mir erwarten, weder Damen noch der Art Herren anwesend haben, mit denen ich gerne Verkehr pflege, und damit meine ich nicht deren Äußeres.

Wofern mich nun aber ein Leser vertraulich zu seinem Siege befragen will, darf er das gerne tun. Will er meine Dienste dazu länger in Anspruch nehmen, ist über ein angemessenes Entgelt dafür zu reden.

Ich bin auch bereit, mit Gruppen über ihre Lesersiege zu reden. Ich rede in Sälen und Stadien zu den Lesersiegen meiner Leser. Das bin ich ihnen schließlich schuldig, indem so viel von ihrem Siegesglanz auf mich herabfällt.

Außerdem habe ich ja eine klare kriegerische Grundaufstellung: Wer es schafft, meine Schriften zu verdauen, den heiße ich einen Lesersieger.

Vor solchen Leuten habe ich noch mehr Achtung, als ihnen ein jedes entgegenbringen sollte. Vorboten eines neuen Adels.

Immer mehr Sieger. Und keiner ist dem anderen bös oder neidet ihm seinen eigenen Sieg. Klingt so, wie als ob ich eine Art Siegerparadies einrichten könnte, einfach mit lauter Lesersiegern drin.

Das wird nicht klappen.

Lesersieger wird es gleichwohl geben.

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