Ommeloina

Lange gelang es mir nicht, ein entsprechendes deutsches Wort für das bei Jugendlichen seit Jahren so „inne“ engleutsche „Chillen“ zu finden, welches mir meine Filii jederzeit entgegenschleudern, mit einem „Alter, chill mal!“, sobald ich auch nur hauchzart dazu ansetze, in einen geringsten Voraufregungszustand zu geraten.

Ich erwidere inzwischen standardmäßig: „Ich chille immer. Ich mache gar nie etwas anderes!“ Oder Ähnliches. Das hilft ein wenig.

Nun sprach ich aber vor ein paar Monden einen guten Bekannten, einen trefflichen Bassisten, Schduergerder Urschwob, darauf an, und er meinte sofort, „chillen“ sei doch nichts anderes als „ommeloina“. (Also etwa: „rumlumpen“ oder „abflacken“, „abstracken“.)

Ewig das schwäbische Wort nicht mehr gehört, doch es saß sofort.

P.S.: Mit fällt gerade ein, dass ich am Hauptbahnhof von Neapel vor Jahrzehnten mal einen reichlich arbeitsscheuen jungen Österreicher traf, der nannte das gepflegte selbstzufriedene Nichtstun, erinnere ich’s recht, „Rumsandeln“.

„Abhängen“ kommt mir gerade auch noch in den Sinn, doch hängt man ja eher im coolsten Club ab, weil man nicht nur „chillen“ will, oder?

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Lesen reiche dem Leser

Heutzutage hat sich die Forderung weitestgehend durchgesetzt, der Schreibende solle immer an den Leser denken.

Nur, „den Leser“, den gibt es nicht.

Und was bringt man denn, handelt es sich nicht um ein Lehrbuch oder einen mediokren Krimi oder Arztroman, noch zuwege, wenn man immerzu an den vermutlich im Schnitt etwas begriffsstutzigen Leser denkt?

Ich setze den Fall, dass Friedrich Nietzsche in diesem Sinne nie an „den Leser“ dachte. Sonst wäre wohl kaum etwas seines Werkes entstanden, am wenigsten der Zarathustra.

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Mathematiker und Physiker (III)

Nun aber holt der Mathematiker zum Schlag aus und erklärt dem Physiker, dass er Laus ohne Gauss noch nicht einmal wüsste,  was er alles nicht wisse.

Der, daraufhin, nicht faul, meint einfach, damit habe es auch einmal einen zweifellos nützlichen Mathematiker gegeben, wovon aber ohnehin, von den erkennbaren physikalischen Gesetzen her, irgendwann einer auftreten müsse. Womit Gauss eine Zwangsläufigkeit der Natur sei.

Ja  nu.

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Mathematiker und Physiker (II)

Es war einmal ein Dichter, der wollte die ganze Erklärung der Welt in einem Vers wissen.

Dann kam ein anderer, der wollte das auch.

Die beiden fühlten sich von keinerlei anderen Dichtern in ihrem Suchen bedrängt.

Der eine war ein Mathematiker, der andere ein Physiker.

Schließlich, nach hartem Ringen,  obsiegte der Physiker.

Denn der verstund den anderen wenigstens leidlich in dessen Tun und Zielen, umgekehrt aber war da wenig.

Auch wusste der Physiker die Welt viel mehr als ganzes Gebilde zu betrachten.

Zudem gab er den Menschen fühlbar mehr.

Die Geschichte ist trotzdem noch nicht zuende.

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Schuhwerksweisheit

Unterhielt ich mich mit einem weithin hoch geachteten Meister, dessen Fach zwar Holz und Instrumentenbau und nicht Leder und Schuhe, der aber schon viel zu Fuß unterwegs war, über gutes Schuhwerk.

Er nach einigem Austausch über Juchtenleder- und Finnenstiefel undsoweiter schließlich knapp: „Nicht ich laufe mit meinen Schuhen, meine Schuhe laufen mit mir.“

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