Dichterfluch entflucht

Den Dichterfluch handelt sich jeder Dichter, der nicht viel Geld verdient, damit so gut wie jeder, ein.

Dichter sein heißt gleich einem fahrenden Kesselflicker oder einer diebischen Metze in dessen Gefolge umherziehen, nie Bettes noch eines ordentlichen Bissens gewiss, die letzten Kreuzer beim Haderlumpen um einen Humpen seines Weines gelassen, nicht selten Nachtstatt unter Treppen in Spelunken, in hohlen Bäumen oder unter Laubhäufen.

Zeitweise, wenn ihm Sesshaftigkeit gewährt und er nicht von den Häschern und den Bütteln und den Wirten und dem Rest verfolgt, er als kleiner Schreiber oder Hauslehrer sein Auskommen findet, fällt er in die Grube, indem er meint, der Fluch sei von ihm gehoben.

Schnell reicht dann aber wieder eine überdehnte Madame oder irgendein Geck, ihn anders zu unterrichten. So hat er genug, es ist ja schon so oder ähnlich das dritte Mal.

Der Dichter, nun, von dem ich rede, schmiedete den Fluch über sich gegen alle Abergläubischen endlich um zu seinem Wortschwert, und der Abergläubischen gibt es viele, das mag man mir wohl glauben.

Und so, da der Rest das auch gerne sah, entfluchte er den Dichterfluch.

Nur dass das noch nicht alle Dichter wissen.

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Die meisten Dichter sind gebildet, von recht erträglichen Umgangsformen, in ihren Bedürfnissen gewohnt bescheiden, sie machen oft gute Hausgäste, sie wissen besser als jeder andere, wann sie wo bestimmt nichts zu sagen haben, sorgen also nicht für Aufruhr und Aufsehens, zumal in diesen freien Zeiten, kurzum, wie kann es sein, dass es noch gehobene Hotels und ganze Kurbäder gibt, die sich zur Erbauung ihrer Gäste wie ob ihres Rufes keinen Dichter halten?

Selbst der Verfassungsschutz hält sich Dichter, warum machen das nicht auch Kreuzfahrtschiffe und zumal sämtliche Unternehmen, die etwas von sich halten?

Was ist einer noch, der sich keinen Dichter hält?

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