Die echte Hölle ist feuchtheiß

Gerade merke ich wieder, was ich für ein Weichei bin. Ich kann mir nämlich kaum vorstellen, auf Dauer in Tiefland-Feuchttropen zu leben. Das ganze Jahr über nur Schwitzen, kein bisschen Winter zur Besinnung, ohne Stechviecher und Kakerlaken. Das Essen vergammelt fast schneller, als man es richtig gekocht hat, es wird immer gegen Siebene dunkel, es regnet nur mal mehr und mal weniger. Alles dampft immer. Man kann nicht einmal, wie ich kürzlich, bei Glatteis jämmerlich auf seine Rippen donnern, um mal etwas innezuhalten. Nachmittags stinkt es beim Metzger schon wie die Sau, selbst wenn da nur Rindfleisch liegt. Wein wächst in solcher Hölle sowieso nicht. Deutsches Bier oder auch nur ein trinkbares Bier kostet ein Vermögen, man muss Rum saufen, um die Sache halbwegs zu ertragen. Man kann ohne Klimaanlage, die jede Kränk bringt, noch nicht einmal mit dem Vögeln anfangen, ohne dass Schweiß schon beim Vorspiel von der Nase auf Tantes Wanst tropft. Alles schimmelt über Nacht, selbst der beste Lederstiefel. Gegen die Darmparasiten muss man so viel Knoblauch und Chili und Ingwer fressen, dass einem die Lust selbst daran vergeht, alle Jahre über durch. Überall Leute, die schon vor der Arbeit grausam schwitzen. Genau so kommen sie dann heim unter ihre lausigen Ventilatoren, wenn sie denn Strom haben und sich diesen leisten können, um nur etwas weniger zu schwitzen. Man braucht acht oder zehn schlechte kalte Biere am Tag, kann man sich wenigstens die leisten, um sich noch als Mensch zu fühlen. Und schon wieder Ameisenstraße in der Bude, Ratten und Affen klauen alles Essbare, was nicht in Panzerstahl gekühlt, auf der Gasse, wenn nicht in Singapur, wundgrindige Bettler und tote Rindviecher, die erst entsorgt, wenn ein Tschandale dafür bezahlt, man wagt es kaum, seine Notdurft im Sitzen zu verrichten, da einem sonst ja ein Zwergalligator von unten die Eier aus der Schüssel beißen könnte.

Bekommt man eine Grippe, so hat man zur Kurage nicht einmal ein unverlaustes, unverflohtes, unverwanztes Bett. Und selbst unterm Moskitonetz hört man in Fiebernächten ständig jene, die einem Malaria und Dengue und Gelbfieber dazu bringen wollen, indem man, immerhin so klug, nie in einen Bach oder See gestiegen, sich wenigstens noch keine Bilharziose abgeholt hat.

Und die Leute, wenn nicht Chinesen oder Japaner oder gleichfalls leidende Europäer, sind demgemäß meist lethargisch, drehen aber zum Ausgleich, was wunder, auch sehr schnell durch und versenken sićh gegenseitig oder auch einen selber mal ganz plötzlich in dem Fluss, aus dem das Wasser kommt, das man trinkt. Man weiß gar nicht mehr, ob sich zu waschen noch irgendeinen Sinn ergibt, da man ja nach einer halben Stunde bereits wie vordem, und aus dem Abfluss grinst meist eine Tarantel. Geht man mal zwei Schritte in den Wald, so bluten die Füße schnell von den Bissen der Blattscheiderameisen, die man gestört. Vogelspinnen und Skorpione warten unter jedem unachtsam umgedrehten Glas und in jedem noch nicht enddurchgeschimmelten Schuh. Überall hässliche Huren, die einem billigst die nächste Krätze anbieten. Barbiere mit rostigen Messern, hundert Jahre nicht gereinigt. Und dazu, Spott fehlt nicht, tanzen die Leute noch zu heißen Rhythmen. Man wird neidisch, weil denen das alles nichts auszumachen scheint. In Wirklichkeit haben sie aber alle irgendwo Pusteln und Beulen, die Pest, Blattern, Fischvergiftung und Bürgerkrieg grinsen um jedes Eck.

Man hätte keinen römischen Bürger je sowohin verbannt. Selbst der schlimmste Soldatenkaiser hätte sich geschämt, so etwas zu tun. Und jeder Römer hätte sich lieber in sein Schwert gestürzt, als sowo den Rest der Sinnlosigkeiten seines Lebens zuende zu bringen.

Und gerade deshalb bewundere ich die Leute, die, geduldig wie ein Wasserbüffel im Reisfeld, dorten irgendwie überleben, dem Büffel nur ihren Rum und ihre Trommel voraushabend.

Glaubte ich an die Macht des Betens, ich betete da jeden Tag für einen Winter. Der aber vernichtete die Reisernte, und die Wasserbüffel verendeten allda gleich mit im Felde. Was für eine Scheiße.

P. S. : Als Feigling und Weichei bin ich aber natürlich käuflich. Für eine Million Euronen Vorkasse in Gold gehe ich ein Jahr nach Porto Velho. Überlebe ich das, korrupt, wie ich nunmal bin, so mag es das wert gewesen sein. Andernfalls erben wenigstens meine Kinder, wissen, dass Papa sich für ihr Fortkommen geopfert.

Bisher ein Kommentar

Eine Antwort auf „Die echte Hölle ist feuchtheiß“

  1. @ Magnus

    Wie ward ich oft kritisiert, daß ich nichts als das Negative und kaum was darüber hinaus sehen könnte und deshalb arbeite ich seit Jahren daran, an Allem und Jedem etwas Gutes zu sehen, wo und wie es nur ein bißchen geht. Wie hoch erfreut bin ich nun, daß Du mit dieser, Deiner Betrachtung mich deutlich in den Schatten gestellt und ein klares Bild gezeichnet, wie ich es mich nicht getraut hätte, und doch ist es die blanke Wahrheit.

    Mein Vater kam mich einst besuchen, um meine Söhne sehr zu enttäuschen, weil er keine Einladung nach Australien für sie ausgab. Jeden Tag geht eine Farm in Staub auf. Die Straßen sehen mit jedem Jahr anders aus, weil die hölzernen Buden aufgestellt und abgerissen werden, wie bei uns nicht einmal die Hundehütten. Dann kann jeder ins Outback fahren zu den Aborigines, die mein Vater überhaupt nicht schätzte, weil sie ihre Behausung regelmäßig verheizen. Und er mußte mitzahlen, um denen von Regierungsgeldern neue zu beschaffen.

    Wildschweinarten gibt es dreierlei, wovon er zwei nicht essen wollte, zur Not aber doch schießen, wenn nichts Anderes vor die Flinte kam. Jeder weiß von deren speziellem Ozonloch und den dazugehörigen Hüten mit Halstuch dran. Dann habe ich noch gelesen von deren Politik, und da war ich dann froh, daß der Herr Papa so ungnädig uns in Europa hat sitzenlassen. Wie schätze ich mein Territorium mehr und mehr und will es auch weiterhin als meines besetzen.

    Gigi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.