Italienische Küche die beste?

Ich fange mit einer kleinen Geschichte an, die mir ein glaubwürdiger junger Deutscher erzählte.

Der war über einen Freund irgendwo in Mittelitalien auf ein paar Wochen zu den absoluten Waldfreaks eingeladen, die irgendwie eine Vereinbarung mit der Polizia hatten und dem Rest, dass sie praktisch machen konnten, was sie wollten, solange sie keinen störten, sie lebten vom Land und sonst von diesem und jenem, es fuhren auch manche mal zum Lavoro in die Stadt.

Eines Abends erlaubte sich der junge Deutsche einen Spaß mit den Italiani.

Zunächst meinte er im Zusammenhang mit Essen provocantemente, die italienische Küche sei nicht die beste der Welt.

O was brach da über ihn herein! Nein, er ward nicht erdolcht, man blieb friedlich, aber das Entsetzen über diese barbarische, ignorante Einlassung ließ auch dann nicht nach, einer nach dem andern kam, über Stunden, der Sache nachzusetzen, als der knitze Tedesco hinzusetzte, die italienische Küche sei eben nicht allein die beste, nur so habe er es gemeint, die indische sei genauso gut. Auch das konnten die „Elfi“, so nannte man sie, nicht und niemals auf sich sitzen lassen. Leute, die sich wohl nie und nimmer mit einem italienischen Nationalismus oder gar Nationalchauvinismus in Verbindung sähen.

Nun zur eigentlichen Sache.

Die indische oder chinesische oder französische oder katalanische oder japanische Küche ist wohl genausogut wie die italienische, ja, es gibt selbst deutsche Gerichte, vor allem Wildgerichte, die den Vergleich mit ihr nicht scheuen müssen.

Aber: Man schaue sich die Vielfalt der italienischen Küche an! All die Regionalküchen!

Und da, bei Indern oder Chinesen im Verhältnis von etwa zwanzig zu eins gegenüber den Italienern, ist die Sache relativ gesehen schon gegessen.

Außerdem, mal abgesehen von all den Süßspeisen und Konfekten und Eiskünsten: Wo sind da all die Schinken, Würste, Käsesorten?

Und, ich rechne zur Küche auch den Wein, die Grappe, die tausend Liköre, den Espresso, den Cappuccino. Wo sind die in Indien oder China?

Also, die Frage war falsch gestellt.

Die italienische Küche ist pro Kopf unter den besten die vielseitigste.

Und soherum doch die beste.

Kein Wunder hiemit, dass die Italiani so empört waren, auch wenn sie nicht recht einzuordnen wussten, weshalb sie eigentlich im Recht seien.

Bisher 4 Kommentare

4 Antworten auf „Italienische Küche die beste?“

  1. Unsinn!

    Frag mal die Italiener, in wievielen Variationen sie Sauerkraut zubereiten können. Richtig: In keiner.
    Dann noch die Türken mit ihrem (berliner) Döner: Wieviele Varianten von Schlecht hat man da schon gegessen? Und nicht zu vergessen, die guten!

    Dann noch die Asiaten: Man hat noch nie soviele unterschiedliche Arten von Dünnschiss erregenden Bakterien im Labor ziehen können und wird es auch nie, als wie die Asiaten es vermögen bei zu kühl gekochtem Essen. Das ist hohe Kunst! Und wenn man schon alles steril und absolut tot zusammenkochen muss, dann ist der Spielraum beim Essen eben enorm verkleinert. Das gibt von Beginn an eine ausgleichende Gutschrift in der Bewertung, wegen natürlicher Behinderung beim Essenkochen. (Sollten wir international vielleicht Kochparalympics einführen?)

    Und das mit den Getränken in der Küche gerechnet: Da haben die Deutschen schon allein mit ihrem Bier gewonnen. Hinzu kommen die Varianten von Schnäpsen und Likören. Während der Deutsche nach dem Probieren aller italienischer Getränke leicht beschwipst zum Pinkeln geht, liegt umgekehrt der Italiener auf der Intensivstation.

    Bleibt noch das Eis: Das kann ich mir mit der Eismaschine selber machen.

    (SO hätte der Deutsche die Diskussion locker gewonnen oder zumindest im Keim erstickt. -Oder sie ihn.)

  2. @ Thomas

    Jetzt wollte ich über den Umweg Essen und Trinken gerade mal hinterlistig nachweisen, dass ich kein Nationalchauvinist bin, und schon fährst Du mir so in die Parade. Das werde ich mir merken.

  3. Schön, und Danke, lieber Magnus, dass du den Kommentarbereicht freigeschaltet hast.

    Neulich erst hab ich mit einer Freundin die verschiedenen Nudeln im Italienischen erörtert.
    Da brauchst du ja echt im italtenischen für jede Soße eine andere Nudel und das empfinde ich mit meinem hohenlohischen spasamen Verstand als total überflüssig.

    Bei uns gibt es Spätzle (die aus der Spätzlespresse, dieser Teig, mit Mehl Eiern und Salz und sonst nichst), die kann man für alle schwäbischen Gerichte verwenden, sei es für Schweinsbraten, sei es für Wildgerichte, sei es für Rahmschnitzel, sogar für Linsen mit Spätzle, für Kuddeln und Käs..und und und…..
    Sämtliche schwäbische Gerichte kann mit ein und der selben Nudel dareichen, da gibt es als Alternative nur noch die Klöse, die Kartoffelklöse und die Semmenlklöse (manches was ja alles nicht unbedingt heimaltlich ist, aber schlußendlich kann man zu diesen Alernativen auch sämtlich angeführte Soßen darreichen.)

    Von daher finde ich deine italienische Darlegung auch als recht schwach interpretiert!

  4. Nun, liebe Bettina, indem mir Thomas schon als teutonischer Sauerkraut- und Trunkeskrieger in meine transalpinistische kulinarische Italophilie gefahren ist, kommst Du mir, dem Urerzschwabenseckel, auch noch mit den Spätzle als Diskriminosum gegen Spaghetti, Farfalle, Penne, Linguine, ja gar Ruote.
    Ich rieche Seitensabotage.
    Allerdings, hätte ich gerade Hirschmedaillons und gar Eier da, ich rennte sofort und schabte bald.

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