Gespenster zu guten Geistern

Es gibt Zeiten, da scheint man gar nicht voranzukommen, eine „Schnapsidee“, eine Grille jagt die andere, keine taugt am Ende, jedenfalls nicht für jetzt, und doch hat manche Wochen oder gar Monde gefressen: es scheint, wie als ob man all diese Zeit vergeudet habe.

Und wenn man Naheliegendes und Notwendiges darüber liegen ließ, was daran gemessen offenkundig, so mag man sich fragen, ob man denn jeden vernünftigen Kompass verloren habe, indem man nichts oder viel zu wenig richtig angepackt hat.

Das mag aber ein Trugschluss sein.

Erstens, wer weiß, ob man später nicht doch wird auf bereits Vorausgedachtes, Angefangenes zurückgreifen können? Zweitens, wie gut vielleicht, dass manche Schnapsidee ausgekatert, man ihr nicht weiter folgte, so richtig schön „konsequent“, bis zu einem viel schmerzhafteren Erwachen? Es kann dies eine Art Destillationsprozess sein. Endlich bleibt das Wesentliche übrig. Manches Gespenst, das sonst immer irgendwie im vielleicht sollte ich doch, hätte ich doch weiter sein Unwesen getrieben hätte, hat ausgespukt.

Auch mag auf solch schwankendem Wege, gerade da, plötzlich ganz unerwartet etwas Neues, völlig Unerahntes hinzutreten, des man auf festem Grunde zu einem klaren Ziel hin schreitend gar nicht gewahrt hätte. Und das wird auf einmal sehr wirklich, erzeigt sich nach und nach als tragfähig, fordert nicht einmal einen harten Schnitt, kann sich füglich neben und mit dem Naheliegenden und Notwendigen entwickeln.

Natürlich ist man in einer Zeit des Andenkens abseitiger Neuanfänge auch nicht davor gefeit, wenn nicht Millionär, in jede Art Misstrauen seines Umfeldes zu laufen. In Argwohn, Herablassung, Missgunst und Verachtung. Man gilt immer mehr als Spinner, ja gar Schmarotzer, Tagdieb. Man versucht sich zu rechtfertigen, man brauche jetzt nunmal etwas Zeit, doch Zeit sich zu nehmen, das gilt allzuvielen als ohne Sicherheiten geborgt, die werde ja nie zurückgezahlt, so geht die Kunde, selbst wenn man selber für sich sorgt, keinerlei Almosen heischt. Jeder weiß einem den Weg besser zu weisen als man selbst, mancher lästert, man komme nur noch immer weiter runter, ja sei schon mindestens halb verrückt.

Geht die Sache nun aber endlich in eine neue Richtung, angeregt durch das Unerahnte oder einfach ob des abgeschlossenen Gärprozesses, eiderdaus, plötzlich wird aus einem der Gespenster ein guter Geist. Und vielleicht noch eins und noch eins wird am richtigen Platze wirklich.

Bisher kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.