Weshalb ich gerne Theater spiele

Zugegeben, ich habe erst ein paar Mal „ernsthaft“ Theater gespielt, auf einer nicht allzugroßen, aber doch recht geachteten Bühne (Rosenau in Stuttgart). Immerhin jedesmal solo, mit eigens gezimmertem kurzem Programm.

Es macht einfach einen Riesenspaß. Die Herausforderung lässt das Blut so richtig fließen. Es ist Jetzt, nur Jetzt.

Ich weiß nicht, wie gut ich war, immerhin aber wurde geklatscht, wurde ich nachher freundlich angesprochen und betrachtet, überdies wiederum eingeladen, mich mit neuem Programm zu versuchen.

Es ist einfach anders, als am Rechner zu sitzen und mittlere Weisheiten abzukochen sich zu versuchen. Die grellsten Kalauer direkt an Mann und Frau bringen, gnadenlos gegen sich selber, nur wenig gnädiger dem Publiko.

Es hat schon was mit dem Spruch, dass dies die Bretter seien, die die Welt bedeuten.

Das Programm vorbereiten. Die Kostüme selber schneidern. Die Sprechpausen, die Sprachwechsel planen. Es dann doch anders machen, als vordem gedacht. Irgendwas vergessen oder fallengelassen, dafür Spontanes, aus dem Augenblick heraus, zwischendrein. Das ist Leben.

Gut, man hört schon, eine regelmäßige, vorgegebene Rolle habe ich nie gespielt. Dafür bin ich auch wegen meines vernarbten Gesichtes und der entsprechenden linken Karibikpiratenhand weniger geeignet, es sei denn, ich sollte, mit diesen Privilegien ungeschminkt natürlich ausgestattet, irgendein Halbalienmonster oder einen skipetarischen Räuberhauptmann oder alten Veteranen Cäsars geben.

So bleibe ich, wenn ich wieder die Gelegenheit habe, beim Kabarett.

Feines, Schräges, dazwischendrein ein wenig Durchdrehen, Fuchteln, Fluchen, Krächzen, Darniedersinken, Toben, Säuseln, Spätzen, Sinnieren, Torkeln, Hüpfen, Röhren, alles, was das Herz begehrt.

Magnus, die Riesenscheiße, Magnus, die Katastrophe, Magnus, der Unerbittliche, Magnus, der Chaot, der Unbelehrbare, der Gnadenlose, der verloren Gewinnende, der ärgste und liebste aller Käsper.

Ja, manches Mal haben nur wenige gelacht, den anderen blieb das Lachen im Halse stecken. Das aber macht oft genau den besten Witz. Den, an den sich die Leute erinnern.

Das hoch Geistige glattfrech ins Vulgäre setzen, ins Amerikanesische oder Schwäbische, immer Überraschung, grell bis zur kurzfristigen Blindheit des Publikums, bar jeder Scham, Spinner, dass die Spinnen von der Wand fallen und ehrfürchtig herankriechen, verwirrt, dass sich die Katz‘ frägt, dann, wie mit dem Schwert durchs dickste Tau, zerbröselnd sich wieder, ringend, fassend: So etwa versuche ich mich am Theater.

Wer jetzt noch nicht begriffen hat, weshalb ich zwar vielleicht nicht gut, aber gerne Theater spiele, dem kann ich auch nicht mehr weiterhelfen.

Bisher kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.