Jan Gustafsson: Weltkaiser des Geschwätzblitzens

Ach, nun war ich eben schon am Loben, so mache ich doch gleich weiter damit.

Diesmal handelt es sich um Jan Gustafsson, einen starken deutschen Schachgroßmeister, der es zwar nie bis in die schachliche Weltspitze schaffte, aber ganz anderes leistet als das.

Als Aushängeschild und wesentlicher Organisator der Seite chess.24 in Hamburg kommentiert er, neben dem Verfassen von Videos über Eröffnungen, live große Turniere, im besten Falle auf Englisch mit seinem guten russischen Freund Peter Svidler, inzwischen auch auf Deutsch mit dem kernigen Berliner Robert Rabiega, war aber zwischenzeitlich auch, wohl nicht ohne Grund, Sekundant des Weltmeisters Carlsen in seinem letzten Kampf gegen Karjakin.

In gewisser Weise ist all das und noch mehr für mich, und ich denke, für viele, noch nicht das Beste.

Er hat nämlich das relativ neue Genre des Banterblitz oder deutsch Geschwätzblitzens zur bislang höchsten Meisterschaft gebracht. Und zwar auf Englisch, das macht er meistens, wie auch auf Deutsch.

Diese junge Form der Unterhaltung besteht darin, dass ein guter Spieler im Netz zu Fünfminutenpartien (je Seite) antritt, dabei allerlei Schachliches erklärend, ein paar Scherze und etwas allerlei einstreuend, die Sache vergnüglich und lebendig zu machen.

Jan Gustafsson nun aber ergetzt sich an Wortspielen, „googelt“ diese nebenbei, erzählt von Filmen und merkwürdigen Fragen und Begebenheiten, jammert und winselt ob seiner Denkunfähigkeit und zumal -faulheit, wenn er mal wieder schlecht steht, brennt Feuerwerke an Unfug ab, vergleicht, da er ja kaum ein Buch gelesen habe, auch mal den guten Dostoijewski mit dem Tolstoi, den er zu lesen es nicht weit schaffte, undsoweiter, und er hat jetzt schon über hundertsechzig dieser Videos gemacht, und ich halte ihn für den Größten des Genres.

Zumal bei all diesem Gefuchtel und Geschwätz die Analyse und das Erklären und Wägen der Stellungen nicht zu kurz kommt. Außer, da entschuldigt sich der Großmeister dann aber auch in der Regel, wenn er in harte Zeitnot kommt, jetzt einfach ziehen muss, anstatt auf den nebenherlaufenden Chat zu reagieren und zu „googeln“ und weiters herauszuhauen und auch noch zu erklären.

Für mich ist Jan Gustafsson der Weltkaiser des Geschwätzblitzens.

Und wenigstens ein Anwärter, wenn es um den Titel des Multiple-Taskers geht.

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